Alfa Romeo Tonale: Das Beste kommt zum Schluss

Nach fünf Jahren kann Alfa Romeo endlich wieder ein neues Auto präsentieren: Der Tonale soll für Stückzahlen sorgen und startet als Mildhybrid – gefolgt von einem Diesel und Plug-in. Frage (nicht nur für Alfisti): Bestellen oder warten?

In Frankfurt hat Alfa Romeo den Tonale nochmals für erste Probefahrten präsentiert. | Foto: G. Soller
In Frankfurt hat Alfa Romeo den Tonale nochmals für erste Probefahrten präsentiert. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Der Tonale soll helfen, Alfa wieder Stückzahlen zu bringen – und betört schon auf dem ersten Blick mir gelungenem Design innen und außen: Viele Details konnten von der Studie in die Serie gebracht werden, darunter die 3+3-Lichtsignatur, die man unter anderem von SZ, 159 oder Brera/Spider kennt samt der gelungenen Proportionen und der „Cannocchiale“ genannten tubenförmigen Instrumente, die zwar digital, aber in klassischer Grafik dargestellt werden. Hier kann man Entwarnung geben: Der Tonale ist ein typischer Alfa! Und zieht mit seinen großen festen Aluschaltpaddeln, wertigen Applikationen im Sichtbereich und dem Dachhimmel, der oberhalb der Frontscheine eingeschlagen und nicht einfach billig abgeschnitten wurde, klar Richtung Premium. Eine Etage tiefer und im Kofferraum wird die Haptik und Materialität dann etwas sparsamer.

Innen punktet er Tonale mit ordentlichem Raumangebot und schicken Designdetails

Platz gibt es für vier groß gewachsene Personen auch im Fond (gerade) noch ausreichend – hier hilft dem Tonale, dass das Dach weit nach hinten zieht, bevor es abfällt – Kopffreiheit im Fond gibt es genug, ebenso wie Kofferraum. Da rückt er dem größeren und stärkeren Stelvio schon nah auf die Pelle, zumal wenn man ihn mit ebensolcher „Pelle“, also Echtleder und einigen Extras ausstattet.

Jetzt aber den Startknopf gedrückt und den 1,5-Liter-Vierzylinder-Mildhybrid zum Leben erweckt. Der leistet mit normalem Turbo 130 PS, mit variablem Lader 160 PS und wird von einem 15-kW-48-Volt-E-Maschinchen unterstützt, das sich im Siebengang-Doppelkuppler versteckt und bis zu 55 Nm Drehmoment extra losmacht. Offiziell bieten die Verbrenner beide 240 Nm Drehmoment, die schon ab 1.500 Touren bereitstellen sollen, doch irgendwie tun sie das nur ungern: Obwohl in letzter Minute noch nachgebessert (mit manch anderen Details), wirken sie meist angestrengt und eher unlustig, so dass man je nach Gemütszustand zwei Möglichkeiten hat: Man dreht die dreistufige Fahrdynamikregelung „Alfa DNA“ entweder Dynamic, um immer einigermaßen Punch zu haben oder man nutzt „Advanced Efficiency“ und lässt den Italiener einfach vor sich hintrödeln. Es gäbe dazwischen noch „natural“, was weder niedertouriges Bummeln noch dynamisches Fahren echt unterstützt. Insofern bleibt ausgerechnet der Antrieb ein bisschen blass in der schönen Hülle, sodass wir hier auf jeden Fall zum Diesel oder viel stärkeren Plug-in raten. Zumal er trotz gelegentlichen Motor-Wegknipsens kaum unter 8,0l/100 km Verbrauch zu bekommen ist, was allenfalls ein durchschnittlicher Wert ist. Da verspricht der wache 1,3 JTD weniger. Offiziell verbrauchen die beiden Mildhybride je 5,7 bis 6,1 respektive 6,5 l/100 km, was 129 bis 148 g CO2 entspricht. Auch der Übergang vom Stromer auf den Benziner gestaltet sich in manchen Fällen (beim Ausrollen oder Wieder-Anfahren) manchmal minimal unharmonisch – das überblenden andere unauffälliger.

Klassisch: Lenkrad und Instrumente

Das Lenkrad greift sich knochig-direkt wie immer, trotzdem dürfte die mit 13,6 schon direkt übersetzte Lenkung unserer Meinung in einem Alfa nach fast noch eine Idee spitzer sein, zumal dem Tonale das trockene und sauber abgestimmte Fahrwerk hier gut zuarbeitet. Es findet den feinen Kompromiss aus Straffheit und Restkomfort.

Immer wieder ein Genuss sind die klassischen Skalen der Anzeigen und auch die Bedienung blieb mit dem Klimatisierungsklavier noch halbwegs klassisch. Weniger Wert legte man auf ausgefeiltes Infotainment, hier muss ein 10,25-Zoll-Screen genügen, dessen Bedienung in Ordnung geht, genauso wie das Sprachverständnis passt, aber nicht an die Besten im Segment heranreicht – obwohl Alfa hier, wie auch bei der Sicherheitsassistenz wieder massiv nachgelegt hat.

Stark ist auch die Garantie von vier Jahren und dass man seinen Tonale als NFT per Blockchain zertifizieren lassen kann: Dann erhält der spätere Käufer alle Infos über das Auto – nicht nur Service, Wartung und Reparaturen, sondern auch Infos zum Fahrverhalten. Hier schielt Alfa bewusst auch auf Flotten, wo man so einen Blick auf die Nutzung werfen könnte und den Wagen später auf jeden Fall zertifiziert weitergeben könnte.

Die Preise starten bei selbstbewussten 35.500 brutto (29.831,93 Euro netto) für den 130-PS Sprint, während der 160-PS-Ti bei 42.000 Euro brutto (das sind 35.294,12 Euro) beginnt. Die Edizone Speciale als Opener kostet 39.000 (32.773,11 Euro netto) mit 130 PS respektive 41.000 Euro brutto  (34.453,78 Euro netto) mit 160 PS und rangiert in der Ausstattung zwischen dem 130-PS Sprint und dem 160-PS-Ti.

Was bedeutet das?

Der Tonale punktet mit herrlichem Design, knackigem Fahrwerk und ordentlichem Raumangebot. Er bringt Alfa Romeo erfrischend zurück – auch auf den Einkaufszettel mancher Nicht-Alfisti. Motorisch gilt jedoch: das Beste wird erst noch kommen!

 

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