Airbus und Ecocopter: Elektrische Luftmobilität für Südamerika

Der europäische Flugzeugbauer Airbus und Ecocopter, ein Luftverkehrsdienst mit Sitz in Chile, erweitern ihre Zusammenarbeit und wollen in Südamerika ein Ökosystem für nachhaltige urbane Luftmobilität aufbauen.

Der CityAirbus NextGen soll Vier Passagiere elektrisch bis zu 80 Kilometer weit bringen.| Foto: Airbus
Der CityAirbus NextGen soll Vier Passagiere elektrisch bis zu 80 Kilometer weit bringen.| Foto: Airbus
Thomas Kanzler

Beide Unternehmen haben eine Absichtserklärung unterzeichnet, um die Zusammenarbeit bei der Einführung von städtischen Luftmobilitätsdiensten in verschiedenen Ländern Lateinamerikas aufzunehmen. Dies sei laut eines Unternehmenssprechers von Airbus ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur gemeinsamen Schaffung eines funktionierenden Ökosystems für urbane Luftmobilität in der Region.

Hubschrauber-Dienstleister Ecocopter

Das 2003 gegründete Unternehmen Ecocopter bietet in Südamerika neben hochkomplexen Arbeitseinsätzen aus der Luft alle Arten von Dienstleistungen an, die mit Hubschraubern bewältigt werden können. Die Airbus-Hubschrauberflotte, bestehend aus 16 H125, zwei H135 und drei H145 erfüllt Aufgaben wie Offshore-Transporte, Bergbauunterstützung, medizinische Evakuierung oder auch Brandbekämpfung.

„Mit bereits 20 Jahren Erfahrung im Betrieb von Hubschraubern und fünf Jahren im Betrieb von Drohnen ist diese Partnerschaft ein natürlicher Schritt für uns“, sagte Marcelo Rajchman, Corporate CEO von Ecocopter, „wir wollen ein wichtiger Akteur im Urban Air Mobility (UAM) -Ökosystem sein, und die Projekte, die wir gemeinsam mit Airbus entwickeln werden, werden uns diesem Ziel näherbringen."

Dekarbonisierung der UAM

Im Rahmen der Vereinbarung werden die Partner Szenarien für die Einführung von Luftverkehrsdiensten, insbesondere in Ecuador, Chile und Peru, untersuchen und definieren. Dazu gehören gemeinsame Aktivitäten zur Entwicklung des UAM-Betriebs auf dem gesamten Kontinent sowie Möglichkeiten, erste Anwendungsfälle und Pilotstädte und -regionen anzusteuern. Mit dieser Partnerschaft baue der Hersteller seine enge Beziehung zu Ecocopter aus, fügte Balkiz Sarihan, Head of Partnerships & Strategy Execution bei Airbus für UAM hinzu.

„Wir freuen uns, unsere langjährige Zusammenarbeit mit Ecocopter zu erweitern“, meinte Sarihan, „gemeinsam unternehmen wir konkrete Schritte bei der gemeinsamen Schaffung des UAM-Ökosystems und unserer Dekarbonisierungs-Roadmap.  Diese Partnerschaft nutzt das Know-how von Airbus im Bereich innovativer Vertikalflugtechnologien sowie die langjährige Betriebserfahrung und Innovationskultur von Ecocopter."

Aussagen in diesem Video müssen nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

CityAirbus NextGen in Lateinamerika

CityAirbus NextGen ist ein vollelektrischer, viersitziger Senkrechtstarter und Landeprototyp (electric Vertical Take-Off and Landing - eVTOL). Er basiert auf einem Lift-and-Cruise-Konzept und verfügt über eine Reichweite von 80 km und eine Reisegeschwindigkeit von 120 km/h. Damit soll er sich für den emissionsfreien Flugbetrieb für eine Vielzahl von Anwendungen in Städten und Gemeinden anbieten.

Die lateinamerikanische Region ist von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung der eVTOL-Technologie. Diese Region ist einer der wichtigsten Märkte für das Hubschraubersegment und die schlechte Bodeninfrastruktur in den Großstädten, die oft zu einem hohen Verkehrsaufkommen führt, bietet eine Chance für die Entwicklung von UAM und Lufttaxis.

Testzentrum für eVTOL geplant

Im September 2021 stellte Airbus seinen eVTOL-Prototyp CityAirbus NextGen vor, um fortschrittliche Technologien für die Luftmobilität zu erforschen und städtische Luftmobilitätsdienste ins Leben zu rufen. Das Unternehmen hat soeben den Bau eines speziellen Zentrums angekündigt, in dem die Systeme des Flugzeugs im Vorfeld des Erstflugs getestet werden. Airbus arbeitet auch eng mit industriellen und institutionellen Partnern zusammen, um die Entwicklung von Ökosystemen für die urbane Luftmobilität voranzutreiben, wie kürzlich mit ITA Airways in Italien oder durch den Start der Initiative Luftmobilität in Deutschland angekündigt.

Was bedeutet das?

Im dicht besiedelten Europa scheint der Sinn kleiner VTOLs eher im Ersatz herkömmlicher Hubschrauber für Katastroheneinsatz oder ähnliches zu liegen und als Verkehrsmittel eher fraglich. Ganz anders ist es in Gegenden, die nicht über ein so engen Verkehrsnetz verfügen und dann über den Luftweg ökonomischer und ökologischer angebunden werden könnten.

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