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Agora-Leitfaden: Bessere Mobilität am Land per On-Demand

Thinktank gibt mit Telematikspezialist PTV erstellte Handlungsempfehlungen für Kommunen und ÖPNV-Unternehmen heraus, mit denen sich die Mobilität am Land ohne eigenes Auto organisieren lässt. Man sieht App-basierte On-Demand-Dienste und Bedarfsverkehre als perfekte Ergänzung von Bus und Bahn.

Bei Aufruf Taxi: Bedarfsverkehrs wie der On-Demand-Dienst hvv hop von DB-Tochter ioki in Hamburg und Schleswig-Holstein können die ÖPNV-Anbindung am Land deutlich verbessern. | Foto: ioki
Bei Aufruf Taxi: Bedarfsverkehrs wie der On-Demand-Dienst hvv hop von DB-Tochter ioki in Hamburg und Schleswig-Holstein können die ÖPNV-Anbindung am Land deutlich verbessern. | Foto: ioki
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Johannes Reichel

Per App buchbare Sammelfahrten mit Kleinbussen haben das Potenzial das Mobilitätsangebot am Land zu verbessern und die Abhängigkeit vom privaten Auto zu verringern. Das ist das Fazit einer Publikation des Berliner Thinktanks Agora Verkehrswende, die zusammen mit dem Telematikspezialisten PTV Transport Consult entstanden ist.  Vor allem in ländlichen Regionen bieten On-Demand-Services die Möglichkeit, dünne Angebote des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) zu ergänzen, so die Autoren. In ihrem Leitfaden erklären sie, unter welchen Bedingungen sogenannte Linienbedarfsverkehre sinnvoll sind und wie sie erfolgreich ins öffentliche Verkehrssystem integriert werden können. Die Publikation entstand darüber hinaus in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Landkreistag, dem Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) und dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV).

Insbesondere in dünn besiedelten Gebieten fahren klassische Bus- und Bahnlinien seltener und das Haltestellennetz ist begrenzt. Bedarfsverkehre bieten auf Bestellung (on demand) individuelle Abfahrtszeiten auch an zusätzlichen, virtuell festgelegten Haltepunkten. Das könne laut Agora die Lebensqualität insbesondere von Menschen ohne Zugang zu einem Pkw erhöhen. Auch unterstütze es das Ziel der Bundesregierung, Erreichbarkeitsstandards für ländliche Räume zu etablieren und das Mobilitätsangebot zu verbessern.

„In vielen ländlichen Regionen führt am eigenen Auto bislang kaum ein Weg vorbei. Dort können flexible Kleinbusse die gewohnten Linienbusse und Bahnangebote ergänzen, um Mobilität und soziale Teilhabe zu garantieren. Für Menschen ohne Auto wäre das ein riesiger Gewinn – und für alle anderen eine Möglichkeit, das Auto öfter stehenlassen zu können oder auf den Zweitwagen zu verzichten. Landkreise und Verkehrsunternehmen sollten diese Möglichkeit nutzen, um der Verkehrswende auf dem Land mehr Schwung zu verleihen", wirbt Wiebke Zimmer, stellvertretende Direktorin von Agora Verkehrswende. 

Handlungsempfehlungen für verschiedene Siedlungsstrukturen

Für einen erfolgreichen und effizienten Einsatz von Linienbedarfsverkehren empfehlen die Expertinnen und Experten, diese im Zusammenspiel mit den festen Linien und Fahrplänen des konventionellen ÖPNV zu planen und zu betreiben. Betriebssimulationen für verschiedene Beispielregionen zeigten, dass sich ihre Ausgestaltung an der Siedlungsstruktur orientieren sollte. Linienbedarfsverkehre könnten gezielt kleinere oder schlecht erschlossene Ortsteile und Regionen abdecken, Zu- und Abbringerfunktionen zu Bahnhöfen erfüllen oder zu Stoßzeiten überlastete Busse oder Bahnen ergänzen. Für Verbindungen mit hoher Fahrgastnachfrage, etwa in Zentren ländlicher Regionen, eignen sich konventionelle Linienverkehre dagegen weiterhin besser, raten die Autorinnen und Autoren.

Integration in die allgemeinen Ticketsysteme

Sie empfehlen, Linienbedarfsverkehre in bestehende Tarif-, Ticket- und Informationssysteme zu integrieren. Mit der Verteilung der Haltepunkte und der zulässigen Länge der Umwege werde sichergestellt, dass Reisezeiten ähnlich oder kürzer sind als im konventionellen ÖPNV. Außerdem sollten die zurückgelegten Kilometer ökologisch und wirtschaftlich ins Verhältnis zu den erbrachten Fahrgastwegen gesetzt werden. Wenn die Kleinbusse als Zubringer zum konventionellen ÖPNV dienen, sollte das Erreichen der Anschlüsse Vorrang haben, so das Urteil.

„Auf dem Land ist der Linienbedarfsverkehr ein Schlüssel, um eine gute Erreichbarkeit durch öffentlichen Verkehr zu gewährleisten. Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag bereits festgehalten, dass sie Qualitätsstandards für die Erreichbarkeit in der Stadt und auf dem Land definieren will. Das ist ein wichtiger Schritt. Darüber hinaus brauchen die kommunalen Aufgabenträger langfristige Zusagen von Bund und Ländern, dass sie für den Aufbau von Linienbedarfsverkehr zusätzliche Mittel bekommen“, appelliert Philipp Kosok, Projektleiter Öffentlicher Verkehr bei Agora Verkehrswende.

Für eine möglichst große Verlagerung der Wege weg vom Auto empfiehlt der Thinktank außerdem neben Verbesserungen des ÖPNV den Abbau von Privilegien bei der Pkw-Nutzung.

Die Hälfte der Bevölkerung ist schlecht angebunden an ÖPNV

Laut dem ÖV-Atlas von Agora Verkehrswende ist die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland schlecht oder gar nicht mit Bus und Bahn versorgt. Im ländlichen Raum werden mehr als 80 Prozent der zurückgelegten Kilometer mit dem privaten Auto gefahren. Dünner werdende Angebote zur Deckung von Grundbedürfnissen wie Supermärkte, Arztpraxen oder Schulen führen zu immer längeren Wegen. Je geringer die Besiedlungsdichte, desto schwerer ist die Bündelung des Personenverkehrs entlang fester Linien und Haltestellen. On-demand-Verkehre könnten die erste und die letzte Meile abdecken und den ÖPNV von morgens bis abends überall fußläufig erreichbar machen.

Seit der jüngsten Novelle des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG) von August 2021 haben Kommunen durch den im Gesetz neu geschaffenen „Linienbedarfsverkehr“ verbesserte rechtliche Möglichkeiten, die flexiblen Kleinbusse als Bestandteil des ÖPNV einzuführen. Sie fahren dann keine festen Linien, müssen aber die im ÖPNV üblichen Vorgaben und Pflichten, etwa zur Barrierefreiheit, erfüllen. Zum Ausgleich kann der Anbieter des Linienbedarfsverkehrs Zuschüsse vom Landkreis erhalten. Leitfaden „Mobilitätsoffensive für das Land“ Die Publikation mit dem Titel „Mobilitätsoffensive für das Land.

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