Agora: Investoren brauchen klare Klimastrategien der Autoindustrie

Der Think Tank hält integrierte Unternehmensbewertungen für notwendig und empfiehlt verpflichtende Vorgaben für Berichterstattung auf dem Weg zur Klimaneutralität. "Erderhitzung bringt Autohersteller in hohes Risiko".

Im Blick der Banken: Mehr Transparenz und eine zukunftsorientierte Berichterstattung von Autoherstellern fordert ein Thesenpapier der Agora Verkehrswende. | Foto: Screenshot/Agora
Im Blick der Banken: Mehr Transparenz und eine zukunftsorientierte Berichterstattung von Autoherstellern fordert ein Thesenpapier der Agora Verkehrswende. | Foto: Screenshot/Agora
Johannes Reichel

Für die Modernisierung der Automobilindustrie in Richtung Klimaneutralität brauchen Investoren und Banken von den Unternehmen bessere Informationen, damit sie ihre wirtschaftlichen Interessen schützen können. Darauf verweist der Berliner Thinktank Agora Verkehrswende auf Grundlage eines aktuellen Thesenpapiers. Ratingagenturen sollten deshalb ihre Unternehmensbewertungen weiterentwickeln. Grundlage dafür sei, dass die Politik verpflichtende Vorgaben für die Berichterstattung von Automobilunternehmen formuliert.

„Nur Automobilunternehmen, deren Geschäftsmodell und Strategie mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens kompatibel sind, bieten Investoren und Finanziers Schutz vor klimabedingten Risiken“, meint Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende.

Der Umbau der Automobilbranche in Richtung Klimaneutralität erfordere in den kommenden Jahren erhebliche Investitionen von Seiten der Finanzbranche. Die Investitionsentscheidung werde immer mehr davon abhängen, ob einzelne Unternehmen nachweisen können, dass ihre Strategie auf Klimakurs ist, so Hochfeld.

"Deshalb ist es im wirtschaftlichen Interesse der Hersteller und Zulieferer sowie der Investoren und Banken, wenn die Politik Standards für die integrierte Berichterstattung der Unternehmen definiert. Darauf können Ratingagenturen aufbauen", skizzierte der Agora-Chef weiter.

Klimabedingte finanzielle Risiken in Ratings bisher kaum berücksichtigt

Das Thesenpapier will aufzeigen, wie wichtig die Finanzwirtschaft für das Erreichen der Klimaziele im Automobilsektor sein kann und wie sich dieses Potenzial erschließen lässt. Je stärker Investoren und Banken zum Schutz ihres Kapitals die Transformationsfähigkeit und -willigkeit der Unternehmen bei ihren Entscheidungen berücksichtigten, desto mehr hänge der Zugang der Unternehmen zu Kapital davon ab, ob sie klimabedingte Anforderungen erfüllen. Erstellt wurde das Papier vom NKI - Institut für nachhaltige Kapitalanlagen im Auftrag von Agora Verkehrswende. Um das Risiko eines finanziellen Engagements beurteilen zu können, benötigten Investoren und Banken verlässliche Informationen, betont Rolf Häßler, geschäftsführender Gesellschafter des NKI.

„Klassische Finanzkennzahlen und nachhaltigkeitsbezogene Daten und Bewertungen werden bisher in separaten Ratings dokumentiert. In Zukunft muss ein integriertes Unternehmensrating umfassend und systematisch darstellen, welchen Klima- und weiteren nachhaltigkeitsbezogenen Risiken ein Unternehmen ausgesetzt ist und welche finanziellen Folgen diese haben können", fordert Häßler.

Die Erderhitzung setzt Automobilunternehmen in besonderem Maße physischen und regulatorischen Risiken mit erheblichen finanziellen Folgen aus, so die Autoren. Bislang konzentrierten sich Unternehmensbewertungen jedoch auf vergangene Geschäftsjahre und gingen kaum auf klimabedingte finanzielle Risiken in der Zukunft ein.

"Die Folge davon ist, dass Automobilherstellern und ihren Zulieferern der Anreiz fehlt, ihre Geschäftstätigkeit konsequent an den Erfordernissen des Klimaschutzes auszurichten. Ratingagenturen wiederum fehlt die Grundlage, um den Kapitalmärkten ein realistisches Bild über potenzielle Investitionsrisiken zu geben", monieren die Autoren weiter.

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