Agora: Höhere E-Auto-Prämie als Booster für Elektrifizierung

Milliarden-Programm für Klima- und Verkehrswende: Think Tank schlägt 2.000 Euro höhere Prämie für E-Autos vor, die Ausweitung auf E-Vans bis 7,5 Tonnen und ein Bonus-Malus-System für Verbrenner.

Doppelter Booster für die Mobilitätswende: Der Think Tank Agora schlägt kräftige Impulse für grüne Verkehrsmittel vor - und einen Fonds für Start-ups. | Foto: Adobestock
Doppelter Booster für die Mobilitätswende: Der Think Tank Agora schlägt kräftige Impulse für grüne Verkehrsmittel vor - und einen Fonds für Start-ups. | Foto: Adobestock
Johannes Reichel

Um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise möglichst schnell zu überwinden und das Leben in Deutschland zukunftssicherer zu machen, haben Agora Energiewende und Agora Verkehrswende einen gemeinsamen Vorschlag für ein umfangreiches Konjunkturprogramm vorgestellt. Mit insgesamt 100 Milliarden Euro soll der Bund demnach in den nächsten zwei Jahren Investitionen in mehr als einem Dutzend Bereichen anstoßen – von der Energiewirtschaft über den Verkehrssektor und die Bauwirtschaft in Deutschland bis hin zur Stahl- und Wasserstoffindustrie in der Europäischen Union. Damit soll nach dem Dafürhalten der Forscher die Wirtschaft nicht nur gesunden, sondern zugleich auch so umgebaut werden, dass sie bis 2050 klimafreundlich werden kann.

„Im Moment steht Corona im Fokus, aber die Klimakrise ist immer noch da: 2020 könnte wieder eines der trockensten Jahre in Deutschland werden und eines der heißesten weltweit. So eindringlich, wie die Wissenschaft vor den Folgen einer ungebremsten Pandemie warnt, so warnt sie auch vor den Folgen der globalen Klimakrise“, mahnen Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende und Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende.

Ein Betrag von 15 Milliarden Euro wäre für die Mobilitätswirtschaft vorgesehen. Ziel müsse vor allem sein, die Elektrifizierung des Straßenverkehrs und die Modernisierung des öffentlichen Verkehrs zu beschleunigen.  Gleichzeitig gelte es, Fehlanreize zu vermeiden, die den Umstieg auf alternative Antriebe und klimafreundliche Verkehrsträger weiter verschleppen, meint Christian Hochfeld von Agora Verkehrswende.

„Mit klugen Konjunkturimpulsen können wir auch den Strukturwandel in der Automobilindustrie und die Verkehrswende voranbringen“, erklärte Hochfeld weiter.

Prämie um 2.000 Euro heben - PHEV-Förderung nur mit Ladenachweis

Dementsprechend schlagen die Autorinnen und Autoren des Papiers vor, den Umweltbonus für Elektroautos und Plug-in-Hybride um weitere 2.000 Euro anzuheben, dann für E-Autos mit Listenpreis bis 40.000 Euro auf 8.000 Euro. Für Autos bis 65.000 Euro soll es einen Zuschlag um 1.000 Euro auf 6.000 Euro geben. Die Erhöhung schlägt man mit Befristung bis Mitte 2021 vor. Konsequenterweise schlägt man auch eine Ausweitung auf elektrische Nutzfahrzeuge bis 7,5 Tonnen Gesamtgewicht vor. Der Bonus in diesem Segment solle vorschlagsweise zunächst für bis zu 100.000 Nutzfahrzeuge um 2.000 erhöht werden auf 12.000 Euro. Einen höheren Bonus will man auch Plug-in-Hybriden zugestehen, sofern die Halter nachweisen, dass die Fahrzeuge zu 50 Prozent oder mehr elektrisch genutzt werden.

Infrastruktur: 200.000 zusätzliche Ladepunkte

Parallel dazu werde die Ladeinfrastruktur für Elektroautos verbessert mit 500 Millionen Euro, was für 200.000 Ladepunkte genügen würde. Und es soll ein 500-Millionen-Euro-Förderprogramm für Elektromobilität im ländlichen Raum eingerichtet werden, so die Empfehlung der Experten. Hier falle auch die Koppelung an den Energiesektor leichter, so das Argument. Zusätzliche Milliardenbeträge sollen für den Aufbau von Batteriezellfertigungen in Deutschland und für einen Innovationsfonds für Start-up-Unternehmen bereitgestellt werden.

Bonus-Malus-System für Verbrenner

Im Hinblick auf Benzin- und Dieselfahrzeuge empfiehlt das Papier die Einführung eines Bonus-Malus-Systems, wobei der Bonus für besonders effiziente Modelle als Konjunkturimpuls vorgezogen wird. Zur Refinanzierung der Umweltboni regt man eine Kfz-Steuerreform an, die noch in der laufenden Legislaturperiode umgesetzt werden solle. Das System soll auf den CO2-Emissionswerte pro Kilometer basieren. Sparsame Verbrenner dabei bis zu 1.500 Euro Kfz-Steuervorteil genießen, wenn sie nicht mehr als 110 Gramm CO2 pro Kilometer emittieren. Auf drei Autobahnkorridoren sollen zudem verschiedene alternative Antriebssysteme für Lastwagen eingesetzt werden. Im öffentlichen Verkehr sollen Bund und Länder den Ausbau von Premiumbussystemen mit 500 Millionen Euro in bis zu zehn Städten fördern.

Moderne Mobilitätsdienstleistungen vorantreiben

In zehn sogenannten Innovationsräumen soll die Verknüpfung des klassischen öffentlichen Personennahverkehrs mit modernen Mobilitätsdienstleitungen vorangetrieben werden. Hierfür sehen die Wissenschaftler bis zu einer Milliarde Euro vor. Schließlich sei es Agora zufolge dringend erforderlich, zusätzliche Personalkapazitäten für die Planung und Genehmigung von Verkehrsinfrastrukturen einzurichten, damit öffentliche Investitionen in diesem Bereich möglichst rasch Früchte tragen würden. Der Entwurf des „Doppelten Booster“ genannten Vorschlags sei in den vergangenen Wochen intensiv mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik diskutiert worden, so die Autoren.

 

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