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Agora-Analyse: Wie Kommunen Ladekonflikte im öffentlichen Raum entschärfen

Organisiert durchs Nadelöhr: Der Thinktank veröffentlicht einen Leitfaden für Kommunen und empfiehlt Priorität auf Ladeangebote im privaten und halböffentlichen Raum, auch um wertvollen Platz etwa für Fuß und Radverkehr oder Grünflächen zu gewinnen. Bund und Länder können auf Ebene der Städte und Gemeinden gezielt fördern.

Priorisierung bei der Ladeinfrastruktur: Private oder halböffentliche Ladestationen sollten Vorrang haben vor rein öffentlichen Anlagen, meint der Thinktank Agora. | Foto: ChargeX
Priorisierung bei der Ladeinfrastruktur: Private oder halböffentliche Ladestationen sollten Vorrang haben vor rein öffentlichen Anlagen, meint der Thinktank Agora. | Foto: ChargeX
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Johannes Reichel

Wenn Kommunen beim Ausbau von Ladeinfrastruktur die Priorität auf Ladepunkte im privaten und halböffentlichen Raum setzen, können sie wertvollen und meist knappen öffentlichen Raum besser zur Nutzung für anderen Zwecke freihalten, etwa für den Fuß- und Radverkehr und den öffentlichen Verkehr. Das geht aus einem Leitfaden für Kommunen hervor, den der Berliner Thinktank Agora Verkehrswende in Kooperation mit dem Deutschen Städtetag und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund erarbeitet hat. Die Rolle der Kommunen besteht demnach vor allem darin, frühzeitig ein Gesamtkonzept zu entwickeln und den Aufbau von Ladeinfrastruktur durch Privathaushalte, Wohnungsbaugesellschaften, Arbeitgeber, Handel, Gewerbe und Flächeneigentümer anzuregen und zu koordinieren.

„Kommunen, die beim Ausbau der Ladeinfrastruktur von Anfang an vom Ziel der vollständigen Elektrifizierung des Straßenverkehrs ausgehen, sind doppelt im Vorteil. Sie profitieren von den Vorteilen emissionsfreier Mobilität und müssen dafür am wenigsten von ihrem öffentlichen Raum belegen. Gleichzeitig geben sie den Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen und möglichen Investoren ein wichtiges Signal. Gerade in Städten kommt es auf eine gute Planung und Koordination an. Hier haben Privathaushalte nur eingeschränkte Möglichkeiten, auf eigene Ladepunkte zu setzen. Umso wichtiger sind deshalb Lademöglichkeiten bei der Arbeit, auf Kundenparkplätzen oder in Parkhäusern“, meint Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende.

Lokal passgenau abgestimmtes Gesamtkonzept weist den Weg

Der Leitfaden, den das Planungsbüro ISME – Institut Stadt | Mobilität | Energie im Auftrag von Agora Verkehrswende erstellt hat, beschreibt die verschiedenen Anwendungsfälle des Ladens, erklärt die Wechselwirkungen zwischen Laden im privaten, halböffentlichen und öffentlichen Raum, skizziert beispielhaft das Vorgehen einer Kommune und gibt Hinweise auf weiterführende Hilfsmittel.

Der Leitfaden empfiehlt, dass Kommunen zunächst die Zuständigkeiten für das Thema in der Verwaltung festlegen und im Dialog mit relevanten Akteuren vor Ort ein Gesamtkonzept für den Ausbau der Ladeinfrastruktur erarbeiten. Dabei müssen Fragen geklärt werden wie: Welche Lademöglichkeiten sind bereits vorhanden? Wie wird sich die Elektromobilität und der Ladebedarf in der Kommune entwickeln? Welche potenziellen Standorte gibt es, vor allem im privaten und halböffentlichen Raum? Auf der Grundlage eines solchen Konzepts können Kommunen die Planung detaillierter ausarbeiten und die Umsetzung koordinieren.

 

Elektromobilität und Mobilitätswende zusammendenken

Damit Kommunen eine koordinierende Rolle beim Ausbau der Ladeinfrastruktur einnehmen können, brauchen sie mehr Unterstützung durch Bund und Länder, betont Kerstin Meyer, Projektleiterin Fahrzeuge und Antriebe bei Agora Verkehrswende. „Dazu gehört etwa mehr Förderung für den Aufbau von Wissen und Planungskapazitäten in den Verwaltungen für die Erstellung von Konzepten für Ladeinfrastruktur. Informationen über den Ausbaustand der Ladeinfrastruktur sollten zentral gesammelt und vom Bund für Kommunen leicht verfügbar gemacht werden.“

Am Ende komme es auch darauf an, dass Kommunen den Ausbau der Ladeinfrastruktur mit der Mobilitätswende zusammendenken, meint auch Janna Aljets, Projektleiterin Städtische Mobilität bei Agora Verkehrswende. Angesichts der Erderhitzung steige der Bedarf, Verkehr auf Fuß- und Radwege sowie auf Busse und Bahnen zu verlagern; viele Kommunen planten auch mehr Grünanlagen und Wasserspeicher.

„Kommunen, die das Thema nur auf sich zukommen lassen, riskieren Fehlinvestitionen, Konflikte und Verunsicherung. Wer den Ausbau der Ladeinfrastruktur proaktiv angeht, kann seine Strategien zur Nutzung des öffentlichen Raums insgesamt besser realisieren", so Aljets weiter.

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