ADAC testet E-Auto im Hängerbetrieb: Kia EV6 als top Zugpferd

Auch wenn sich der Stromverbrauch im Gespann fast verdoppelt, mit genug Ladeinfrastruktur wären E-Autos wie der Kia EV6 von der Performance her gut geeignet für Reise, aber auch gewerbliche Aufgaben. Nach gut zwei Stunden empfiehlt der Club ohnehin eine Pause, die für Schnellladen zu nutzen wäre, wenn ...

Zieht kräftig an: Zwar sinkt die Reichweite des EV6 als Gespann auf etwa 220 Kilometer, der Verbrauch vedoppelt sich fast auf 36 kWh/100 km. Aber der Club empfiehlt dann ohnehin eine Pause. | Foto: ADAC
Zieht kräftig an: Zwar sinkt die Reichweite des EV6 als Gespann auf etwa 220 Kilometer, der Verbrauch vedoppelt sich fast auf 36 kWh/100 km. Aber der Club empfiehlt dann ohnehin eine Pause. | Foto: ADAC
Johannes Reichel

Der Automobilclub ADAC e.V. hat in einer Testfahrt untersucht, wie ein Fahrzeug aus dem mittleren Preissegment die Anwendung als Zugfahrzeug meistert. In dieser Klasse kommen zunehmend Modelle auf den Markt, die formal Anhängelasten von 1.500 bis 1.600 Kilogramm ziehen dürfen. Die Test-Route des Clubs führte dabei auf 1.281 km in drei Tagen über den Brenner und durch die Dolomiten an die Adria und durch Slowenien zurück über die Tauernautobahn. Das wichtigste Ergebnis: Elektroautos eignen sich sehr gut als Zugfahrzeug. Das Testfahrzeug, ein Kia EV6 (Allradantrieb/239 kW), überzeugte laut Testern bei der Vier-Länder-Tour mit besten Fahreigenschaften, das den voll beladenen Familienwohnwagen mühelos und ohne Motorvibrationen und Schaltrucken ans Ziel brachte. Der Stromverbrauch stieg dabei von den sonst üblichen 20 kWh für 100 Kilometer erwartungsgemäß auf durchschnittlich 36,6 kWh. Die maximale Reichweite reduzierte sich von 400 auf rund 220 Kilometer, was etwa zwei bis drei Stunden Fahrzeit bedeutet. Das sei laut Club noch ausreichend, denn nach dieser Zeit empfiehlt sich ohnehin eine Pause, die dann mit einer Ladung an einer Schnellladestation verbunden werden könnte, wie die Tester argumentieren. In 20 Minuten konnte der Testwagen dank moderner Schnellladetechnologie wieder von 10 auf 80 Prozent aufgeladen werden.

Handlungsbedarf bei DC-Ladeinfrastruktur

Erheblichen Handlungsbedarf stellten die Tester bei dieser Momentaufnahme allerdings in Sachen Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit beim Laden fest. Am ersten Tag lief das Laden in Nassereith (Tirol) und Innichen (Südtirol) noch reibungslos, und es seien lediglich zwei Ladestopps bis an die Adria notwendig gewesen. An den beiden folgenden Tagen mussten die Tester jedoch erhebliche Mängel bei Funktionalität und Authentifizierung registrieren. Einmal gab es für die Ladekarte kein Roaming-Abkommen mit Deutschland und das Direktbezahlen scheiterte, berichten die Tester. Zweimal waren ganze Ladeparks komplett ausgefallen. Nur knapp konnte ein Liegenbleiben dabei verhindert werden. Weiteres Manko beim Laden insgesamt: Meistens musste der Wohnwagen abgekuppelt und an anderer Stelle zwischengeparkt werden. Hier bedarf es mehr Durchfahrtsladestationen, fordert der ADAC. Reisende mit Elektroautos sollten in jedem Fall immer online prüfen, welche Schnellladestationen auf der Route verfügbar sind und auch funktionieren - und dabei für den Notfall genügend Restreichweite einplanen, um eine Ausweichstation erreichen zu können. Sinnvoll sei es auch, Ladekarten mehrerer Anbieter dabei zu haben.

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