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ADAC: Nicht mehr grundsätzlich gegen Tempolimit

Weil das Thema auch die Mitglieder stark polarisiert, bezieht der Club aktuell keine eindeutige Position und mahnt eine Versachlichung der Debatte sowie eine "umfassende" Studie als Entscheidungsgrundlage an.

Auf etwa 70 Prozent der Bundesfernstraßen gibt es kein Tempolimit. | Foto: Daimler
Auf etwa 70 Prozent der Bundesfernstraßen gibt es kein Tempolimit. | Foto: Daimler
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Johannes Reichel

Überraschend hat der Automobilclub ADAC seine ablehnende Haltung zu einem Tempolimit von 130 km/h auf deutschen Autobahnen aufgegeben. Wie der Vizepräsident des Clubs Gerhard Hillebrand im Vorfeld des 58. Verkehrsgerichtstags in Goslar erklärte, sei man "nicht mehr grundsätzlich" gegen eine Begrenzung des Tempos. Dennoch werde die Diskussion um ein allgemeines Tempolimit zu emotional geführt und polarisiere bei den Mitgliedern. Deshalb lege sich der ADAC aktuell nicht fest. Hillebrand mahnte an, die Auswirkungen einer Begrenzung sollten in einer umfassenden Studie geklärt werden. Diese müsse dann eine belastbare Entscheidungsgrundlage liefern.

Die meisten Abschnitte auf Bundesautobahnen sind nicht limitiert, etwa 70 Prozent. Permanente oder temporäre Limitierungen gibt es laut Bundesanstalt für Straßenwesen BAST auf 20,8 Prozent der Fernstrecken, wobei dann Tempo 120 km/h und 100 km/h am häufigsten angewendet werden. Zudem gibt es flexible Geschwindigkeitsanzeigen aus dem Leitsystem. Seit über 40 Jahren gibt es darüber hinaus die empfohlene Richtgeschwindigkeit von 130 km/h, die jetzt auch als allgemeines Tempolimit zur Erhöhung der Verkehrssicherheit und zum Klimaschutz im Gespräch ist. Deutschland ist das einzige Land in Europa, das kein Tempolimit auf Autobahnen hat. Jüngst mussten die Niederlande ein Limit von 100 km/h einführen, aus Klimaschutzgründen, aber auch, um den hohen Stickoxidausstoß aus der Landwirtschaft zu kompensieren.

Noch im Dezember hatte Hillebrand in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung im Bezug auf Vorschläge des Umweltbundesamts für mehr Klimaschutz im Verkehr samt deutlicher Erhöhung des Spritpreise um bis zu 70 Cent bis 2030 einen "ideologischen Feldzug gegen das Auto" beklagt. Allerdings wies er bereits darauf hin, dass man in Sachen Tempolimit eine "moderierende Haltung" einnehme. Autobahnen gehörten zu den sichersten Straßen und die Klimawirkung sei mit etwa zwei Prozent Reduktion überschaubar. Letztlich sei die Limitierung aber eine politische Entscheidung. 

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