ADAC-Analyse: E-Autos nur bedingt tauglich für Anhängerbetrieb

Automobilclub nimmt sich eines kritischen Themas an - und stellt ein wachsendes Angebot fest, prognostiziert aber auch stark schrumpfende Reichweite bei Hängerbetrieb um bis zu 50 Prozent.

Hänger mit Haken: Die ohnehin empfindliche Reichweite schrumpft bei E-Autos massiv im Gespann. Der BMW iX führt das Ranking an und darf 2,5 Tonnen schleppen. | Foto: ADAC
Hänger mit Haken: Die ohnehin empfindliche Reichweite schrumpft bei E-Autos massiv im Gespann. Der BMW iX führt das Ranking an und darf 2,5 Tonnen schleppen. | Foto: ADAC
Johannes Reichel

Der ADAC hat in der Reisesaison die Anhängertauglichkeit von Elektroautos untersucht und ein wachsendes und durchaus mit Verbrennern ebenbürtigtes Angebot an trailertauglichen Modellen festgestellt. Die Fahrzeughersteller hätten auf die gestiegene Nachfrage reagiert und böten die meisten Elektroautos sowie fast alle Plug-In-Hybride auf Wunsch mit Anhängerkupplung an. Dabei können die Anhängelasten zunehmend mit jenen von Benzin- oder Dieselfahrzeugen mithalten, so die Feststellung. Eine Herausforderung für die Stromer bleibe allerdings die Vereinbarkeit einer Anhängelast mit den Ansprüchen an Reichweite, denn durch den Anhängerbetrieb erhöht sich der Stromverbrauch teilweise deutlich. Die Reichweite könne - nach Schätzungen des Autoclubs - um etwa die Hälfte sinken. Wie stark sich der Reichweitenverlust im Einzelfall auswirkt, hänge vom Gewicht und dem Luftwiderstand des Transportgutes sowie den gefahrenen Geschwindigkeiten ab.

Reichweite halbiert sich tentenziell mit schwerem Trailer

Selbstverständlich sei, dass sich im Anhängerbetrieb der Stromverbrauch erhöht und so die Reichweite abnimmt. Das sei nicht anders als beim Verbrennungsmotor, nur fällt das beim E-Auto aufgrund der kürzeren Reichweite und längeren Ladedauer je nach Fahrstrecke stärker ins Gewicht. Wie stark, hängt vom Gewicht, dem Windwiderstand des Anhängers sowie der gefahrenen Geschwindigkeit ab. Mit einem schweren Wohnwagen am Haken kann man davon ausgehen, dass sich auf der Autobahn die Reichweite etwa halbiert, so der ADAC. Mit einer effektiven Reichweite von 150 bis 200 Kilometern dürften daher für die meisten Camper längere Urlaubstouren nicht infrage kommen. Wer nur einen Baumarktanhänger durch die Stadt zieht, dürfte im Gegensatz dazu nur wenig Auswirkungen auf die Reichweite spüren, meint der Club. Er rät, möglichst vorausschauend zu fahren, einen windschnittigen Hänger zu wählen und auf der Autobahn eher 80 als 100 km/h anzupeilen.

Größe bringt Anhängelast

Grundsätzlich gelte auch bei Elektroautos: Je größer und schwerer ein Auto, umso mehr Last kann angehängt werden. Somit bieten große und teure SUVs die größten Anhängelasten. An der Spitze steht der neue BMW iX mit 2.500 kg Anhängelast. Aber auch das Tesla Model X schafft 2.268 kg. Auf den Plätzen folgen mit Audi e-tron und der Mercedes EQC weitere Premium-SUV. Aber auch Fahrzeuge des mittleren Segments wie der Volvo C40 und XC40 oder der Mercedes EQA 4MATIC dürfen 1.800 kg an den Haken nehmen. Bis 1.600 kg können mehrere neue Elektroautos wie der Hyundai IONIQ 5, der Kia EV6, das Tesla Model Y oder auch der BMW i4 ziehen. Immerhin 1.500 kg schafft der Polestar 2. Geringere Lasten können an den ID.4, den Skoda Enyaq und den Audi Q4 e-tron angehängt werden - bei 1.000 kg ist Schluss, auch in der Allradvariante sind es nur 1.200 kg.

Ford Mustang Mach-E und EQS enttäuschen

Dass der PS-starke Ford Mustang Mach-E, der teure Mercedes EQS oder auch der Mittelklasse-SUV BMW iX3 maximal 750 Kilo an den Haken nehmen dürfen, werde für viele Gespannfahrer ein Ausschlusskriterium beim Kauf sein. Populäre Fahrzeuge wie der Renault Zoe oder der VW ID.3 seien gar nicht mit einer Anhängerkupplung zu haben, moniert der Club.

Bei den Kleintransportern Peugeot e-Expert, Citroen e-Jumpy, Opel Vivaro-e, Toyota Proace dürften die maximal 1.000 kg Anhängelast kaum den Ansprüchen der Zielgruppe "Handwerker" genügen. Diverse Modelle in der Klasse bis 750 kg kommen zwar noch für leichtere Zugaufgaben oder Fahrradtransport in Frage, bleiben dabei aber von den Anhängemöglichkeiten vergleichbarer Verbrenner weit entfernt. Ist keine Anhängelast vorgesehen, können manche Modelle wie der VW ID.3, der Hyundai Kona Electric, der Kia e-Soul und der e-Niro zumindest mit einer Kupplung zur Aufnahme eines Fahrradträgers ausgerüstet werden. Bei ihnen ist eine Stützlast erlaubt.

Schwierige Ladesituation: Durchfahrtanlagen gefordert

Interessant sei, dass bei manchen Marken die maximale Anhängelast von der Batteriegröße abhängt, bei anderen jedoch davon, ob es sich um ein zwei- oder allradgetriebenes Elektroauto handelt, wie es auch bei konventionell angetriebenen Fahrzeugen üblich ist.

Eine weitere Herausforderung stellt sich angesichts der bestehenden Ladeinfrastruktur: Die meisten Ladesäulen sind an der Stirnseite von Parkplätzen aufgebaut. Um laden zu können, müsste der Anhänger extra abgekuppelt werden, da sonst das Gespann Parkplätze oder den Fahrweg blockieren würde. Gerade auf Autobahnraststationen sollten nach Ansicht des Clubs deshalb künftig verstärkt "Durchfahrladestationen" errichtet werden, um dort auch Fahrzeuge mit Wohnwagen bequem aufladen zu können.

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