ABB & Lilium entwickeln Megawatt-Schnelllader für Regionalflugverkehr

Partner wollen eine Ladeinfrastruktur für regionalen Flugverkehr aufbauen. Siebensitziger Elektrojet soll in 30 Minuten Ladezeit geladen sein, nach MegaWatt-Charging-System für emissionsfreie Luftfahrt.

Zwischenlandung: Der Megawatt-Ladestandard soll Regionalflieger wie den Lilium-Elektrojet binnen einer halben Stunde auf volle Ladung bringen. | Foto: Lilium
Zwischenlandung: Der Megawatt-Ladestandard soll Regionalflieger wie den Lilium-Elektrojet binnen einer halben Stunde auf volle Ladung bringen. | Foto: Lilium
Johannes Reichel

Der schweizerische Technologiekonzern ABB E-mobility und der Elektroflugzeugspezialist Lilium N.V. haben den Aufbau einer Ladeinfrastruktur für das regionale Hochgeschwindigkeits-Flugnetz, das Lilium ab 2024 in den Markt bringt, angekündigt. Der E-Flugzeughersteller plant Netze in Florida, Deutschland und Brasilien. ABB wird nach der Vereinbarung die MegaWatt-Schnellladeinfrastruktur entwickeln, testen und bereitstellen. Dies ermöglicht die kurze Turnaround-Zeit, die elektrische Luftfahrt benötigt. Die Ladestationen sollen so ausgelegt sein, dass die Batterien in etwa 30 Minuten voll und in 15 Minuten zu 80 Prozent aufgeladen werden können, was die geplanten 20 bis 25 Flüge pro Flugzeug und Tag im globalen Vertiport-Netzwerk von Lilium ermöglichen könnte. Die anfängliche Reichweite eines siebensitzigen Lilium-Jets werde 250 km betragen, bei einer Reisegeschwindigkeit von 280 km/h.

"Umwelt und Passagiere gewinnen, wenn Lilium, dessen Mission nachhaltige Luftfahrt ist, mit ABB kooperiert. ABB hat globale Marktexpertise und ist führend bei Elektromobilität und Ladeinfrastruktur”, meint Frank Muehlon, ABB’s E-mobility Division Präsident.

Man sehe die Partnerschaft auch als Verpflichtung zu relevanten Industrieladestandards, die von mehreren Herstellern von Elektrofahrzeugen übernommen würden. Durch die Unterstützung des neuen MegaWatt-Ladestandards soll E-Mobility den Weg für die Elektrifizierung aller Verkehrsträger ebnen, von Pkw und Lkw bis hin zu Schiffen, Bergbaufahrzeugen und nun auch der Luftfahrt, so Muehlon weiter.

Flugverkehr muss dringend dekarbonisieren

Im Jahr 2019 beliefen sich laut ICCT die weltweiten CO₂-Emissionen aus dem gesamten kommerziellen Luftverkehr auf 918 Millionen Tonnen, ein Anstieg von 29 Prozent seit 2013. Personenverkehr macht 780 Millionen Tonnen bzw. 85 Prozent der Gesamtemissionen des Flugbetriebes aus. Daher sei die Dekarbonisierung des Verkehrs ein wichtiger Schritt zur Bekämpfung des Klimawandels und zum Aufbau einer nachhaltigeren Zukunft.

„Die Dekarbonisierung des Luftverkehrs ist dringend und unumgänglich. Die richtige Ladeinfrastruktur wird eine entscheidende Rolle beim Betrieb unseres regionalen Hochgeschwindigkeitsflugnetzes spielen, da sie ein schnelles und effizientes Aufladen ermöglicht", glaubt Daniel Wiegand, CEO und Mitbegründer von Lilium.

Das regionale Luftverkehrsnetz soll aus einer Reihe von Vertiports bestehen, die über mehrere Stellplätze und Hochleistungsladepunkte verfügen. Das MegaWatt Charging System (MCS), die Infrastruktur, die im Rahmen dieser geplanten Partnerschaft entwickelt werden soll, ermögliche das Aufladen mit Gleichstrom (DC) mit einer Leistung von bis zu 1000 kW und kann auch für schwere Elektrofahrzeuge wie Lastwagen und Busse verwendet werden. Bei der Entwicklung des MCS planen die Partner, sich an die einschlägigen Normen zu halten, die die Interoperabilität unterstützen.

CharIN, die Organisation zur Förderung der Interoperabilität auf der Grundlage des Combined Charging System (CCS) als globaler Standard für das Laden von Fahrzeugen aller Art, hat 2018 die Task Force „Megawatt Charging System” ins Leben gerufen, um einen internationalen Ladestandard für das Laden von Nutzfahrzeugen mit hoher Leistung vorzubereiten.

 

Printer Friendly, PDF & Email