Abarth 500e: Auch elektrisch bleibt Abarth laut

Auch Abarth wird elektrisch – mit dem 500e, der standesgemäß in der „Casa 500“ auf dem Dach der ehemaligen Fiat-Fabrik in Turin präsentiert wurde.

Große Schürze, große Klappe: Der Abarth 500e bleibt auch elektrisch laut. | Foto: Abarth
Große Schürze, große Klappe: Der Abarth 500e bleibt auch elektrisch laut. | Foto: Abarth
Gregor Soller

Der 500, egal ob als Abarth oder Fiat, gehört zu den Nationalheiligtümern Italiens. Entsprechend groß war der Bahnhof neben dem Turiner Bahnhof auf dem Dach (und der ehemaligen Einfahrstrecke) des einstigen Fiat-Werks Lignotto – wo nebenan hinter Zäunen noch immer das stolze Ex-Fiat Verwaltungsgebäude steht, aber auch schon längst keinen Input mehr in den Stellantis-Konzern gibt.

Die italienischen Journalisten und Journalistinnen kamen zu Hunderten, um der Enthüllung des neuen Abarth beizuwohnen. Wenngleich man dem 500 endlich mal eigenständige Abarth-Modelle beistellen müsste, was Luca de Meo einst auch vorhatte und dann bei Seat (Cupra) und Renault (Alpine) umsetzt(e). Immerhin – der 500e wäre mal ein knackiger Anfang. Passt auch zur neuen Losung von Fiat-Chef Olivier François, der ab 2024 nur noch Elektromodelle im Programm haben will. Seine Ansage: „Abarth – Heating Up People, But Not the Planet”.

Der neue Abarth nutzt die kleine Basis des Fiat 500, da die neue Stellantis-Konzern-Plattform STLA Small erst ab 2026 fertigentwickelt ist. Basis ist der Fiat 500 E mit dem 42 kWh großen Akku aber mit mehr Leistung und –SOUND! Also mehr Abarth? Ja, wobei Abarth das auf die Fahrleistungen bezieht: Hier gibt es 113 kW und 155 PS. Damit geht es in sieben Sekunden auf 100 km/h. Dank E-Antrieb bietet er natürlich auch

Seine bessere Reaktionsfähigkeit als etwa ein Abarth 695. Im Vergleich zu seinem benzinbetriebenen Pendant erreicht er eine um 50 Prozent bessere Beschleunigung von 20 auf 40 km/h. Auch außerhalb der Stadt ist der neue Abarth 500e flotter, zum Beispiel in Haarnadelkurven, wo er von 40 auf 60 km/h in nur 1,5 Sekunden die Zielgeschwindigkeit erreichen kann – die Benzinversion hinkt in diesem Vergleich 15 Meter hinterher: Sie erreicht Tempo 60 km/h erst eine Sekunde später.

Mehr Radstand und Spurweite

Darüber hinaus sollen der reaktionsschnellere Elektromotor und ein 24 Millimeter längerer Radstand den Punch unterstützen, auch die Spur wuchs um 60 Millimeter. Die Gewichtsverteilung wurde hin zu 57 % vorn und 43% hinten optimiert. Das Gewicht blieb mit minimal 1.335 Kilogramm verhältnismäßig leicht – woraus resultieren dürfte, dass sich die 155 Pferde an den Vorderhufen hier auch vergleichsweise munter anfühlen dürften.

Auch die Fahrmodi wurden nachgeschärft: Mit Turismo, Scorpion Street und Scorpion Track: Der Turismo Mode ermöglicht eine sanftere Beschleunigung bei geringerer Leistung (maximale Leistung 100 kW statt 113 kW, Drehmoment 220 Nm statt 235 Nm) und so ein effizientes und dennoch aufregendes Fahrerlebnis. Der Scorpion Street Mode bietet Spitzenleistung bei gleichzeitiger Maximierung des regenerativen Bremsens. Und im Turismo- oder Scorpion Street Mode kann man One-Pedal-Fahren. Der Scorpion Track- Mode ist schließlich für diejenigen gedacht, die noch mehr Sportlichkeit suchen

Schnellladen klappt mit bis zu 85-kW - in weniger als fünf Minuten sollen rund 40 km nachgeladen sein. Per HPC-Lader soll man binnen 35 Minuten auf 80 Prozent Reichweite geladen haben.

Abarth brüllt weiter – dank künstlichem, aber gut gemachtem Klang

Und ganz wichtig: Das unverwechselbare Abarth-Brüllen blieb erhalten, zwar künstlich, aber gekonnt. Das bewiesen Miki und Bettina Biason, beide bekannte Sportfahrer, welche den Abarth die alte Auffahrrampe in Lignotto hochzirkelten – unter Abarth-typischem Getöse. Sogar das AVAS (Acoustic Vehicle Alert System) erhält einen spezifischen „Jingle“. Wenn man zum ersten Mal die Marke von 20 km/h überschreitet, soll tatsächlich ein Gitarrensound die „unkonventionelle Seele“ des Abarth widerspiegeln. Nachdem wir nur das typische Abarth-Brüllen hörten, müssen Vater und Tochter Biason schneller die Rampe hochgefahren sein. Der Sound Generator wird als Alternative zum Standard-Klangerlebnis angeboten und kommt mit einem AVAS, das an den Sound des Abarth-Standard-Benzinmotors erinnert – anders als das standardisierte Rauschen mit dem Gitarrenklängen. Wenn der neue Abarth 500e mit dem Soundgenerator ausgestattet ist, lässt das Key-On-Off-System außerdem jedes Mal, wenn das Auto ein- oder ausgeschaltet wird, eine Gitarre im Innenraum ertönen. Wenn das Fahrzeug steht, kann der Soundgenerator nach Belieben deaktiviert werden.

Optisch hat man ebenfalls nachgelegt - und verlangt viel Geld

Klar, dass man auch optisch nachgelegt hat: Spoiler, eine geänderte Inneneinrichtung mit reichlich echtem Alcantara (das nochmal teurer ist als die ähnlich aussehende Wildlederoptik bei Genesis) und blauen Griffen zum Umklappen der Sitze sorgt für eigenständige Optik gegenüber dem Fiat 500e. Und auch Abarth startet natürlich mit einer exklusiven, voll ausgestatteten und auf 1949 (erinnert ans Abarth Gründungsjahr) Exemplare limitierten Launch Edition für 43.000 Euro brutto (das sind rund knapp 36.135 Euro netto) respektive 46.000 Euro für die Cabrio-Limousine (das sind gut 38.655 Euro netto). Kaufen dürfen sie zuerst mal nur die 160.000 Fans der Abarth-Community und man bietet zwei wilde Farben an: Acid Green oder Poison Blue. Bei der Launch Edition handelt es sich um die Topversion mit allen verfügbaren Ausstattungselementen, die sich zusätzlich durch exklusive Seitenstreifen und ein nummeriertes Echtheitszertifikat auszeichnet.

Das Design der neuen, sportlichen Premium-Sitze mit Doppelnaht wird durch einen geprägten Skorpion in Alcantara bereichert. Die Exklusivität und Sportlichkeit der Materialien zeigen sich auch in der neuen Armaturenbretteinlage mit Alcantara-Prägung. Der Scorpionissima ist serienmäßig mit dem Uconnect™ Radio 10,25-Zoll-Touchscreen mit integriertem Navigationssystem und den brandneuen Performance Pages – einem Hightech-Display speziellen Abarth-Grafiken – ausgestattet. Diese Seiten wurden speziell für den neuen Abarth 500e entwickelt und ermöglichen es Kunden, ihre persönliche Performance nachzuvollziehen – Ähnliches findet man bei BMW oder Porsche.

Dank des fortschrittlichen 360°-Sensorsystems mit Drohnenansicht und der ultrahochauflösenden Rückfahrkamera, die Hindernisse und die Fahrlinie des Autos auf dem 10,25-Zoll-Bildschirm anzeigt, soll auch das Einparken einfach gelingen. Sound macht außer dem Generator eins leistungsstarke JBL –Audiosystem: Es soll laut Abarth „kraftvollen Sound mit sauberen Höhen, tief wummernden Bässen und sanfte Mitten“ bieten. Der Soundgenerator gehört ebenfalls zur Standardausstattung des neuen Abarth 500e Scorpionissima.

Aussagen in diesem Video müssen nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

Die 160.000 Abarthisti durften auch über Sound, Farbe und Seitenstreifen gemeinsam mitentschieden. Ihnen dürfte auch egal sein, dass der Stromverbrauch nach WLTP mit eher üppigen 18,0 kWh/100 km angegeben wird, womit man bis zu 250 Kilometer weit kommt – naja, im kalten Turiner Winter vielleicht auch nur gut 150, wenn man den Skorpion - im doppelten Sinne - ordentlich heizt.

Weitere Varianten sind angekündigt. Wir können uns perspektivisch vorstellen, dass es auch eine 180- oder gar 200-PS-Version geben könnte oder einen weiteren Abarth auf Fiat-Punto- oder –whatever-Basis. Um die Marke wirklich wachsen zu lassen wie Cupra oder perspektivisch Alpine wären jedenfalls komplett eigene Modelle – ohne Fiat Rohbau oder- Verwandtschaft nötig. Denn so bleibt Abarth eben die „Tuningmarke“ von Fiat, auch wenn Fiat-Chef Olivier François genau das eigentlich nicht hören möchte.

Was bedeutet das?

Dass dem Fiat 500e ein elektrischer Abarth folgen würde, war klar. Und grundsätzlich haben die Italiener einen guten Job gemacht: Der neue ist auch als Stromer schnell, laut und ein bisschen gemein – und genau das soll ein Abarth sein. Sogar der künstliche Sound passt und mit 1335 Kilogramm hielt sich das Gewicht in Grenzen. Doch den Fahrspaß lässt man sich teuer bezahlen und um die Marke wirklich von Fiat zu etablieren bräuchte es mehr als getunte 500-Versionen. In der Hoffnung, dass der Abarth 500e nur der Anfang ist – den „Pulse“-SUV aus Brasilien, der auch auf dem Fiat-Pulse basiert, rechnen wir hier mal nicht mit…

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