2. Nationale Radlogistik-Konferenz: ONO und VGF demonstrieren Cargo-Tram

Die VGF zeigt bei einer Demotour der Gütertram mit Containern des Lastenradherstellers, wie urbaner und nachhaltiger Kombiverkehr aussehen könnte. ONO: "Straße wird Stau nicht lösen."

Leicht gewuppt: Die Verladung der ONO-Container in die Gütertram ist per Rampe denkbar einfach. | Foto: ONOMOTION
Leicht gewuppt: Die Verladung der ONO-Container in die Gütertram ist per Rampe denkbar einfach. | Foto: ONOMOTION
Redaktion (allg.)
von Johannes Reichel

Im Rahmen der 2. Nationalen Radlogistik-Konferenz in Frankfurt am Main haben die Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main mbH (VGF) und die Berliner ONOMOTION GmbH dargestellt, wie Containerisierung und Straßenbahnen für eine emissionsfreie City-Logistik funktionieren könnten. Gemeinsam mit der VGF realisierte der Berliner Mobilitätsdienstleister eine Lieferkette in standardisierten Containern mit einer Gütertram und mit dem E-Lastenrad ONO PAT. Das Zusammenspiel mehrerer Verkehrsträger auf der „mittleren“ und „letzten Meile“ wie Straßenbahn und E- Cargobike habe großes Potenzial, um zum neuen Standard urbaner Logistik zu werden, glauben die Berliner.

„Die VGF testet und prüft Optionen der Gütertram bereits seit 2018 mit unterschiedlichen Partnern. Wir sind begeistert, wieviel Potenzial in dieser Idee liegt und wie sich das Projekt technisch und inhaltlich weiterentwickelt hat“, erklärt Michael Rüffer, Geschäftsführer der VGF.

Ein erstes eigenes E-Lastenrad, das im Juli 2021 vorgestellte „VGFlex“, werde für schnellen, umweltfreundlichen und flexiblen Kundenservice genutzt, etwa um vor Ort über Baustellen und Umleitungen zu informieren. Aus Sicht von ONOMOTION ist die Zusammenführung von Tram und Cargobike die konsequente Umsetzung des Whitepapers „Intermodale Logistikkette im urbanen Raum“. Gemeinsam mit Partnern hatte man darin Anfang des Jahres am Beispiel von Frankfurt am Main modelliert, dass mithilfe eines kombinierten Verkehrs bis zu 80 Prozent der innerstädtischen Lieferungen realisiert und die CO2-Emissionen um knapp 64 Prozent reduziert werden könnten.

Frühere Ansätze wieder aufgegriffen

Das Gütertram-Konzept selbst ist allerdings nicht neu. Bereits vor einigen Jahren gab es Pilotprojekte in Frankfurt und anderen Städten. Diese Idee werde aufgegriffen und weitergedacht. Die Partner integrieren in dem Ansatz die bestehende Infrastruktur wie Straßenbahnschienen, Tramzüge und die emissionsfreien E-Lastenräder. Ausgangspunkt der Testfahrt in Frankfurt war der VGF-Betriebshof Gutleut. Dort zeigte der Berliner Mobilitätsanbieter, wie die standardisierten und kompakten City- Containern von dem Bike abgenommen und über eine Rampe in die Straßenbahn gerollt und dort befestigt werden können. Die Container mit einem Fassungsvermögen von 2,1 Kubikmetern und einer Länge von 1,70 Metern passen ohne Probleme in den Mehrzweckbereich einer Straßenbahn. Nach einer kurzen Fahrt an die Wendeschleife der Frankfurter Messe werden die Container wieder auf dem Lastenrad befestigt.

„Die Straße wird den Verkehrsstau in den Städten nicht lösen können. Mit Schienenfahrzeugen und einer integrierten Lastenradbelieferung bieten wir eine ökologisch und ökonomisch sinnvolle Alternative, die viel Potenzial hat“, glaubt ONOMOTION-Geschäftsführer Beres Seelbach.

Theoretisch seien für öffentliche Verkehrsbetriebe zwei Nutzungsarten einer Gütertram denkbar. Zum einen die Mischnutzung von Gütern und Passagieren. Dabei können die Unternehmen den Containertransport in den regulären Betrieb integrieren und würden so in Randverkehrszeiten am Abend und am frühen Morgen Leerfahrten vermeiden. Der Bereich für die Fahrgäste müsse allerdings vom Gütertransport getrennt werden, so die Forderung. Zum anderen sei eine ausschließliche Nutzung der Straßenbahn als Gütertram denkbar. Diese nimmt die bereits kommissionierten Container von einem Depot am Stadtrand auf und transportiert sie zu geeigneten Haltestellen entlang der Innenstadt-Strecken. Von dort übernimmt dann ein Cargobike die andockbaren Container zur Feinverteilung an die Haushalte.

"Diese Art des Transports hätte den Vorteil einer flexiblen Nutzung der Straßenbahnlinien für den Güterverkehr und würde ein höheres Transportvolumen mit bis zu zehn Containern pro Gütertram garantieren", werben die Partner.

Die VGF prüft aktuell eine weitere erste Einsatzmöglichkeit für den internen Transport von Material, Werkzeugen und kleineren Arbeitsgeräten. Für diese verkehren bisher täglich Transporter und LKW zwischen den einzelnen Betriebsstätten. Auch die Post werde von der Zentrale in der Innenstadt an alle Werkstätten und Depots verteilt. Hier würde sich der Transport der Container mit der Tram anbieten, glaubt man. Vorteil sei, dass schweres Arbeitsgerät direkt in den Werkstätten und Depots ausgeladen werden könnte, die restliche Fracht würde dann mit den Cargobikes weitertransportiert werden, so das Modell.

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