Werbung
Werbung
Werbung

Visionary mobility: BMW feiert die Submarke "i";

Gregor Soller

Unter dem Motto „Visionary mobilty“ eröffnete BMW im Museum eine Ausstellung zur Submarke „i“ und deren zehnjährigem Bestehen.

Eigentlich begann das Thema Elektromobilität bei BMW bereits 1966: Damals diskutierte der Vorstand die Entwicklung eines Elektroautos. Oder zur Olympiade 1972 – zeitgleich mit der Eröffnung des BMW-Museums, der riesigen „Salatschüssel“ aus Beton, die dem Vierzylinder am Petuelring vorgebaut ist – und heute noch so modern wirkt wie vor fast 50 Jahren. Da packte BMW zahlreiche Bleiakkus unter die Haube eines 1602, der damit von der jung-dynamischen Sportlimousine zum maximal 90 km/h schnellen schweren Elektrokriecher mit rund 30 Kilometer Reichweite mutierte – was für lautlose Auftritte zwischen Petuelring und benachbarten Olympiaanlagen locker reichte, aber nicht für den Alltag.  Ab dann kamen immer mal wieder elektrifizierte Studien, die ab den 90er-Jahren verstärkt Richtung futuristisches Citycar zielten. BMW kam zunehmend „unter Strom“. 

So richtig Spannung angelegt wurde beim Thema Elektrifizierung dann 2007, als man die Submarke „i“ aus der Taufe hob. BMW-i-Chef Robert Irlinger hätte selbst nicht gedacht, dass er einmal „noch zu Lebzeiten eine Ausstellung in einem Museum eröffnen würde - mit Exponaten, an denen er selbst beteiligt war.“  Tatsächlich begann man damals mit einem weißen Blatt Papier, um Mobilität komplett neu zu denken, was dann in den ökologisch korrekt ausgestatteten Modellen i3 und i8 mündete. Deren sündhaft teure Kohlefaserkarosserie und heute noch gewagte Optik macht sie definitiv zu Klassikern der Zukunft, doch für die typischen BMW-Pkw-Kunden war und ist das Duo vom sechzylindrigen 3er soweit weg wie der Mond von der Erde. Entsprechend mäßig waren und sind die Verkaufszahlen, weshalb die als Startup gestartete Marke „i“ mehr und mehr zum Kürzel neuer Standardmodelle verkommt. Und jetzt halt vorn statt hinten steht und Stromer statt Benzineinspritzer (Injektion) bezeichnet.

Auch wenn die „Visionary Mobility“ samt i3 und i8 damals möglicherweise etwas zu visionär war – korrekt war es trotzdem – vielleicht hätten die „Motorenwerke“ sonst den rechtzeitigen und nachhaltigen Einstieg in die Elektromobilität verpasst und würden sich jetzt im Reigen der „me-too“-Elektrifizierer wiederfinden. Denn das übrige BMW-Verbrennerprogramm zitiert im Grunde seit 1986 die Grundlinie, die Claus Luhte damals mit dem zweiten Siebener der Reihe BMW E32 vorgab und die allenfalls von Chris Bangle noch frische Ideen erhielt. So hat man aus dem sehr ambitionierten Ansatz jetzt einen Antriebs-Baukasten herausgebrochen, aus dem heraus man fast beliebig Verbrenner, Plug-In-Hybrid und Stromer generieren kann.

Sehr interessant war der umfassende Ansatz zu den Themen Urbanisierung und Nachhaltigkeit, der damals gefahren wurde. Für die hochwertigen Fasern der Kenaf-Pilze fuhr man teils bis nach Bangladesh, um dort Bauern zu zeigen, was man brauchte. Und um denen ihre Mühen auch zu entlohnen, versuchte man, bestimmte Rohstoffe möglichst direkt ohne viele Zwischenhändler zu beziehen, wie Dr. Andreas Braun, Kurator der Ausstellung erläutert. Für die er und ein Team sehr viele spannende zahlen und Zitate zusammengetragen haben, die das Umfeld der Mobilität breit ausleuchten.

Wer diese nur halbwegs erfassen möchte, braucht schon für die ersten zwei Schleifen respektive Ebenen des Wendelganges eine halbe Ewigkeit, bevor Braun vom Umfeld auf die Endprodukte überleitet – Wendelschleife für Wendelschleife. Beim Sichten der ersten Skizzen für die i-Modelle, die immer noch auf Papier geskribbelt werden, fielen ihm dann auch lustige Post-its mit privaten Anmerkungen in die Hände: „Bitte um 15 Uhr am Kindergarten sein – pünktlich“. Oder Skizzen auf ungewöhnlichsten Papieren und Servietten, die auf langweiligen Besprechungen „nebenbei“ entstanden sein müssen – welche aber interessante und wichtige Gestaltungsthemen der künftigen i-Modelle beinhalteten.  

Betrachtet man dann die ersten Prototypen von i3 und i8 in den oberen Stockwerken der Ausstellung, die noch viel größere Glasflächen trugen, wundert und freut man sich, wie viel davon in die Serienmodelle „gerettet“ werden konnte. Die Ausstellung endet ganz oben mit der Studie BMW i Inside Future. Die wurde laut Torsten Julich, der für die Kommunikation der Produktlinie i verantwortlich ist, wirklich von „innen nach außen gedacht“ und nimmt mit ihrer stilisierten „Niere“ die Optik künftiger BMW-Modelle vorweg. Insofern darf man auf den angekündigten „i4“ gespannt sein, der versucht, Dreier-Stufenheck-Optik und den Futurismus von i3 und i8 zu vereinen – die auch zehn Jahre nach ihrem Erscheinen immer noch visionär sind und vielleicht gerade deshalb eine Ausstellung im Museum „noch zu Lebzeiten“ aller Beteiligten rechtfertigen.

Was bedeutet das?

Die Ausstellung zur Marke „i“  unter dem Motto „Visionary Mobility“ zeigt einem viele bisher unbekannte Aspekte, Zahlen und Fakten und dürfte auch Umweltaktivisten und Stadtentwicklern gefallen - während sie für gusseiserne BMW-Fans alter Schule vielleicht etwas zu "immobil" und abgefahren sein könnte. 

Werbung
Werbung
Werbung