Totem GT: Alfa Bertone auf elektrisch

Gregor Soller

Das 2018 von Designer Riccardo Quaggio gegründete Start-up Totem Automobili präsentiert den Totem Giulia GT Electric.

Das Thema „Restomod“ wird immer populärer – auch mit elektrischen Antrieben. Ein Neuzugang ist hier die Giulia GT Electric. Der Ansatz von Totem Automobili geht sehr tief: Das komplette Auto wird mit viele Liebe zum Detail komplett neu aufgebaut: Die Neuauflage basiert zwar auf einem originalen zwischen 1970 und 1975 gebauten Alfa GT Junior 1300/1600, der komplett bis aufs Chassis zerlegt wird, doch am Ende bleiben vom Original-Chassis nur noch zehn Prozent übrig - den Rest fertigt Totem aus Aluminium neu. Noch extremer gehen die Italiener bei der Karosserie vor, die komplett aus Carbon besteht und nur 95 Kilogramm wiegen soll.

Starker E-Antrieb, ordentliche Reichweite

Bei den Maßen bleibt man am Original, heißt: 4,08 Meter Länge und 1,76 Meter Breite, so dass das Gesamtgewicht mit dezenten 1.270 Kilogramm angegeben werden kann, trotz Akkus und Elektroantrieb. Und der hat es in sich, denn er leistet 386 kW (525 PS) und 980 Nm Drehmoment! Die Energie kommt von einem 330 Kilogramm schweren Batteriepack mit 50,4 kWh Kapazität. Die elektrische Reichweite gibt Totem mit maximal 360 Kilometern an, auch DC Schnellladen soll möglich sein. Und wie Porsche verbaut auch Totem eine Launch Control: Mit der soll die neuen Elektro-Giulia GT Electric in 3,4 Sekunden auf 100 km/h sprinten, das Topspeed geben die Italiener mit 245 km/h an.

Viele Details erinnern an die Giulia GTAm, wurden teils aber neu interpretiert: Stoßstangen hatte der GTAm auch nicht. Rinde Außenspiegel? Wunderbar filigran! Die runden Scheinwerfer und Rückleuchten erhellen die Nacht mit LED-Technik. Hinter den 17-Zoll-Alurädern im klassischen Alfa-Design steckt eine Brembo-Bremsanlage mit 354 Millimeter großen Scheiben an der Vorderachse und 328 Millimeter großen Scheiben an der Hinterachse, optional kann Totem eine noch üppiger dimensionierte Bremsanlage liefern. Serienmäßig ist ein Bilstein Clubsport-Gewindefahrwerk verbaut, das sich in Druck- und Zugstufe einstellen lässt.

Innen erwartet einen ein klassisches Cockpit, das ebenfalls das Original zitiert. Das Lenkrad ist eine Neuinterpretation des Momo-Klassikers "Hellebore", dahinter blickt man auf zwei digitale Rundinstrumente inklusive Navi, und der „Ganghebel“ scheint aus den Vollen gefräst zu sein. Neben Navi und DAB verspricht Totem ein herausragendes Soundsystem, eine Alarmanlage, Klima und schlüsselloses Starten und: Einen speziellen Soundgenerator, der für einen möglichst realistischen Motorklang sorgen und auch Fans der klassischen Giulia überzeugen soll. Auf der Homepage gibt es bereits eine kleine Hörprobe.

Eigentlich sollte Totems Erstlingswerk auf dem Festival of Speed 2020 präsentiert werden, das jedoch abgesagt wurde: Jetzt ist das Vorserienmodell fertig und Vorbestellungen werden zum Startpreis von 430.000 Euro  angenommen. Der GT Electric ist gegen Aufpreis natürlich voll individualisierbar und soll ab 2022 in einer auf 20 Stück limitierten Kleinserie ausgeliefert werden.

Was bedeutet das?

Es könnte sein, dass das Thema „Restomod“ durch die Elektromobilität noch einen zusätzlichen Schub erfährt. Interessant: All diese Modelle, die in der Regel komplett neu aufgebaut werden, kosten ca. 500.000 Euro. Das dürfte also ungefähr der Tarif sein, für den sich in Europa oder Nordamerika jedes Wunschauto in Kleinstserie umsetzen lässt – und das immer öfter rein elektrisch- mit ordentlichen Fahrleistungen und Reichweiten!