The Tire Cologne 2022: Eine runde Sache!

Gregor Soller

Endlich wieder „Tire“: Die Reifen-Community genoss die Tatsache, dass die Reifenmesse endlich wieder live stattfinden konnte – wir haben uns in Köln umgesehen.

Die Stimmung auf der „Tire“ hätte besser nicht sein können: Volle Hallen, volle Stände, viele Neuheiten. Vor allem CUV- respektive SUV-Pneus, rollwiderstands- aber gripstärker denn je, spezielle Reifen für elektrische und elektrifizierte Fahrzeuge und das Thema Nachhaltigkeit standen im Fokus.

Besonders deutlich wurde das bei Michelin, wo man riesige Säulen mit PET-Bechern und geschreddertem Recyklat aufstellte – dazu ein sogenanntes „Regen’Lab“, in das man einen Becher mit Altreifenresten, PET Bechern oder Holzschnitzeln stellen konnte: Dessen Material wurde eingescannt und auf dem Screen angezeigt, wie eben dieses wieder recycelt wird. Präsentiert hat all das mit Begeisterung Maria Röttger, die ab 1. Juni 2022 die Leitung für Michelin Europa Nord übernimmt und damit Anish K. Taneja folgt, der sich entschieden hat, eine neue Rolle außerhalb des Unternehmens zu übernehmen. Maria Röttger, die derzeit schon Mitglied des Management Boards Europa Nords ist, ist damit weltweit die erste Frau in der Funktion seit der globalen Neuorganisation des Unternehmens 2018.

Endlich: Die Reifen-Community kommt wieder zusammen

Sie freut sich, dass „die Reifen-Community“ endlich wieder live zusammenkommen kann und möchte an der Transformation Michelins zum klimaneutralen Konzern mitwirken und ist stolz auf das Team, dass die Botschaft des Konzerns sehr anschaulich rübergebracht hat. Die Wegwerfgesellschaft ist ihrer Meinung nach endgültig passé und die „fünf Leben eines Reifens“ begännen jetzt auch als Businesscase zu fliegen. Sprach es und stellte exemplarisch einen PET-Becher in das Regen’Lab, das abermals exakt analysiert und bestimmt, was einst daraus werden wird. Zumal Michelin selbst plant, bis 2050 komplett klimaneutral zu sein.

Wir ziehen weiter zu Falken, wo uns Ingenieur Marcus Schulz erklärt, warum man die einst strikt in SUV- und Pkw-Reihen getrennten Sommerreifen wie den Azenis FK520 wieder zusammenlegt – weil es mehr und mehr neue CUV wie den Cupra Formentor gibt, die weder das eine noch das andere sind. Und warum man die neuen Winterreifen der „Eurowinter“-Serie wieder trennt: in schmalere und griffigere Versionen vornehmlich für SUV in Bergregionen und eine „Pro“-Serie für diejenigen, die meist zügig auf Langstrecken unterwegs sind. Für Elektroautos denkt man dagegen über einen speziellen Ganzjahresreifen nach.

Bei Hankook hat man in den letzten Jahren ein komplettes Sommer- und Winterreifenprogramm für die Stromer ausgerollt und in allen Eigenschaften feinst ausdifferenziert. Besonders stolz ist Entwickler Massimo Cialone auf die neue Mischung, die neben den verbesserten Fahreigenschaften auch weniger Gewicht mitbringt, womit man auch den Kreislaufgedanken weitergetrieben habe, denn weniger Material ist weniger Energie-und Rohstoffverbrauch. Dazu kommt der neue luftlose Pneu i-Flex, der an autonomen Fahrzeugen des Hyundai-Konzerns zum Einsatz kommt.

Futuristische Studien - gern luftlos

Futuristisch auch die Reifenstudien von Kumho: Auch der Finsred ist ein Luftlos-Konzept, während der „Bon“ für „Birth on Nature“ steht und ebenfalls mit Gitterstruktur punktet. Natürlich auch der Teraxagum-Einsatz von Continental, wo Pressesprecher Klaus Engelhardt auf einen Einsatz im Pkw-Seriengeschäft in den nächsten fünf bis sechs Jahren hofft, denn: Prinzipiell funktioniert der Löwenzahn als Substitut für Kautschuk, nur müsse man den größer züchten, samt größerem Wurzelwerk – ohne Gentechnik oder sonstige Manipulation – durch reine Züchtung eben, wofür zehn Jahre „Entwicklungszeit“ laut Engelhardt vergleichsweise schnell seien. Weshalb Conti neben Reifenexperten auch Biologen beschäftigt.

 
Säulen der Nachhaltigkeit bei Michelin. | Foto: G. Soller
Säulen der Nachhaltigkeit bei Michelin. | Foto: G. Soller
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Pirelli nutzte die „Tire“ auch nochmal zum Nachfeiern seines 150. Geburtstages und die direkte Gegenüberstellung der neuen 18-Zoll-Formel-1-Räder neben die 13-Zöller, die bis 2021 gefahren wurden. Für viele Formel-1-Fans ein Sakrileg, für Pressesprecherin Julia Valenzuela Bock aber die Chance, „mehr Formel 1-Technik in die Serienreifen einfließen z lassen.“ Außerdem gefallen ihr die Fahrzeuge der Saison 2022 ohnehin besser.

Sportlich trat auch GT Radial auf, wo man einen Driftking-BMW-Einser-Coupé der ersten Serie als Blickfang wählte, während das in gelb gehaltene Angebot von Giti mit dem markanten Elefanten sich an B2B-Kunden wendet. Auch hier feilt man an neuen Mischungen und Konstruktionen, wofür man in Hannover ein deutsches Entwicklungszentrum gegründet hat, einen Steinwurf von Conti entfernt. Auch Michelle Jurgens aus dem Giti Marketing freut sich über die gute Stimmung auf der Tyre, die endlich wieder live stattfinden durfte und gewaltig losrollte!

Was bedeutet das?

Die „Tire“ ist zurück: Mit viel Publikum samt spannenden Produkten – und runden Recyclingideen.