Smart #1: Neustart im Mainstream

Gregor Soller

Noch ein elektrisches Kompakt-SUV: Mit einem Me-too will Smart neu durchstarten

Der neue Smart #1 wird in China gebaut, wurde von Geely entwickelt und ist ein 4,27 Meter langes Elektro-SUV – und damit leider maximal Mainstream. Immerhin hat Mercedes-Benz beim Design nette eigene Akzente mit reichlich hartem Kunststoff gesetzt, aber eine automobile Revolution oder irgendeine neue Idee ist beim Smart #1 leider nicht zu erkennen. Nicht ganz so üppig fällt dagegen der Kofferraum aus, den Smart je nach Rückbankstellung mit 273 bis 411 Liter Volumen angibt, dazu kommt ein 15 Liter Frunk.

Immerhin punktet der #1 mit toller Raumausnutzung dank üppigen 2,75 Meter Radstand (das ist Mittelklasseniveau). Angetrieben wird der #1 per Heckmotor, der üppige 200 kW oder 272 PS leistet, dazu kommen füllige 343 Nm Drehmoment. Starke Werte für die Klasse, die auf einen nicht allzu günstigen Preis schließen lassen.

Nicht so smart: Ab 1,8 Tonnen Leergewicht

Üppig auch der 66 kWh-Akku, der nach WLTP für 420 bis 440 km Reichweite sorgen soll, aber leider auch das Leergewicht auf üppige 1.820 Kilogramm treibt. Voll beladen darf der Smart 2.270 Kilogramm wiegen – eher unsmart. Die Basis bildet Geelys Sustainable Electric Architecture. Schlau: Man kann AC mit 22 kW laden, dann ist der Akku in drei Stunden von 10 auf 80 Prozent. Am Schnelllader soll das laut Smart mit 150 kW in „weniger als 30 Minuten" klappen.

Innen wurden fast alle Schalter und Tasten ins Lenkrad gelegt – auch ein interessanter und nicht ganz unergonomischer Ansatz. Den zentralen 12,8-Zoll-Touch-Sctreen auf der Mittelkonsole ergänzt ein 9,2-Instrumentendisplay. Eine gute Spracherkennung samt KI sollen das Infotainment-System einfach bedien- und personalisierbar machen. Daten können via App abgerufen und in einer Cloud gespeichert werden.

Updates für 75 Prozent der Steuergeräte sollen over-the-air aufgespielt werden. Und auch an Sharing hat Smart gedacht: Über den digitalen Schlüssel können Smart-Besitzer ihren #1 teilen.

Auch der Vertrieb wird teils neu aufgestellt: Teils wie gehabt über Mercedes-Benz-niederlassungen und teils online. Letzteres soll wichtiger und stärker werden. Noch bedeckt hält sich Smart mit den Preisen: Der #1 ist noch nicht homologiert, was in der zweiten Jahreshälfte 2022 erfolgen soll.

Was bedeutet das?

Auch Mercedes-Benz wandert nach oben und muss die freiwerdende Lücke füllen – mit Mainstream-Smarts. und genau das ist das Problem: Tauscht beim #1 das Zeichen aus und ihr habt ein Me-too-Kompakt-SUV, gut gemacht und raumnutzend, aber eher gar nicht innovativ, bunt oder witzig. Und mit den präsentierten Leistungswerten eher teuer. Schade um die Ideen, mit denen die Marke einst antrat – die aber immer zu weit weg von großen Stückzahlen waren. Immerhin: Sollte der Neustart jetzt nicht klappen, kann man die Marke sanft an Geely verschieben und zur Not entschlafen lassen.

 
Gute Idee: Viele Taster liegen im Lenkrad. | Foto: Smart
Gute Idee: Viele Taster liegen im Lenkrad. | Foto: Smart
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