Piëch Automotive startet Tests mit Piëch GT

Gregor Soller

Der Elektro-GT basiert auf dem Mark Zero, der auf dem Genfer Autosalon 2019 als Studie präsentiert wurde und 2024 in Serie gehen soll.

Der Piëch GT soll als erstes Fahrzeug einer Produktfamilie mit drei Versionen auf den Markt kommen. Dabei sollen ein sportlicher Elektro-Piëch SUV und eine viersitzige Sportlimousine die Produktfamilie komplettierten. Im Vergleich zur Studie hat Piëch bei dem jetzt im Entwicklungszentrum in Memmingen vorgestellten Sportwagen GT wenig geändert. Der fahrbereite Prototyp übernahm sowohl die Proportionen als auch zahlreiche Design-Details an der Front. Am Heck gestaltete man die LED-Rückleuchten jetzt C-förmig ausgeführt und integrierte sie so eleganter.

Schnellladen auf 80 Prozent binnen fünf bis acht Minuten

Beim Antrieb setzt Piëch auf drei 150-kW-Synchronmotoren (einer an der Vorder- und zwei an der Hinterachse), die auf eine Systemleistung von 450 kW (611 PS) kommen sollen. Damit soll der GT in unter drei Sekunden auf 100 km/h beschleunigen können. Die WLTP-Reichweite soll bei 500 Kilometern liegen. Das Besondere am Piëch GT sind aber weder Optik noch Leistung, sondern die Schnellladefähigkeit er Akkus: Die sollen binnen fünf Minuten bis auf 80 Prozent geladen werden können. Das soll an einer gemeinsam mit TGOOD entwickelten Schnellladestation bereits klappen, an einer Ionity-Säule soll der Ladevorgang auf 80 Prozent rund acht Minuten dauern. Die Batterie ist nicht flüssigkeitsgekühlt, nutzt aber Pouch-Zellen der chinesischen Desten Group. Deren Zellen soll einen extrem niedrigen Innenwiderstand bieten, womit beim Ladevorgang wenig Wärme entsteht – und folglich auch wenig Wärme abgeführt werden muss. Angeblich soll sich die Zelle nur um 12 Grad erwärmen, wenn sie mit 190 Ampere belastet wird. Auf die Art sollen bis zu nach Angabe von Desten bis zu 3.000 Zyklen möglich sein.

Günstiges Leergewicht von 1,8 Tonnen

Die Tests sollen jetzt zeigen, ob dieses Konzept nicht nur auf der Zellebene, sondern auch im kompletten Batteriepack und im ganzen Fahrzeug funktioniert. Von der Batterie-Technologie erhofft sich Piëch kurze Ladezeiten, und ein besseres Fahrverhalten: Der Verzicht auf die Wasserkühlung soll in der Summe 200 Kilogramm Gewicht einsparen. Als Gewicht gibt Piëch rund 1,8 Tonnen an, was für ein solches Fahrzeug als günstig gelten darf. „Den von uns verwendeten Pouch-Zellen gehört ganz klar die Zukunft – sowohl in puncto Gewicht wie im Hinblick auf die Schnelllade-Fähigkeit“, sagt Entwicklungschef Klaus Schmidt und fügt an:

„Und besonders erfreulich ist für uns, dass die eigens für Piëch entwickelte Batterie so auch ohne weiteres für die Nutzung in Serie verwendet werden kann.“

Durch die Anordnung der Batterien - ein Teil ist im Mitteltunnel verbaut, der Rest an der Hinterachse – seien laut Hersteller eine „ähnliche Achslastverteilung und ein Fahrverhalten möglich, wie sie bisher nur reinen Sportwagen mit Verbrennungsmotor vorbehalten waren“. Heißt konkret

Das Package ermögliche - im Gegensatz zur weit verbreiteten Unterflur-Anordnung - eine sportwagentypisch niedrige Sitzposition sowie ein präzises Handling mit unmittelbarer Rückmeldung an den Fahrer.

Konkrete Pläne: Eigener Vertrieb und externe Partner beim Service

„Der Erwerb eines Piëch GT muss von Anfang an ein echtes Marken- und Produkt-Erlebnis bieten. Deshalb setzen wir hier auf rund 60 eigene, authentische Marken-Stores und nicht auf ein herkömmliches Franchise-System.“

Das erklärt Jochen Rudat, der für Piëch Automotive AG die Sales-Strategie verantwortet. Der GT soll in den wichtigsten EU-Märkten sowie den USA und China und anderen außereuropäischen Märkten angeboten werden.

„Als Service-Partner kommen dabei nur renommierte Unternehmen in Frage, die über ein hervorragendes und flächendeckendes Service-Netz verfügen“,

betont Jochen Rudat, einst Elon Musks Europachef und wichtigster Mann im Vertrieb. Die Pre-Orderbücher sollen bald geöffnet werden.

Mit dem nächsten Schritt Richtung Serie ändert die Marke auch ihr Führungsteam: Ex-Porsche und VW-CEO Matthias Müller scheidet wie Andreas Henke aus dem Aufsichtsrat aus, wobei Henke als Berater an Bord bleibt. Im Vorstand wurde Timo Kauer als Finanzchef berufen. Der erklärt:

„Wir haben gemeinsam mit dem Management-Team verschiedene Kernaspekte der Unternehmensentwicklung in den Fokus gestellt sowie neben der Großbank UBS auch internationale ‚Thought Leader‘ und Berater wie STJ Advisors hinzugezogen, um uns für das Series-B Fundraising optimal zu positionieren“.

Was bedeutet das?

Nach der Vorstellung auf dem Genfer Salon 2019 wurde es ruhig um die Marke – die aber auch zu den Seriösen zählen durfte: Denn hinter den Kulissen wurde extrem viel weiterentwickelt und erst jetzt, wo wichtige neue Schritte abgeschlossen sind wird auch weiter kommuniziert.

 
Die Proportionen wurden 1:1 von der Studie übernommen. | Foto: Piëch Automotive
Die Proportionen wurden 1:1 von der Studie übernommen. | Foto: Piëch Automotive
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