Mutmacher: VW bringt Elektro-Samba zur verlegten Techno-Classica

Johannes Reichel

Die VW-Transporter-Tochter aus Hannover bringt den Elektro-Bulli mit zur aufgrund der Corona-Krise verlegten Messe Techno-Classica nach Essen (24.-28. Juni). Der eBulli ist mit den Antriebskomponenten aktueller Volkswagen Elektrofahrzeuge ausgestattet. Die Studie basiert auf einem 1966 produzierten und aufwändig restaurierten T1 Samba-Bus. Als Vorschau und Mutmacher packt der Hersteller schon jetzt alle Infos auf den Tisch und dazu die frohe Kunde: Die Kombination aus Highend-Oldtimer und Hightech-Elektromobil wird real zu kaufen sein. Denn der VWN-Partner eClassics plant, T1-Umbauten und T1-Komplettfahrzeuge im Stile des neuen e-BULLI anzubieten. Einige aufmunternde Impressionen zum heftigen Vorfreuen.

Neueste elektrische Komponenten

Der 32 kW (44 PS) starke Vierzylinder-Boxermotor wich im e-BULLI einem lautlosen Volkswagen Elektromotor mit 61 kW (83 PS). Schon der Leistungsvergleich der Motoren macht faktisch klar, dass die Studie eine völlig neue Antriebscharakteristik zeigt, da der E-Motor nahezu doppelt so stark wie der Boxer ist. Mehr noch: Mit einem maximalen Drehmoment von 212 Nm bietet der neue Antrieb mehr als die zweifache Kraft des ursprünglichen T1-Motors von 1966 (102 Nm). Das maximale Drehmoment steht zudem – typisch für E-Motoren – sofort zur Verfügung, was natürlich einen drastischen Wandel zum Original darstellt ... Er wird dabei zu einem in dieser Art neuen, lautlosen Cruiser, schwärmt der Hersteller vor.

Die Kraftübertragung erfolgt mittels 1-Gang-Getriebe. Gekoppelt ist das Antriebssystem an den nun zwischen dem Fahrer- und Beifahrersitz angeordneten Schalthebel. Die Wählstufen der Automatik (P, R, N, D, B) werden neben dem Wählhebel angezeigt. In Stufe B kann der Fahrer den Grad der Rekuperation – der Energierückgewinnung beim Bremsen – variieren. Als Höchstgeschwindigkeit erreicht der e-BULLI 130 km/h (elektronisch abgeregelt). Mit dem ursprünglichen Antrieb kam der T1 auf eine Höchstgeschwindigkeit von 105 km/h.

Antrieb: Alles nach Hinten!

Analog zum Boxermotor des 1966er T1 treibt die im Heck des 2020er e-BULLI integrierte Kombination aus Getriebe und Elektromotor die Hinterachse an. Für die Energieversorgung der E-Maschine ist eine Lithium-Ionen-Batterie zuständig. Ihr nutzbarer Energiegehalt beträgt 45 kWh. Eine zusammen mit eClassics auf den e-BULLI abgestimmte Leistungselektronik im Heck steuert den Hochvoltenergiefluss zwischen der E-Maschine und der Batterie und wandelt dabei den gespeicherten Gleichstrom (DC) in Wechselstrom (AC) um. Über einen sogenannten DC/DC-Wandler wird zudem die Bordelektronik mit 12 Volt versorgt.

Keine Bastellösung: Serienteile von VW Group Components

Alle Serienteile des E-Antriebs werden von Volkswagen Group Components in Kassel hergestellt. Aus dem Komponentenstandort Braunschweig kommen die dort konzipierten Lithium-Ionen-Module hinzu, die von eClassics in ein für den T1 passendes Batteriesystem transferiert werden. Wie beim neuen ID.3 und dem künftigen ID.BUZZ, ist die Hochvolt-Batterie mittig im Fahrzeugboden untergebracht. Diese Anordnung senkt den Schwerpunkt des e-BULLI und verbessert so die Fahreigenschaften. Dank CCS an Schnellladesäule in 40 Minuten 80 Prozent Power Geladen wird die Batterie über eine CCS-Ladedose (CCS = Combined Charging System).

Reicht weit genug: 200 Kilometer möglich - und 50kW-Lader

Sie gestattet das Laden mit Wechsel- und Gleichstrom. Wechselstrom: Über einen AC-Schnelllader wird die Batterie je nach Stromquelle mit 2,3 kW bis 22 kW Ladeleistung aufgeladen. Gleichstrom: Dank der CCS-Ladedose des e-BULLI kann die Hochvolt-Batterie darüber hinaus auch an DC-Schnellladesäulen mit bis zu 50 kW Ladeleistung in lediglich 40 Minuten auf 80 Prozent geladen werden. Die Reichweite mit einer Batteriefüllung liege bei mehr als 200 Kilometern.

Wie verändert: Mehr Dynamik und Sicherheit

Das im Vergleich zum T1 laut Hersteller "völlig veränderte" Fahrgefühl an Bord des e-BULLI werde durch das ebenfalls neu konzipierte Fahrwerk nochmals verstärkt: Mehrlenker-Vorder- und Hinterachsen mit verstellbaren Stoßdämpfern und Gewindefederbeinen sowie eine neue Zahnstangenlenkung und vier innenbelüftete Scheibenbremsen sollen dazu beitragen, dass die optische Dynamik auch auf die Straße gebracht wird. Und hoffentlich im Juni zur Messe in besseren Zeiten.