Lamborghini Sián Roadster: Offener Hybride mit Superkondensatoren

Gregor Soller

Italien und Lamborghini – das ist immer ganz große Oper. Das jüngste Meisterstück aus Sant’Agata Bolognese beschreibt Stefano Domenicali, Chairman und CEO von Automobili Lamborghini so: „Er ist Ausdruck von atemberaubenden Design und herausragender Performance, steht aber vor allem für zukunftsweisende Technologien. Der innovative Hybrid-Antriebsstrang des Sián gibt die Richtung für zukünftige Lamborghini Supersportwagen vor. Der offene Sián Roadster verstärkt das Verlangen nach dem ultimativen Lamborghini Lifestyle auf dem Weg in die Welt von Morgen, die nach neuen Lösungen verlangt.“

Und da wird es spannend, denn der Sián Roadster ist mit dem Superkondensator von Lamborghini ausgestattet. Der bietet die zehnfache Speicherkapazität einer Lithium-Ionen-Batterie. Er ist dreimal leistungsstärker als eine Batterie mit gleichem Gewicht und dreimal leichter als eine Batterie mit gleicher Leistung. Die elektrische Anlage mit Superkondensator und Elektromotor wiegt gerade einmal 34 Kilogramm und punktet dadurch mit einem sehr guten Leistungsgewicht von 1,0 kg/PS. Der symmetrische Leistungsfluss stellt laut Lamborghini dieselbe Effizienz sowohl im Lade- als auch im Entladezyklus sicher und sorgt so für eine besonders leichte und effiziente Hybrid-Lösung.

Dazu kommt das regenerative Bremssystem, das eigens von Lamborghini entwickelt wurde. Der Superkondensator kann im Gegensatz zu normalen Lithium-Ionen-Batterien  mit derselben Leistung ge-und entladen werden. So wird das Energiespeichersystem des Sián Roadster bei jedem Bremsvorgang des Fahrzeugs vollständig geladen. Der gespeicherten Energie entspricht ein sofort verfügbarer Powerboost, durch den der Fahrer das höhere Drehmoment beim Beschleunigen unmittelbar nutzen kann. Dies gilt für Geschwindigkeiten bis 130 km/h, darüber schaltet sich der Elektromotor automatisch ab. Auf diese Weise ist der Bolide laut Lamborghini elastischer fahrbar und um über 10% schneller als ein Auto ohne diese Technologie.

Das innovative System ermöglicht außerdem eine sofortige Beschleunigung auch in niedrigen Gängen mit verbesserter Durchzugskraft aus der Kombination des V12-Motors mit dem Hybridsystem. Der Sián Roadster beschleunigt in weniger als 2,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Noch deutlicher ist die Verbesserung bei der Elastizität. Die Durchzugskraft wurde beispielsweise im dritten Gang um bis zu zehn Prozent verbessert.

Und wie fährt sich das Ganze? Nicht nur schneller, sondern eben auch geschmeidiger: Wo beim Verbrenner beim Gangwechsel das Drehmoment abfällt, springt hier die E-Maschine ein: Der Fahrer spürt lediglich den Rückwärtsschub der Beschleunigung, wobei alle unangenehmen ruckartigen Bewegungen eliminiert werden. Ansonsten bleibt der Lambo verschwenderisch und auf liebenswerte Art „altmodisch“, heißt: V12-Benziner mit einem ins Getriebe integrierten 48-Volt-Elektromotor. Der sorgt mit seinen 34 PS sorgt für unmittelbares Ansprechverhalten und eine noch stärkere Performance. Der Elektromotor unterstützt ferner das Rangieren bei niedrigen Geschwindigkeiten, wie zum Beispiel Rückwärtsfahren und Parken, mit elektrischer Leistung. Der V12-Motor ist klassischer italienischer Maschinenbau mit Titan-Einlassventilen und einer auf 785 PS (577 kW) bei 8500 U/min gesteigerten Leistung. Zusammen mit den zusätzlichen 34 PS des Hybridsystems liefert der Sián Roadster 819 PS (602 kW) und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von über 350 km/h.

Zum Schluss werden wir nochmal blumig, wenn es um Farben und Details geht: Der Sián Roadster gibt sein Debüt in Blu Uranus (Blau), einem speziellen Farbton, ausgewählt vom Lamborghini Centro Stile zusammen mit der Abteilung Ad Personam, die gemeinsam mit jedem Sián Kunden individuell an den Farb- und Personalisierungsoptionen seines Roadsters arbeiten. Laut Pressetext fängt er „das Blau des Himmels und das Grün der Felder ein, während seine Räder in Oro Electrum (Gold) erstrahlen, dem von Lamborghini gewählten Ton für die Elektrifizierung.“ Das muss einem erstmal einfallen und kann so wohl nur in Italien ersonnen werden! Woraufhin der Pressetext weiter komponiert: „Der perfekt abgestimmte Innenraum präsentiert sich in einer eleganten Kombination aus Weiß mit Details in Blu Glauco (Blau) und Aluminiumelementen im Goldton Oro Electrum. Die neu gestalteten, im 3D-Druckverfahren gefertigten Lufteinlässe lassen sich mit den Initialen des Kunden personalisieren.“ Und nachdem der Sián nur 19 mal gebaut wird, ist er natürlich schon wieder „ausverkauft“ – trotz des Preises, der mit rund drei Millionen Euro angegeben wird.

Was bedeutet das?

Der Sián Roadster entwickelt die „Supercap“-Technologie weiter, die als schneller und kraftvoller Zwischenspeicher auch in Nutzfahrzeugen gut eingesetzt werden könnte: Denn hier gibt es sehr viel Verzögerungsenergie, die man in den kleinen und leichten Supercaps gut und relativ vollständig zwischenspeichern könnte. Man darf gespannt sein, was der VW-Konzern aus dieser Entwicklung machen wird.