IAA Transportation 2022: Ford erfindet sich neu

Gregor Soller

Christian Weingärtner, Geschäftsführer von Ford DACH, sieht die Marke künftig stärker im Van- denn im reinen Pkw-Segment.

"In Europa eher kleiner Pkw-Hersteller"

Die Freiheitsliebe der Amerikaner sei in der DNA von Ford einfach fest verankert – vor allem in spaßigen, aber nicht alternativ angetriebenen Modellen wie Mustang oder Broncho – die beide auch in Europa Kultstatus genießen – in der Nische. Dagegen schmilzt das Volumenprogramm aus Dearborn immer weiter zusammen: Mit der Einstellung des Mondeo und demnächst auch S-Max und Galaxy zieht sich Ford auch aus der Mittelklasse zurück. Es bleiben SUV, Fiesta und Focus. Letzterer noch bis 2025, auch eher ohne Nachfolger, dann wird auch gleich das Werk Saarlouis geschlossen. Weshalb Weingärtner Ford in Europa tatsächlich als „eher kleineren Anbieter“ bezeichnet, zu dem sich die Marke tatsächlich entwickelt. Immerhin sind drei neue vollelektrische Pkw-Baureihen auf VWs MEB-Basis geplant, wovon zwei in Köln produziert werden. Das dritte E-Modell ist der elektrische Puma, der aus dem rumänischen Craiova kommt.

Europas Nummer eins bei den Vans ist: Ford!

Ganz anders bei den Vans: Dort ist man EU-weit mittlerweile Nummer eins, in Deutschland liegt man auf Platz drei und hat den Marktanteil in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt. Und hier nutzt man die Tatsache aus, dass weder Mercedes-Benz noch VW richtig Lust auf das Van-Segment haben: Denn der neue Transit Connect ist zwar ein VW Caddy, doch Amarok, der Nachfolger des VW T6.1 und der Nachfolger des VW Crafter sind respektive wohl alle reine Ford-Derivate werden in VW-Optik. Dazu passt, dass man in den USA seit 40 Jahren mit dem F-150 das mit Abstand bestverkaufte Auto stellt. Vom E-Transit wurden mittlerweile über 8.300 Fahrzeuge geordert und ab 2023 folgt der E-Transit Custom, der noch Teile des Vorgängers „aufträgt“, aber einmal komplett auf links gedreht wurde, inklusive neuer Bodengruppe beim Stromer. Er soll bis zu 380 km Reichweite bieten und kann mit bis zu 125 kW DC laden. Und auch den Transit Courier legt man im rumänischen Craiova neu auf. Auch er wird 2024 elektrisch kommen.

Deshalb hat man mit Ford Pro einen neuen Geschäftszweig für Gewerbekunden gegründet und treibt die Elektrifizierung voran: Ab 2024 sollen alle Nutzfahrzeuge elektrisch oder Plug-ins seien. Ab 2030 sollen diese Versionen zwei Drittel der Absatzzahlen bestreiten. Pro steht übrigens für „Produktivität“. Dazu gehört auch ein FordPass Connect-Modem für eine intelligente und effiziente Steuerung der Wartungs- und Reparaturarbeiten. Auch Ladeinfrastruktur, Software und Finanzierung gehören dazu.

Neuorganisation der Fertigung und neue Invests

Aber auch hinter den Kulissen organisiert sich Ford neu: Im rumänischen Standort Craiova werden 490 Millionen Euro investiert und in dem Zug wird er organisatorisch dem türkischen Standort Kocaeli zugeschlagen, wo ebenfalls weitere zwei Milliarden Euro investiert werden. Außerdem soll nahe Ankara mit der Koc-Gruppe eine der größten Akkumontagen Europas entstehen.

Bis Ende 2023 will Ford 600.000 E-Autos fertigen, darunter 270.000 Mustang Mach-E, je 150.000 F-150 Lightening und E-Transit und 30.000 SUV eines neuen E-SUV aus Köln. 2026 sollen es dann mehr als zwei Millionen E-Autos werden. 2021 hatte man in den USA 27.140 Elektromodelle verkauft – da geht also noch was.

Was bedeutet das?

Während Ford sich im Pkw-Bereich gearde schwer tut und eher in kleinvolumigen aber emotionalen Nischen punktet, möchte man die Führungsposition in Europa bei den leichten Nutzfahrzeugen ausbauen – und hat mit dem E-Transit ein starkes erstes Zeichen gesetzt.

 
In Europa zeigt Ford der Konkurrenz im Van-Segment die Rückleuchten. | Foto: G. Soller
In Europa zeigt Ford der Konkurrenz im Van-Segment die Rückleuchten. | Foto: G. Soller
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