Hyundai Ioniq 5: Klare Kante, starke Ansage!

Gregor Soller

Der Ioniq 5 ist das erste Modell der neuen rein elektrischen Hyundai-Submarke „Ioniq“. Er punktet mit 800-Volt-Technik und viel Platz innen.

Als Studie „45“ erinnerte das 2019 auf der IAA gezeigte Hyundai-Modell an die erste Hyundai-Studie von Italdesign, die 1974 entstand. Und der bald das kompakte Serienmodell „Pony“ folgte. Fast zeitgleich erschien bei British Leyland die 18:22-Serie der Marken Austin, Morris und Wolseley, die 1976 in Princess umbenannt wurde. Designer war damals Harris Man, der „The Wedge“ (die kantige Kartoffelspalte) gestaltete. Dass die Grundform noch immer sehr gut aussehen kann, bewies jetzt das Hyundai-Design-Team unter dem gebürtigen Bad Reichenhaller Peter Schreyer. Denn mit dem ersten Hyundai auf der „Electric Global Modular Platform“ (E-GMP) geht der Konzern einen Riesenschritt.

Zwei Antriebsarten, zwei Akkugrößen

Dank der neuen E-GMP stehen je nach Leistungsstufe bis zu zwei Elektromotoren, Heck- oder Allradantrieb zur Verfügung. Zusätzlich hat der Kunde die Wahl zwischen einer 58-kWh- oder einem stärkeren 72,6-kWh-Akku. Alle Varianten werden mit 185 km/h abgeregelt, topmotorisiert mit einem 155-kW-Heckmotor und einem 70-kW-Frontmotor. Beide zusammen bieten mit dynamischem Allradantrieb 225 kW respektive mit 306 PS. Mit der großen 72,6-kWh-Batterie soll diese Variante bis zu 480 Kilometer nach WLTP-Norm (vorläufiger Wert) kommen und in 5,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen. In Kombination mit der 58-kWh-Batterie leisten die E-Motoren 120 kW an der Hinter- und 53 kW an der Vorderachse (zusammen 235 PS). Darunter rangieren die Hecktriebler: Mit der großen Batterie und Heckantrieb leistet der Elektromotor 160 kW/218 PS. Bei allen Ausführungen liefert der Heckmotor 350 Nm, der Frontmotor 255 Nm. In Verbindung mit der kleinen Batterie leistet das Elektrotriebwerk 125 kW/170 PS. Als einer der wenigen Elektro-Pkw kann der Ioniq 5 Anhänger mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 1.600 Kilogramm ziehen.

Knackig: Üppige drei Meter Radstand bei gut 4,6 Meter Außenlänge

Mit einer Länge von 4.635 Millimetern, einer Breite von 1.890 Millimetern und einer Höhe von 1.605 Millimetern bei einem üppigen Radstand von 3.000 Millimetern ist das Platzangebot vergleichbar mit einem Fahrzeug aus dem D-Segment. Im Kofferraum stehen bis zu 531 Liter zur Verfügung, die sich bei vollständig umgeklappten Rücksitzen auf fast 1.600 Liter vergrößern lassen. Zusätzlichen Stauraum bietet ein Fach unter der Motorhaube (Frunk) mit bis zu 57 Litern (28 beim Allrad).

Ökologisches Interieur mit Wohnraumcharakter

Bei der Gestaltung des Interieurs war es wichtig, dem Fahrzeug Wohnraumcharakter zu verleihen. Dessen Herzstück ist eine innovative Mittelkonsole, die als eine Multifunktions-Insel fungiert. Dazu kombiniert Hyundai sehr flexibel einstellbare, beheizbare Vordersitze mit ausklappbarer Beinauflage und Relax-Funktion. Fahrer und Beifahrer können sich in einem ergonomisch optimalen Winkel zurücklehnen, beispielsweise um sich während eines Ladevorgangs auszuruhen. Umweltfreundliche, nachhaltig gewonnene Materialien innen sollen den ganzheitlichen Leitgedanken fortsetzen. Ein Solardach soll unter optimalen Bedingungen eine zusätzliche Reichweite von bis zu 2.000 Kilometern im Jahr generieren.

Laden: Mit 400 oder 800 Volt, in Maßen auch bidirektional – samt Außensteckdose!

Der Ioniq 5 lädt sowohl an 400-Volt als auch an 800-Volt-Ladepunkten, ohne dass zusätzliche Komponenten oder Adapter erforderlich sind. Bei diesem Multi-Ladesystem handelt es sich um eine von Hyundai entwickelte und patentierte Technologie für hohe Ladekompatibilität.

An einer 350-kW-Schnellladesäule lädt die Hochvoltbatterie laut Hyundai in nur 18 Minuten von 10 auf 80 Prozent ihrer Kapazität. Eine Ladedauer von fünf Minuten genügt nach Aussage der Koreaner für eine Reichweite von 100 Kilometern nach WLTP-Norm. Darüber hinaus kann der Kunde auf die bidirektionale Ladefähigkeit (Vehicle-to-Load, V2L) zurückgreifen. Hiermit lassen sich beliebige elektrische Geräte wie E-Bikes, E-Scooter oder Notebooks mit bis zu 230-Volt-Wechselstrom speisen. Die V2L-Funktion liefert eine Leistung von bis zu 3,6 kW.

Außerdem hat Hyundai bei den Telematikdiensten Bluelink nachgelegt. Neben den bekannten Funktionen wie dem Starten des Ladevorgangs aus der Ferne mit der dazugehörigen Smartphone-App sind neue Dienste verfügbar. Dazu gehören beispielsweise eine verbesserte Sprachsteuerung, Connected Routing, Last Mile Navigation und die Speicherung von bis zu drei Benutzerprofilen. Demnächst wird Hyundai im Rahmen der Bluelink Telematikdienste neue cloudbasierte Fahrzeugservices einführen, mit denen sich Funktionen via Softwareupdate (Over-the-Air) freischalten bzw. nachrüsten lassen. Der Ioniq 5 startet bei 41.900 Euro brutto, das sind gut 35.210 Euro netto.

Was bedeutet das?

Der Ioniq 5 ist eine sehr starke Ansage von Hyundai. Rein elektrisch in der (oberen) Mittelklasse, wo man mit dem neuen Ioniq nicht nur eine starke Alternative zum Ford Mustang Mach-E, Nissan Ariya, VW ID.4 oder Tesla Model 3 bietet, sondern auch einen interessanten Gegenspieler für Audi A4, BMW Dreier respektive i4 oder Daimlers C-Klasse. Und: Dank 800-Volt-Technik und V2L-Funktion hat Hyundai auch die Möglichkeiten der E-Mobilität merklich erweitert.

 

 
Charakteristische Seitensicke. | Foto: Hyundai
Charakteristische Seitensicke. | Foto: Hyundai
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