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Genf 2019: Honda präsentiert „e Prototype“

Gregor Soller

Das neue Modell steht auf einer komplett neuen Plattform und soll noch im Laufe des Jahres in Serie gehen.

Der Termin war klein, fein und exklusiv – in den King-Kong-Studios nahe Weissach. Dort erblicken normalerweise neue Porsche-Modelle das Licht der Welt, diesmal stand stattdessen ein kleiner Japaner auf der großen Bühne – die seriennahe Version des Honda „e“. Der einen mit einem kleinen Rundscheinwerferkonzert begrüßt und ganz offensichtlich die Retrokarte spielt und trotzdem ziemlich zeitlos wirkt. Allerdings deutlich gerundeter und geglätteter als die zweitürige Studie „EV“, mit der Honda den „E“ ankündigt. Doch hinter den Kulissen entstand die Studie EV zeitlich erst nach dem jetzt präsentierten Serienmodell. Und die habe man laut Exterieur-Designchef Ken Sahara bewusst noch etwas „nachgeschärft“ und ein bisschen stärker Richtung „retro“ modelliert, während das Serienmodell dann doch etwas leiser und zeitloser auftreten wird.

 „Noiseless design“, also passenderweise „leises Design“ nennt Sahara das, der als Hobby neben Gitarre spielen seit 2018 „Windeln wechseln“ angibt und sich auch im Privaten hin und wieder nach Ruhe sehnen dürfte. Entsprechend wirkt das Serienmodell dann auch etwas erwachsener, wenngleich Sahara zugibt, das er damit durchaus auf den kompakten Ur-Civic anspielt, der damals auch eine Rolle als City-Commuter hatte.

Genau die denkt Projektleiter Kohei Hitomi auch dem Neuen zu, der sich deshalb mit 200 Kilometer Reichweite nach WLTP „bescheiden“ muss, aber mit Heckmotor und -antrieb extrem fahrdynamisch unterwegs sein soll. Das Drehmoment gibt Hitomi mit über 300 Newtonmeter an. Für Wendigkeit soll der extreme Lenkeinschlagwinkel sorgen, weil unter der Haube außer dem Ladeanschluss, nur noch Klimakompressor und Fahrwerk etwas mehr Platz beanspruchen. Der Ladeanschluss zitiert übrigens die großen und Anfang der 1970er Jahre populären Lufteinlässe der Muscle-Cars, hier erleichtert es einfach das Anstecken des CCS-Steckers. Auch der Honda e verzichtet auf Außenspiegel und bildet das, was hinter ihm folgt, in zwei Screens ab.

Also steigen wir ein und nehmen auf angenehmen Polstern Platz: Obwohl der Stromer kürzer baut als der Jazz, finden noch vier 1,9 Meter große Personen gut Platz. Kofferraum und Variabilität standen nicht so groß im Lastenheft wie ein gewisser High-Tech-Anspruch. Denn das Ladevolumen fällt eher dezent aus und die Rücksitzlehne lässt sich nur in einem Stück umlegen. Ein Split hätte laut Interieur-Designer Akinoro Myoui zusätzlichen konstruktiven Aufwand und extra Gewicht gekostet, obwohl sogar der billigste Dacia Sandero eine geteilte Rücksitzlehne bietet. Das gesparte Geld hat Honda, wie angedeutet lieber in die Instrumententafel gesteckt, die vornehmlich aus einer 95x13 Zentimeter großen Screenlandschaft besteht, was gut 190 inch sind! Doch auch hier agiert Honda sehr zeitlos und bevorzugt einfache horizontale Linien und setzt neben dem ebenfalls leicht retro wirkenden „Fake-Wood“ auf filzartige Stoffe, was für die Wohnlichkeit eines japanischen Teehauses sorgt, was Honda so kommuniziert: Stoffe im Melange-Stil und weitere Materialien, die man aus modernen Wohnbereichen kennt, verleihen dem Innenraum den Charakter einer Lounge. Ein durchgängiger flacher Boden zwischen Front- und Heckbereich unterstützt das großzügige Raumgefühl.

In Summe kehrt Honda mit dem kleinen Stromer zu seinen Wurzeln zurück: Das waren kompakte, aber sportlich-kräftige Kerlchen, die vor allem motorisch immer die Beste und nie die billigste Lösung bevorzugten. Diese Werte, etwas anders „konfiguriert“, vertritt jetzt auch Hondas erster Stromer wieder, auf dessen Plattform übrigens eine ganze Familie entstehen soll, vom kompakten A- bis zum großen B-Segment. Der Honda e startet erstmal zwischen all den Segmenten und als man Kohei Hitomi auf die sportliche Studie EV Sports anspricht, die dem EV Concepot auf der Tokyo Motor Show 2017 beigestellt wurde, lächelt er: „Warum nicht?“ Für die Plattform hätte Honda noch so viele Ideen, die natürlich auch ein SUV umfassen dürfte. Und auch technisch hat man noch einiges in petto: So kooperiert man bei den Akkus mit Panasonic und auch hier täte sich künftig noch Einiges, vor allem in Sachen Energiedichte.

Was bedeutet das?

Hinter den Kulissen hat es einige Überzeugungsarbeit gekostet, eine neue E-Plattform zu entwickeln, noch dazu für ein kompaktes Fahrzeug. Doch die Plattform wird ausgerollt und mit dem „Neustart“ im Mini-Segment ist Honda zeitlich genau richtig dran – und erfindet sich nebenbei noch neu.

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