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Genf 2019: Daimler setzt auf EQ statt V12

Gregor Soller

Auf der Vorpressekonferenz für Daimler sämtliche Neuheiten des Frühjahres 2019 auf – darunter auch einige „Last editions“.

Irgendwie war das Bild symptomatisch für den Wandel bei Daimler: Drinnen strahlten EQ-Modelle und Weltneuheiten um die Wette und draußen durften die einstigen Stars des Programms Abschied nehmen – und standen abseits im Regen wie die begossenen Pudel.

Zu den „Verstoßenen“ zählten vor allem die offenen SL und SLC: Von Letzterem gibt es eine knallgelbe „last edition“, dann ist Schluss. Den Hut nehmen Modellreihe für Modellreihe auch die V12-Motoren: Neben SLC und SL stand ein letzter Aufguss des S65AMG im Regen. Denn die Zukunft gehört auch bei Daimler den elektrifizierten Modellen und den SUV.

Allen voran GLC und GLE. Ersterer wurde als GLC 300e-Plug-In-Hybrid präsentiert. Auch der Plug-In-Hybrid basiert auf der C-Klasse, weshalb dem Benziner durchaus auch noch ein selbstzündender PHEV folgen könnte: Immerhin gehört der GLC zu den absoluten Topsellern im Programm. Karosserie und Infotainment erfuhren zahlreiche Updates: Während die C-Klasse letztes Jahr zum Facelift noch auf die letzte MBUX-Ausbaustufe verzichten musste, wurde sie beim GLC jetzt eingeführt, womit das Mittelklasse-SUV wieder zu den bestverbundenen und sichersten Fahrzeugen der Klasse zählen dürfte. Rein batterieelektrisch wird er nach WLTP bis zu 50 Kilometer weit kommen, ein Wert, den der GLE PHEV im Herbst dann toppen wird: Das große SUV wird laut Technikvorstand und künftigem CEO, Ole Kellänius, die dritte Plug-In-Generation besitzen, die bis zu 100 Kilometer rein elektrische Reichweite bieten wird. Außerdem werden A- und B-Klasse noch als PHEV nachgereicht werden, mit rund 60 Kilometer rein elektrischer Reichweite, über 200 PS und mehr als 400 Nm Drehmoment – womit Daimler alle Kernbaureihen als Plug-In-Hybrid im Angebot hätte. 2020 soll auch das Jahr sein, in dem die Umstellung auf 48-Volt-Mildhybride abgeschlossen sein wird – laut Kellänius umfasst die Palette dann 100 Prozent Mild-Hybride, die künftig die „Basis“ der Elektrifizierung sein werden. Bis dahin soll auch bei AMG ein Großteil der Baureihen elektrifiziert sein.

Aber auch Smart und die Van-Sparte zeigten auf: Die V-Klasse strickte man kostengünstig zum Stromer um, indem man ein 100-kWh-Akkupack unter den Boden schob und die übrige Technik unter die Stummelhaube packte. Designer Bertrand Jansen, der seit Jahren seine Rente ankündigt, sprang einmal mehr so gar nicht rentnerhaft vor dem Auto herum und erläuterte die optischen Anpassungen im Detail. Die Daten stimmen: Bis zu 400 Kilometer Reichweite, 160 km/h Topspeed und rund 370 Nm Drehmoment. Das Gewicht? Nun ja, das liegt leicht über der Standard-V-Klasse, so dass man als Gesamtgewicht wohl die führerscheinseitig erlaubten 3,5 Tonnen ausschöpfen dürfte. Gebaut wird der EQV auf dem gleichen Band wie die Verbrenner – wobei der Anteil von 100:0 auf 0:100 verschoben werden kann – sofern die Akkukapazitäten und Nachfragen vorhanden wären.

Beim Smart „forease+“ wollte man eher gegen die vermeintlich wackelige Zukunft der Marke angestalten: Laut Bertrand Jansen entstand er zusammen mit dem „Roadster“ forease, den man in Paris zeigte – der „+“ bietet jedoch ein Hardtop, das aussieht, als hätte man nachträglich eine Zeltkuppel aufgesteckt. Kommt so nicht, aber Details davon werden in der nächsten Smart-Generation zu sehen sein. Außerdem, so Gestalter Aminiyekta Mohammadhossein, der im „Entwurf Brands“ für den forease+ verantwortlich zeichnete (im wahrsten Sinne des Wortes), habe die Marke Smart viel mehr Potenzial als fortwo und forfour. Den Forease+ hätte man als „Osterei“ in Paris übrigens schon auf dem Display des offenen forease sehen können. Doch wie gesagt, die „offene“ Fraktion tut sich bei den Kunden und bei Daimler etwas schwer zurzeit – und muss der Elektrifizierung von draußen im Regen zusehen.

Was bedeutet das?

Auch Daimler elektrifiziert massiv: Dabei setzen die Stuttgarter im ersten Schritt auf eine rasche Mild- und Plug-In-Hybridisierung, die bis 2020 soweit abgeschlossen ist, dass alle Kernbaureihen mit 48-V-Mildhybrid oder als Plug-In-Hybrid geliefert werden. Geschickt transformierten die Stuttgarter ihre Vans zu Vollelektrikern, während man bei den übrigen reinen EQ-Versionen noch etwas langsamer voranschreitet. Doch auch hier sollen dem EQC ab Sommer bald weitere rein elektrische EQ-Modelle folgen.  

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