Fahrbericht Fiat/Abarth 124 spider: Lautes Warten

Gregor Soller

Die ganz große Zukunft muss bei Fiat warten – bis zum nächsten Fünfjahresplan, den Sergio Marchionne am 1.6. verkünden will – bis dahin ist Dolce Vita mit röhrendem Auspuffsound angesagt.

Aktuell muss der FCA-Konzern wieder eher dezent und leise kommunizieren, denn der ganz große Zukunftsplan wird erst später verkündet. Wobei das dezente Kommunizieren nicht so im Naturell der Italiener liegt. Trotzdem: Für die nächsten Wochen müssen es schicke Alfas und Maseratis sowie Erdgasmodelle für die Umwelt richten. Und laute Abarths - mit echtem Auspuffsound.

Die ansonsten gar nicht so unvernünftig sind: Im Bummelmodus kann man den Abarth 124 leicht mit Siebenkomma-x-Liter Super vor sich hindröhnen lassen: Bügel auf, Verdeck nach hinten geworfen und man kann seine Fahrt nicht nur sehen, sondern auch hören und riechen. Multimedia und  insofern ist das Grundkonzept des einfachen kompakten Roadsters definitiv moderner und umweltfreundlicher als so manches teure Edel-Cabrio, zumal der auf dem Mazda MX5 basierende Fiat zeitlos genug ist, um ein einmaliges Zweit- oder Drittauto zu bleiben: Einmal gekauft und für lange Zeit gefahren. Doch weil der Abarth im Vergleich zum normalen 124er so abarth-ig   laut sein kann, ertappt man sich immer wieder dabei, ökologisch nicht ganz korrekt, einen Gang zu niedrig zu fahren und dem dröhnen und sprotzeln des Klappenauspuffs zu lauschen, in dem noch echte Abgaswellen „Musik“ oder Krach machen – je nach Sichtweise. Und weil der Abarth bisher so unverschämt viel teurer war als der 124 Spider, der bei exakt 21.000 Euro netto startet, hat man eine neue „Basisversion“ ohne schwarze Kriegsbemalung entwickelt, die jetzt für knapp 28.800 Euro zu haben ist. Womit man einen netten „Belohnungs“-Dienstwagen für mittlere Entfernungen hätte, sofern man sich sonst alternativ fortbewegt – denn in der Stadt ist das Rad allemal schneller und auf der Langstrecke arbeitet es sich im Zug einfach besser.  

Und weil Fiat für die 124er noch Potenzial sieht, wird das Programm analog zum 500 um weitere Sonderversionen erweitert: Als da die 124er als gut ausgestattete 124 S respektive Spider Europa wären, die sich vor allem mit speziellen Felgen und Schriftzügen und im Falle des Spider Europa durch ein maßgeschneidertes Gepäckset hervortun. Mit gut 27.200 Euro netto liegt man fast beim Einstiegs-Abarth, dessen 1,4-Liter Multi-Air-Turbo dann aber eben laute 170 statt leiser 140 PS produziert – ein Unterschied, den man im Alltag nicht nur hören, sondern auch erfahren kann, sofern man den Abarth 124 Spider Turismo mit Dual-Sportabgasanlage ab gut 31.500 Euro netto wählt. Denn das dezente Turboloch des 124ers existiert beim Abarth quasi nicht und die knackige Schaltung und ordentlich verarbeitete Karosserie kennt man ohnehin vom Technikspender Mazda MX-5. Den gibt es auch mit festem versenkbaren Hardtop, dem FCA das auf 124 Einheiten limitierte Sondermodell Abarth 124 GT mit festem, nur 16 Kilo leichtem Carbondach samt heizbarer Heckscheibe entgegenstellt. Kostet allerdings ab 34.400 Euro netto und schluckt einen Teil des Sounds.

Immerhin liegen die Verbrauchs- und CO2-Werte beider Modelle mit 6,4 (Handschalter) respektive 6,6 Litern und 148 (Handschalter) respektive 153 Gramm halbwegs an der Wahrheit, sofern man seinen Gasfuß im Griff hat – wobei man für den 170 PS-Abarth in der Realität einen guten halben Liter Zuschlag rechnen muss – und – wie gesagt – lange schnelle Autobahnetappen meiden sollte, denn dann können auch Zehn-Liter-plus-x durch die Einspritzdüsen schießen. Weshalb man dann besser den Zug nehmen sollte. Doch in Kombination mit diesem und dem Fahrrad darf der 124er (Abarth) dann gern mal der emotionale und laute Konterpart sein.

Was bedeutet das?

Objektiv gesehen sind Fiats 124er-Modelle vergleichsweise altmodische und sinnbefreite Fahrzeuge. Die mit vergleichsweise einfachen Mitteln vergleichsweise viel Spaß bereiten können und wegen