Designer Paul Smith: Upcycling des Ur-Mini

Gregor Soller

Designer Sir Paul Smith hat mal wieder einen Mini ausgeräumt und umgebaut.

Erst im vergangenen Sommer hat Paul Smith auf der IAA in München den Mini Strip vorgestellt: ein radikal reduziertes, nachhaltiges Konzeptauto. Paul Smiths Mini Recharged Modell nimmt jetzt diese Idee von nachhaltigem Design wieder auf, nicht ganz so radikal, aber abermals sehr reduziert. Smith hat den Ur-Mini „ausgeräumt“ und elektrifiziert und erklärt:

„Dieses Fahrzeug respektiert auch die Vergangenheit.“

Mit dem Unikat greift Paul Smith ein noch älteres Projekt wieder auf, das ihn seit über 20 Jahren mit Mini verbindet: 1998 schuf er die „Paul Smith Edition“, auf 1.800 Fahrzeuge limitiert. Der Prototyp dieser einzigartigen Auflage war in einem leuchtenden Blau wie Paul Smiths Hemd lackiert. Das neue Einzelstück behält diesen unverwechselbaren, einprägsamen Farbton bei. Mit der limettengrünen Batteriebox rettet der Designer eine weitere Farbe der 90er-Jahre ins Jetzt und setzt immer wieder spannende neue Akzente. Doch bei allem Re-Design bleibt das ursprüngliche Fahrzeugkonzept der zentrale Leitfaden.

Smith schätzt Issiogonis‘ Werk

Es geht bei dem Projekt nämlich auch um Achtung vor dem Bestehenden – vor dem ikonischen Werk, das Sir Alec Issigonis, Schöpfer des ersten Mini, einst vollbrachte. Smith erklärt:

„Wenn Du in die Wohnung Deiner alten Tante einziehst, machst Du aus Respekt ja auch nicht alles neu, aber schon ein paar Modernisierungen.“

Sir Alec Issigonis entwickelte den classic Mini einst als Antwort auf die Ölkrise von 1959. Minimaler Verbrauch, maximale Raumausnutzung – das war die Idee, die über Jahrzehnte Millionen Menschen überzeugte. Einen weniger ikonischen Nachfolger, der noch kürzer baute, gönnte der damals klamme BL-Konzern Issiogonis aber nicht, so dass das Urmodell über 40 Jahre weitergebaut wurde.

Innen dominiert auch hier die Rohkarosse mit dem nackten, unverkleideten Bodenblech das Interieur, darauf liegen rustikale Fußmatten aus recyceltem Gummi. Neben innovativen, ressourcenschonenden Materialien spart das Design Paul Smiths an anderen Stellen gleich ganze Instrumente ein: Ein Magnet neben dem Lenkrad nimmt das Smartphone auf, das abgesehen vom Tacho fast sämtliche alten Knöpfe und Funktionen am Armaturenbrett ersetzt. Mindestens genauso innovativ und mit einem Augenzwinkern geht Paul Smith in seinem exklusiven Modell mit dem Lenkrad um – es ist komplett abnehmbar und vereinfacht den Einstieg. Er findet:

„Wir haben ein 90er-Jahre Auto total relevant für heute gemacht.“

Und ergänzt stolz:

 „Ideen sind nie das Problem, du findest sie überall. Die Herausforderung ist, sie umzusetzen. Hier hat es geklappt, ein Traum ist wahr geworden.“

 
Dabei wurde das Modell großzügig modifiziert. | Foto: Mini
Dabei wurde das Modell großzügig modifiziert. | Foto: Mini
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Geholfen haben dabei die Ingenieure von "Recharged Heritage Limited". Als neuer Mini-Partner haben sie den classic Mini durch den Einbau eines 72-Kilowatt-Elektromotors in ein emissionsfreies Fahrzeug verwandelt. Für die Vorstellung des Designunikats im Rahmen des Salone del Mobile 2022 in Mailand, wird der Paul Smith Showroom in den prägnanten Farbtönen des Mini Recharged by Paul Smith gestaltet. Während des Salone del Mobile haben Besucher die Gelegenheit, das neu gestaltete Modell sowie den Mini Strip dort live zu erleben.

Was bedeutet das?

BMW als sportliche Marke könnte es sich (auch mit Mini) am ehesten erlauben, Autos nach dem Smith-Prinzip zu bauen: Sie wären leichter, sportlicher und erdiger als die großen SUV und die neue Siebener-Reihe, welche aktuell die BMW-News dominieren. Ein Smith M2 und M3, ein Smith-Mini? Muss nicht mal billiger sein, wäre aber ein starkes Statement!