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Audi Activesphere Concept: Mixed Reality – on- und offroad

Gregor Soller

In München konnten wir probesitzen im Activesphere Concept. Einem eleganten Fließheck-Coupe, das mit großer Bodenfreiheit und 22-Zoll-Rädern auf grobstolligen 285/55er Sohlen (fast) überall hinkommt. Das Fließheck lässt sich auf Tastendruck in eine offene Ladefläche verwandeln, was Audi „Activeback“ nennt. Es eignet sich für die Mitnahme von Freizeitausrüstung wie E-Bikes oder Wasser- und Wintersportequipment. Das Modell ließe sich real mit Lenkrad und Pedalerie bewegen, könnte aber auch vollautomatisiert fahren.

PPE-Baukasten als Basis

Die Basis wäre der PPE-Baukasten, der mit 800-Volt-Technik des 100-kWh-akku über 600 km Reichweite bieten soll – und kurze Ladezeiten. PPE soll mit bis zu 270 kW DC geladen werden. Zehn Minuten sollen genügen, um ausreichend Antriebsenergie für mehr als 300 Kilometer Fahrstrecke an Bord zu nehmen. Und in weniger als 25 Minuten lässt sich der Ladestand der 100 kWh-Batterie von 5 auf 80 Prozent bringen. Die PPE soll SUV und CUV mit Hochboden ebenso wie Automobile mit flacher Silhouette abdecken – etwa die Audi-A6-Baureihe, deren Länge und Radstand übrigens nahezu identisch sind mit dem Audi Activesphere concept.

Je eine Elektromaschine auf Vorder- und mobilisieren zusammen 325 kW und ein Drehmoment von 720 Newtonmeter. Vorder- und Hinterräder sind über je eine Fünflenker-Achse angebunden. Beim Konzeptfahrzeug kommt die Audi adaptive air suspension, eine Luftfederung mit adaptiven Dämpfern, zum Einsatz. Die Kabine ist fast wie eine Gondel verglast, was den Passagieren durch den weiten offenen Frontbereich einen unverstellten Blick auf die Straße erlaubt. Auch seitlich, in den unteren Segmenten der Türen gibt es nach innen eingezogene Glasflächen, die gleichsam die Trennung von Natur und Innenraum aufheben, wenn der activesphere im Offroad-Modus unterwegs ist.

Innen: Strenge Ruhe, gerade Flächen – und doch urgemütlich

Interessant: Fast wie im ÖPNV dominieren vertikale und horizontale Flächen die Architektur des Raums, dazu kommen rechte Winkel. Und trotzdem sitzt man sehr „gemütlich“ und fühlt sich wohl. Zumal auch der Boden mit einem praktischen Gummibelag versehen ist. Im Zentrum dominieren Sitzflächen und die Verkleidungen von Türen und Frontbereich in warmem Lavarot. Oberhalb und unterhalb dieser zentralen Zone dominieren ebenfalls dunkle Farben – Schwarz, Anthrazit und dunkles Grau. Sitzfläche, Rückenteil und Schulterpartie der Sitze haben die Designer als drei separate umlaufende Schalen gestaltet, die einen optisch einhüllen und guten Seitenhalt versprechen.

Die Armaturentafel verschwindet im vorderen Fußraum – sie funktionsfähig zu bauen, war große Kunst

Das ausgeklappte Armaturenbrett mit seinen Holzlamellen fungiert als übergroße Soundbar sowie als intelligente, über die gesamte Breite reichende Belüftung (in ausgefahrener wie in versenkter Position). Will der Fahrer oder die Fahrerin selbst das Steuer übernehmen, dann schwenkt der unterhalb der Frontscheibe bündig versenkte Armaturenträger mit dem Lenkrad nach hinten – die ergonomisch ideale Position lässt sich für jeden Fahrer individuell justieren. Die Bedienelemente des MMI touchless in den Türen bleiben stets für Auge und Hand zugänglich, etwa um Fenster- und Sitzeinstellungen zu steuern.

Die echte Revolution: „Mixed Reality“ mit MR-Brille

Echt revolutionär ist aber die VR-Brille, die eigentlich eine „MR-Brille“ ist. MR für „Mixed Reality“. Das ist laut Audi der nächste Schritt, der nun in der Lage ist, virtuellen Inhalt mit räumlichem Bezug zur realen Welt dreidimensional abzubilden. Der Nutzer sieht virtuelle Details, die zunächst ausschließlich der Information dienen. Fokussiert der Benutzer mit seinen Augen diese Elemente und signalisiert dem System damit Interesse, bauen sich detailliertere Inhalte auf – wie beim manuellen Klick, der ein Untermenü öffnet. Zusammengefasst: Der aktive Zustand eines Interaktionselement wird erreicht, sobald der Nutzer fokussiert und über Gesten interagiert.

Die Hand folgt dann intuitiv dem Blick und steuert Fahrzeugfunktionen – und das „user interface“ – die virtuelle Anzeige in der Brille – reagiert wie ein konventionelles Bedieninstrument in Echtzeit auf Änderungen. Besonders benutzerfreundlich: Das virtuelle Bedienelement bewegt sich zum Nutzer hin, so dass dieser unabhängig von seiner Sitzposition komfortabel mit der Benutzeroberfläche interagieren kann. Anders als bei einem analogen, physischen Bedienelement – einer Tastatur, einem Drehregler – muss er sich nicht vorbeugen oder die Arme strecken.

 

 
Das Fahrzeug soll auch offroad sehr weit kommen - samt digitaler Infos zur Umgebung. | Foto: Audi
Das Fahrzeug soll auch offroad sehr weit kommen - samt digitaler Infos zur Umgebung. | Foto: Audi
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Außerdem lassen sich beispielsweise im Offroad-Modus hochauflösende 3-D-Grafiken der Topografie auf die reale Landschaft projizieren und Hinweise auf Navigation sowie Informationen zum Zielareal einblenden. Je nach Bedarf und Aufgabe erhalten Passagiere und Fahrer oder Fahrerin individuelle Einspielungen in ihrer jeweiligen Mixed-Reality-Brille. Denn während letzterer sich – aktiv hinter dem Lenkrad und mit Infos zu Tempo und Streckenführung – auf das Steuern konzentriert, können seine Beifahrer Aktivitäten am Ziel recherchieren und sogar vorbereiten. Oder sehen, wo sich gerade Freunde befinden oder oder…Dennoch kann jeder gleichzeitig auch die Regelung von Temperatur und Luftzufuhr für seinen Sitzbereich mit der Klimaanlage steuern, sowie die Musiktitelauswahl der individuell nutzbaren Soundanlage durchblättern. Da die Brille auf die Geometrie des Activesphere-Innenraums ausgelegt ist, kann sie dem Nutzer sogar fiktive Karteikarten punktgenau auf die Mittelkonsole projizieren, die den Zugriff auf Web-Inhalte visualisieren. Indem die Sensorik der Mixed-Reality-Brille den Innenraum millimetergenau vermisst, lassen sich virtuelle Inhalte nach persönlichem Bedarf einblenden und für die individuelle Interaktion nutzen.

Die Mixed Reality Brille bietet auch außerhalb vom Auto zig Möglichkeiten

Auch außerhalb des Activesphere-Innenraums ist die Vernetzung von Brillen-Nutzer und Automobil samt Ökosystem voller Möglichkeiten: Audis Grenzgänger in den Eisbachstudios Infos über das Wetter in Malibu geben, während er in einer Grafik, die an die 1980er-Jahre und damit den Urquattro erinnert, anzeigt, was der Allradantrieb gerade macht…

Was bedeutet das?

Audi muss momentan „sphärisch“ punkten: 2022 kam kein einziges ganz neues Serienmodell – und PPE dauert – und die Palette dürfte perspektivisch eher schrumpfen: A2, Q2, TT und R8 erhalten keine oder im Falle des TT keine direkten Nachfolger, auch A7 und A8 dürften zusammengelegt werden. Weshalb das Activesphere Concept Audi sehr gut tut. Vieles davon wäre, bald umgesetzt – Vorsprung durch Technik!

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