Ahnentreffen: BMW 745e trifft auf 728i

Gregor Soller

Sechs Zylinder, dezent sportliche Fahreigenschaften zu noch vertretbarem Tarif: Diese Eigenschaften trafen auf den BMW 728 i zu, der auf seinen Nachfolger 745e traf. Unsere Erfahrung im direkten Vergleich: „Shocking“!

Gern verklären wir die Vergangenheit zu einer „Früher-war alles-besser“-Ode. Doch wenn man ganz ehrlich ist, war es das nicht: Auch damals gab es schon Stress, Wettkampf und man glaubte, mit einer aktuellen Innovationsstufe das Bestmögliche erreicht zu haben. So galt der BMW 728 i einst als Einstieg und Topseller der Baureihe E23: Mit 62.908 Stück verkaufte er sich noch eine Idee besser als der 735i mit 60.746 Einheiten. Und heute? Sieht man zumindest in München und Umgebung in erster Linie 745 e der Baureihe G11.

Also, reinsetzen und starten: Und schon da wirkt der im Vergleich zierliche 728er im direkten Vergleich erstaunlich grob – statt dezentem kaum wahrnehmbaren Anstarten wie beim 745er schüttelt sich der famose M-30-reighensechser erstmal aus dem Schlaf um dann langsam in seinen säuselnden Leerlauf zu verfallen. Verfallen kann man dann aber schon auf den ersten Metern seinem betörenden Klang, der den Charakter des nicht mal 1,5 Tonnen wiegenden Autos ausmacht: Großzügig, mit rauchigem Timbre durchziehend, bot schon der 728i großes Kino.

Das beim Umstieg in den (leider viel größeren und schwereren) 745e zur bayerischen Vorabendserie zurückgestuft wird – einfach weil sich Technik und Verarbeitungsverfahren so krass weiterentwickelt haben: Im 745e herrscht Stille und man hat schon in der „kurzen“ Version viel Platz auf allen Sitzen, muss nicht über irgendwie halbwegs elegant verlegte Teppiche hinwegsehen (damals gab es noch keine Formteile) und aufs kleinste Zucken des rechten Fußes strömt der 745e zügig voran bis er Akku leer ist - dann übernimmt auch hier der Reihensechser, der hier auf das Kürzel B58 hört – und sich immer noch so anhört wie bei seinem Urahnen. Dabei aber viel weniger verbraucht: Während man den 728i kaum unter 10l/100 km bekommt, sind beim 745e 6,5l/100 km möglich, über acht braucht er dagegen nur selten…während es beim 728er auch mal zwölf Masskrüge plus x sein dürfen, nachdem ihm auf 100 km dürstet.

Und so carven wir durch das nördliche Münchner Umland, wo wir diverse mehr oder weniger getarnten Markenkollegen treffen und genießen bayerische reihensechszylindrige Großzügigkeit – und stellen fest, dass früher eben doch nicht alles besser war – aber dann und wann aus heutiger Sicht – einfach erfrischend anders!

In der Bildergalerie parken wir die beiden 7er direkt nebeneinander und laden Sie ein, uns auf der Zeitreise zu begleiten!