Abarth 500e: Der kleine bleibt böse!

Gregor Soller

Abarth brüllt weiter – dank künstlichem, aber gut gemachtem Klang. Das bewiesen Miki und Bettina Biason, beide bekannte Racer, welche den Abarth die alte Auffahrrampe in Lignotto hochzirkelten – unter Abarth-typischem Getöse. Sogar das AVAS (Acoustic Vehicle Alert System) erhält einen spezifischen „Jingle“. Wenn man zum ersten Mal die Marke von 20 km/h überschreitet, soll tatsächlich ein Gitarrensound die „unkonventionelle Seele“ des Abarth widerspiegeln. Nachdem wir nur das typische Abarth-Brüllen hörten, müssen Vater und Tochter Biason schneller die Rampe hochgefahren sein. Wenn das Fahrzeug steht, kann der Soundgenerator nach Belieben deaktiviert werden. Auch Miki und Bettina wollen ab und an Ruhe haben.

Reaktionsstärker das E-Antrieb

Fiat-Chef Olivier François, der ab 2024 nur noch Elektromodelle im Programm haben will, erklärte: „Abarth – Heating Up People, But Not the Planet”. Weshalb der 500e auch ein "Badass-Auto" sein darf und soll. Er nutzt die kleine Basis des Fiat 500e mit dem 42 kWh-Akku aber mit 155 PS Leistung und –SOUND!  Damit geht es in sieben Sekunden auf 100 km/h. Dank E-Antrieb bietet er natürlich auch. Und er geht besser als die vorlauten Verbrenner.  Im Vergleich zu seinem benzinbetriebenen Pendant 695  erreicht er eine um 50 Prozent bessere Beschleunigung von 20 auf 40 km/h. Auch außerhalb der Stadt ist der neue Abarth 500e flotter, zum Beispiel in Haarnadelkurven, wo er von 40 auf 60 km/h in nur 1,5 Sekunden die Zielgeschwindigkeit erreichen kann – die Benzinversion hinkt in diesem Vergleich 15 Meter hinterher: Sie erreicht Tempo 60 km/h erst eine Sekunde später.

Darüber hinaus sollen der reaktionsschnellere Elektromotor und ein 24 Millimeter längerer Radstand den Punch unterstützen, auch die Spur wuchs um 60 Millimeter. Die Gewichtsverteilung wurde hin zu 57 % vorn und 43% hinten optimiert. Das Gewicht blieb mit minimal 1.335 Kilogramm verhältnismäßig leicht – woraus resultieren dürfte, dass sich die 155 Pferde an den Vorderhufen hier auch vergleichsweise munter anfühlen dürften.

Auch die Fahrmodi wurden nachgeschärft: Mit Turismo, Scorpion Street und Scorpion Track: Der Turismo Mode ermöglicht eine sanftere Beschleunigung bei geringerer Leistung (maximale Leistung 100 kW statt 113 kW, Drehmoment 220 Nm statt 235 Nm). Der Scorpion Street Mode bietet Spitzenleistung bei gleichzeitiger Maximierung des regenerativen Bremsens. Und im Turismo- oder Scorpion Street Mode kann man One-Pedal-Fahren. Der Scorpion Track- Mode ist schließlich für diejenigen gedacht, die noch mehr Sportlichkeit suchen.

Teuer: Verbrauch und Preis. Seit dem 22.11.2022 kann bestellt werden

Schnellladen klappt mit bis zu 85-kW - in weniger als fünf Minuten sollen rund 40 km nachgeladen sein. Per HPC-Lader soll man binnen 35 Minuten auf 80 Prozent Reichweite geladen haben. Die 160.000 Abarthisti durften auch über Sound, Farbe und Seitenstreifen gemeinsam mitentschieden. Ihnen dürfte auch egal sein, dass der Stromverbrauch nach WLTP mit eher üppigen 18,0 kWh/100 km angegeben wird, womit man bis zu 250 Kilometer weit kommt – naja, im kalten Turiner Winter vielleicht auch nur gut 150, wenn man den Skorpion - im doppelten Sinne - ordentlich heizt.

Weitere Varianten sind angekündigt. Wir können uns perspektivisch vorstellen, dass es auch eine 180- oder gar 200-PS-Version geben könnte oder einen weiteren Abarth auf Fiat-Punto- oder –whatever-Basis.

Um Abarth wirklich eigenständig wachsen zu lassen wie Cupra wären perspektivisch komplett eigene Modelle – ohne Fiat Rohbau oder- Verwandtschaft nötig. Denn so bleibt Abarth eben die „Tuningmarke“ von Fiat, auch wenn Fiat-Chef Olivier François genau das eigentlich nicht hören möchte.

 

 
Breiter, tiefer und eine Idee mehr Radstand. | Foto: Abarth
Breiter, tiefer und eine Idee mehr Radstand. | Foto: Abarth
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