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Fahrzeugbeschaffung: Künftig alles anders?

Nicht nur das jährlich erscheinende CVO Fuhrpark-Barometer von Arval belegt, dass Flottenmanager auf die Dieseldebatte reagieren.

Bilder: Arval; AutoScout24; Carwow; Volvo
Bilder: Arval; AutoScout24; Carwow; Volvo
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Gregor Soller
Fuhrpark-barometer

Katharina Schmidt, Head of Consulting Vehicle Observatory bei Arval, besuchte die VISION-mobility-Redaktion. Das führte gleich mitten in eine Furhparkdiskussion. Jedes Jahr befragt Arval mit CSA Research Flottenmanager, um daraus das „CVO Fuhrpark-Barometer“ zu erstellen – doch 2018 änderten sich manche Einschätzungen grundlegend. Dass sich Flotten verstärkt Richtung alternative Antriebe orientieren, war dabei für Schmidt „eine logische Konsequenz aus der Dieselthematik“.

Völlig erstaunt war sie aber, dass die Umstellung auf das WLTP-Messverfahren bei den Fuhrparkverantwortlichen kaum Eindrücke hinterließ. Und das, obwohl mit den neuen Messwerten die Verbrauchswerte und damit auch die Steuerbelastungen steigen und etliche Fahrzeuge die selbst auferlegten CO2-Vorgaben „reißen“, die sie nach dem alten NEFZ-Zyklus noch eingehalten haben.

Bemerkenswert findet Schmidt die gegenüber dem Vorjahr sprunghaft angestiegene Attraktivität alternativer Antriebe: „Haben 2017 noch 26 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland eine Implementierung alternativer Antriebe erwogen oder vollzogen, sind es in diesem Jahr bereits 38 Prozent.“ Vor allem in der Elektromobilität komme dieses Wachstum zum Tragen und ließe sich ganz klar auf aktuelle Entwicklungen zurückführen:

„Die Debatte rund um den Diesel hat das Bewusstsein von Fuhrparkmanagern geschärft, dass diese bisherige ‚one-size-fits-all‘-Lösung künftig nicht mehr funktioniert, sondern je Flotte sinnvoll ergänzt werden muss.“ Unternehmen setzen daher immer öfter auf einen bedarfsgerechten Energiemix auf Basis individueller Nutzungsprofile. Darin bleiben moderne Diesel zwar weiterhin wichtig, aber nicht mehr ausschließlicher Antrieb. „Nur so lassen sich wirtschaftliche und ökologische Aspekte der Mobilität miteinander vereinen.“

Fast ein Viertel aller deutschen Unternehmen erfährt bereits konkrete Auswirkungen der Dieseldebatte auf den Fuhrpark. Deutschland holt damit auch bei alternativen Antrieben im Antriebsmix auf und setzt verstärkt auf Elektromobilität. „Das wäre ohne die Abgasdiskussion vielleicht nicht so schnell gegangen“, filtert die Arval-Beraterin den Vorteil des „Diesel-Gates“ heraus. Mittlerweile gaben 23 Prozent der befragten deutschen Unternehmen an, dass die Debatte bereits Einfluss auf ihre Car Policy genommen hat.

Dieser Anteil wächst sogar auf 42 Prozent, nimmt man Unternehmen hinzu, die konkrete Auswirkungen erst innerhalb der nächsten drei Jahre erwarten. Fragt man nach den Auswirkungen der Dieseldebatte, nennen Unternehmen den Wechsel zu alternativen Antrieben (65 Prozent), steigende Flottenkosten (39 Prozent) sowie steigende Verwertungsrisiken (29 Prozent), wobei hier Mehrfachnennungen möglich waren. Klar: Wer einfach Diesel durch Benziner ersetzt, hat merklich höhere Spritkosten. Gleichzeitig sanken die Restwerte für die Selbstzünder zuletzt merklich.

Dazu kommen laut Schmidt äußere Einflüsse:

Denn viele Städte drohen mit Fahr- und Einfahrtsverboten und dazu komme das WLTP-Testverfahren, das die Verbräuche der Fahrzeuge teils merklich erhöht – was voll auf die Steuerlast und die Car Policy im Unternehmen durchschlägt. Umso erstaunter war Schmidt, dass tatsächlich nur 16 Prozent der deutschen Befragten davon ausgehen, dass der neue Testzyklus innerhalb der nächsten drei Jahre Einfluss auf ihren Fuhrpark nimmt! Europaweit rechnen hingegen 44 Prozent der Studienteilnehmer mit Auswirkungen durch das neue Messverfahren:

„Dass das WLTP-Messverfahren hierzulande mehrheitlich noch nicht als relevanter Faktor angesehen wird, sehen wir vor allem als eine Herausforderung mangelnder Aufklärung. Und auch, dass 60 Prozent aller befragen Unternehmen bislang noch gar keine Schadstoffemissionen in ihrer Fuhrparkstrategie berücksichtigen, zeigt, dass noch eine gewisse Wegstrecke vor uns liegt“, wundert sich Schmidt. Aber immerhin hielte der Energiewandel „langsam, aber sicher Einzug im Fuhrpark“. Dazu habe eben auch die öffentliche Dieseldebatte einen wesentlichen Beitrag geleistet: „Statt dem Diesel als einzige Option setzen viele Unternehmen mittlerweile auf einen bedarfsgerecht ausgestalteten Antriebsmix auf Basis unterschiedlicher Fahrt- und Streckenprofile.“

Wenngleich alternative Technologien wie Hybride, Elektromobilität, Gas- oder Brennstoffzellentechnologien bei deutschen Fuhrparkmanagern noch skeptischer betrachtet werden als in vielen anderen EU-Staaten. Immerhin steigt die Akzeptanz im internationalen Vergleich: Mit 38 Prozent der deutschen Unternehmen, die wenigstens eine neue Technologie implementiert haben, liegt Deutschland nicht mehr so dramatisch unter dem europäischen Durchschnitt (44 Prozent). Stark am Steigen ist die Elektromobilität: Hierzulande haben bereits 28 Prozent der befragten Unternehmen Elektroantriebe in ihren Fuhrpark implementiert oder planen einen zeitnahen Einsatz.

Damit liegt Deutschland sogar vor dem Durchschnittswert aller befragten europäischen Länder (26 Prozent). Dabei gilt allerdings: Je größer die Firma, umso eher wird auf neue Technologien gesetzt. Während von den Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitern bereits 75 Prozent alternative Antriebe implementiert haben oder dies für die nächsten drei Jahre vorsehen, sind es bei Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern lediglich 23 Prozent. Diese Tendenz gilt für ganz Europa und ist vor allem dem finanziellen Spielraum bei großen Firmen geschuldet.

Wir wollten wissen, ob es sich beim Arval-Fuhrpark-Barometer um eine Einzeleinschätzung handelt oder ob die Daten einen Gesamttrend widerspiegeln. Tun sie, wie Antje Bustamante-Mena, Head of Insights & Analytics bei der Scout AG, erklärt: „Die Analyse unserer Daten zeigt, dass 2018 Bewegung in den Markt der alternativen Antriebstechnologien gekommen ist.“ Und das nicht nur bei Neuwagen: Insbesondere die Nachfrage nach jungen Elektroautos (bis vier Jahre) sei im ersten Halbjahr 2018 im Vergleich zu 2017 durchschnittlich um fast 20 Prozent gestiegen, wobei das Interesse an Neuwagen besonders hoch ist. „Hier sehen wir Potenzial für die Händler, denn bis jetzt ist die Zahl der angebotenen Fahrzeuge im Vergleich zum Vorjahr nur um rund ein Prozent gestiegen. Anders bei den jungen Hybriden: Die Nachfrage nahm ebenfalls im ersten Halbjahr 2018 zu, allerdings nur um rund sieben Prozent. Gleichzeitig stieg das Angebot an Hybridfahrzeugen, vor allem im Neuwagenbereich, stark an.“

Auch Stefan Schneck, Vice President Sales bei AutoScout24, stößt ins selbe Horn und stellt vor allem bei Dieselfahrern eine hohe Wechselbereitschaft zu alternativen Antrieben fest. Gleichzeitig herrsche immer noch Verunsicherung, wie alltagstauglich die Elektroautos bereits sind. Dabei nennt Schneck weiter die „Klassiker“ Reichweiten der Akkus, die Ladezeit und die Infrastruktur, die für Kopfzerbrechen sorgen, und: „Die Herstellung der Lithiumbatterien von Elektroautos, die neben seltenen Rohstoffen auch große Mengen Energie schlucken, verunsichert zusätzlich.“

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Ähnlich differenziert äußert sich Philipp Sayler von Amende, CEO & Co-Gründer der digitalen Neuwagenplattform Carwow, bei seinem Besuch der VISION-mobility-Redaktion und erklärt: „Wir unterscheiden immer zwischen Interesse, was wir über Konfigurationen ablesen, und tatsächlichen Verkäufen.“ Anschließend legt er starke Zahlen vor: Elektro- und Hybridkonfigurationen seien von 1,3 Prozent Anteil (2017) auf 4,7 Prozent im Oktober 2018 gestiegen. Noch viel stärker stiegen die reellen Verkäufe: Die sind bei Carwow von 4,3 Prozent Anteil (2017) auf 15 Prozent im Oktober 2018 gestiegen. Umgekehrt sinkt die Nachfrage nach dem Diesel merklich.

Wegen der Umstellung auf den WLTP-Zyklus und viele Lieferengpässe reagiert auch Carwow, indem sie das bisherige Angebot um die sofort verfügbaren Bestandsfahrzeuge der Händler erweitern – wichtig in Zeiten langer Lieferzeiten für alternativ angetriebene Neuwagen, die nur bei rechtzeitiger Bestellung noch einen Umweltbonus mitnehmen können. Entsprechend wurde die Webseite für den Neuwagenkauf um Bestandsfahrzeuge erweitert, sodass künftig kooperierende Vertragshändler ihre sofort verfügbaren Neuwagen direkt online auf der Seite anbieten werden. Neuwagen-Interessenten haben so eine deutlich größere Auswahl und können unmittelbar Angebote für diese neuen Lagerfahrzeuge einsehen. Mithilfe einer Matching-Funktion können Nutzer Angebote für das konfigurierte Wunschfahrzeug mit Angeboten für vergleichbare, sofort verfügbare Neuwagen einfach abgleichen.

Außerdem kann man unkompliziert einen Termin für eine Probefahrt mit dem Wunschfahrzeug im ausgewählten Autohaus reservieren. Selbstständige, Unternehmer oder Außendienstmitarbeiter können sich zu jedem Angebot die Konditionen für Gewerbekunden einblenden lassen. So lässt sich im Zweifelsfall gerade bei kleinen Flotten oder Einzelbeschaffungen direkt vergleichen, ob der private oder gewerbliche Kauf vorteilhafter ist. Daran koppelt sich die Anzeige der aktuell verfügbaren Sonderaktionen der Hersteller, sodass man als Kunde im Idealfall kein Sonderangebot verpasst. Außerdem wird der Konfigurator weiter dahingehend optimiert, dass die Kaufinteressenten bereits während der Konfiguration mehr Beratung bei der Auswahl der Motoren, Ausstattungslinien und Extras erhalten.

Und die fällt gerade bei den Premiumherstellern immer noch riesig aus, könnte sich aber ändern. Denn auch wenn VW-Konzernchef Diess gerade manchmal etwas radikal kommuniziert und radikal (vor allem) Verbrennerautos tauscht, so bereitet er ebenso radikal die nächsten Schritte Richtung E-Mobilität vor. Heißt: eine komplette E-Linie neben den Verbrennern und radikal reduzierte Optionslisten – nicht nur beim I.D., sondern künftig auch bei Golf oder Passat.

Insofern darf man schon auf das Fuhrpark-Barometer 2020 oder 2021 gespannt sein!

CVO Fuhrpark-Barometer

Für das CVO Fuhrpark-Barometer 2018 (CVO steht für Corporate Vehicle Observatory) führte CSA Research im Auftrag von Arval 3.718 Interviews mit Flottenleitern und Fuhrparkmanagern in Europa und der Türkei. In Deutschland wurden dazu 302 Interviews geführt. Die Befragung berücksichtigte alle Unternehmens- und Flottengrößen von unter zehn Mitarbeitern bis zu über 1.000 Mitarbeitern respektive von Flottengrößen mit weniger als zehn Fahrzeugen, bis hin zu Flotten mit 50 Fahrzeugen und mehr. Dabei deckt die Studie alle relevanten Branchen vom Baugewerbe über Industrie, Dienstleistungen und Handel ab.

Auf den Punkt
Es ist … eine jährlich wiederholte dezidierte Umfrage zu den Flotten.
Schön, dass … sich in Sachen Car Policy etwas bewegt.
Schade, dass … Deutschland hier teils sehr langsam unterwegs ist.
Was haben Flotten davon? Eine interessante Tendenz und viele neutrale Vergleichsmöglichkeiten.

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Artikel Fahrzeugbeschaffung: Künftig alles anders?
Seite 48 bis 52 | Rubrik Mobilität
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