Flottenmanagement: Präzision rauf, CO2 runter

Die Corona-Krise hatte im Flottenmanagement auch positive Auswirkungen: Die Reduktion der CO2-Werte rückte noch stärker in den Fokus. Von Gregor Soller

 Bild: MediaPortal Daimler AG
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Gregor Soller

Covid-19 hat auch im Mobilitätsmanagement als „Brandbeschleuniger“ gewirkt, allerdings im positiven Sinne: Denn viele Themen wurden schon seit Jahren angestoßen, kamen aber noch nicht so recht in Fahrt: Darunter die Elektromobilität, das generelle Überdenken der Reisetätigkeiten und – damit verbunden und für die Umwelt am wichtigsten: Die Reduktion des CO2-Ausstoßes. Entsprechend haben die Miet- und Leasinganbieter ihre Angebote nachjustiert und verfeinert, wie wir in Interviews mit dem Alphabet-CEO Uwe Hildinger und Philipp Berg, Commercial Director bei Athlon, herausgehört haben. Trotzdem bleibt die ganz große Transformation der Fuhrparks vorerst aus – steht aber dennoch im Fokus der Mobilitätsmanager: In dem Zusammenhang werden Tools wie der TCO-Rechner von Athlon, mit dem sich Stromer und Plug-ins mit Verbrennern vergleichen lassen, immer wichtiger. Hat sich der Flottenmanager dann zu einer Umstellung entschieden, ist er froh, mit Angeboten wie Alpha Electric von Alphabet umfassend betreut zu werden.

Ausführliche Reportings bietet zudem die ALD Autoleasing GmbH an, eine Tochter der Société Générale, die mittlerweile ebenfalls Elektromobilitätsspezialisten hat, um die Kunden hier breit gefächert zu betreuen. ALD steht zum Beispiel hinter den Business-Fleet-Lösungen von Jaguar respektive Land Rover, wo man das elektrifizierte Programm über die neuen Plug-ins und den Jaguar I-Pace ausbaut. Und wer online nach „Volvo Fleet“ sucht, landet bei Volvo Cars automatisch bei den elektrifizierten und rein elektrischen Recharge-Versionen, die auch hier umfassend betreut und gefördert werden. Und damit die Plug-ins immer regelmäßig angesteckt werden, belohnt Volvo – wie jetzt auch BMW –, wenn die Nutzer laden statt tanken, wozu eine schlaue Telematik gehört. Womit wir noch kurz einen Seitenblick auf die Telematikanbieter wagen: Die erweitern ebenfalls ihre Angebote zur Maximierung der Flotteneffizienz.

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Ein Beispiel wäre hier Geotab Keyless. Die Telematikspezialisten integrieren jetzt als eine der weltweit ersten Plattformen eine geschützte digitale Schlüsselfunktion in ein Flottenmanagementprodukt. Mit Keyless können öffentliche, Firmen-, Leasing- und Behördenfuhrparks ihre Bestände besser erfassen, zusammenführen, nutzen und so auch verkleinern. Christopher Mendes, Vizepräsident Electric Vehicles bei Geotab, erklärt dazu: „Der schlüssellose Fahrzeugzugang ist nicht nur für Fuhrparks, die ihre Kosten- und Betriebsstrukturen verbessern wollen, sondern auch für Verbraucher, die kein eigenes Auto mehr besitzen und ein einfacheres, komfortableres Fahrerlebnis wünschen, von entscheidender Bedeutung.“ Die Lösung sei besonders für Carsharing-Flotten mit Elektrofahrzeugen vorteilhaft, da sie auch den Ladezustand, den Aufladestatus und die verbleibende Reichweite zuverlässig erfasst. Als einfach zu installierende, skalierbare Plattformlösung unterstützt Geotab Keyless jede Marke, jedes Modell und jedes Baujahr, das mit einem Key Fob ausgestattet ist. Dazu kommen spezielle Funktionen wie Bestandsbuchhaltung, Eignungsanalyse für Firmen-Carsharing, automatisierte Fahrzeugverwaltung und Remote-Fahrzeugverwaltung. Über die können Kunden zudem detailliertere Datensätze wie Kraftstoffstand, Reifendruck, Kilometerstand abfragen und Unfallmeldungen einrichten.

Viele kleine, vielleicht unscheinbare Details, die aber helfen, den CO2-Ausstoß weiter zu reduzieren.

„Viele Fuhrparkmanager sind überrascht, wie wirtschaftlich attraktiv Elektrofahrzeuge mittlerweile sind.“

Mit Philipp Berg, dem Commercial Director bei Athlon, sprachen wir über das neue Tool der TCO-Simulation und die Überraschungen, welche die Mobilitätsmanager damit erlebten.

Wie wird die TCO-Simulation von den Mobilitätsmanagern angenommen?

Berg: Die Rückmeldungen unserer Kunden auf den TCO-Simulator sind sehr positiv. Besonders die Vergleichsmöglichkeiten zwischen klassischen Verbrennern und Elektro- bzw. Hybridfahrzeugen sind für viele Fuhrparkmanager interessant. Die Simulation der Kostenentwicklung je nach Ladeprofil ist für viele Kunden dabei besonders nützlich, da man die Werte schnell und einfach für den eigenen Fuhrpark ableiten kann.

Gab es aufgrund des neuen Tools schon Veränderungen bei den Entscheidungen bezüglich der Fahrzeuge?

Es ist noch etwas früh, um das beurteilen zu können. Vor allem bei dem Vergleich zwischen Verbrennern und Elektrofahrzeugen sind viele Fuhrparkmanager überrascht, wie stark sich das Ladeverhalten der Fahrzeuge in der TCO-Betrachtung widerspiegelt beziehungsweise, wie wirtschaftlich attraktiv Elektrofahrzeuge mittlerweile sind.

Spürt man hier, dass elektrifizierte Modelle in der gesamten TCO-Betrachtung gegenüber reinen Verbrennern Vorteile haben?

Ja, durch die neuen Förderungen der Bundesregierung sowie regionale Förderprogramme gibt es einige wirtschaftliche Anreize, die eigene Flotte zu elektrifizieren. Echte Vorteile entstehen jedoch erst dann, wenn die Flotte ausreichend Zugang zu Ladeinfrastruktur am Unternehmensstandort, im öffentlichen Bereich und am Wohnort des Fahrers besitzt. Wird die Flotte dann entsprechend geladen, vor allem kostengünstig am Standort des Unternehmens und am Wohnort des Fahrers, haben schon jetzt einige Elektrofahrzeuge Vorteile gegenüber Verbrennern.

Wie entwickelt sich die Nutzungsrate des TCO-Simulators?

Immer mehr Kunden nutzen ihn und mit Blick auf das große Interesse an Elektrofahrzeugen gehen wir davon aus, dass noch mehr Nutzer hinzukommen.

Nutzen ihn auch Privatleute?

Wir gehen davon aus, da die Kostenfrage natürlich auch Privatleute umtreibt.

Plant Athlon, den TCO-Rechner künftig um weitere Fahrzeugmodelle und Unterpunkte zu erweitern?

Ja, wir werden ihn stetig mit neuen Modellen erweitern und die Fördermöglichkeiten aktualisieren.

Wie schätzen Sie persönlich die Entwicklung elektrifizierter Fahrzeuge in Fuhrparks ab 2020 ein?

Aufgrund der steigenden Anzahl an verfügbaren flottenrelevanten Fahrzeugen wird auch die Anzahl an BEV und PHEV in gewerblichen Fuhrparks weiterhin stark zunehmen. Athlon bietet hier, gemeinsam mit unseren Partnern, maßgeschneiderte Lösungen; angefangen von der Fuhrparkanalyse über die Auswahl geeigneter Fahrzeuge bis hin zur Installation von der benötigten Ladeinfrastruktur.

Auf den Punkt

Es ist … die beschleunigte Transformation der Mobilität.

Schön, dass … Covid-19 hier auch positive Auswirkungen hat.

Schade, dass … vor allem die Idee des Sharing unter der aktuellen Situation leidet.

Was haben Flotten davon? Noch exaktere Tools für ein umfassendes Fleet-Management.

„Der Wunsch nach Elektromobilität und der Möglichkeit zum Home Charging ist bei vielen groß."

Uwe Hildinger, CEO und Vorsitzender der Geschäftsführung der Alphabet Fuhrparkmanagement GmbH, gibt uns Einblicke in den Wandel des Leasing- und Mobilitätsgeschäftes in Zeiten von Covid-19 und beleuchtet, welche Entwicklungen dadurch beschleunigt werden und warum sich die Vorteile der Digitalisierung nicht nur in Kosten und Zeit messen lassen.

Leider beschäftigt uns das Thema Covid-19 weiter. Hat es Ihrer Meinung nach den Wandel der Mobilität beschleunigt oder gebremst?

Hildinger: Die Mobilität unterliegt einem stetigen Wandel. Die Covid-19-Pandemie hat diesen in jedem Fall beeinflusst. Sie hat uns beispielsweise aufgezeigt, dass man nicht mehr zu jedem Termin persönlich reisen muss. Zusätzlich gewann das eigene Fahrzeug noch einmal an Bedeutung. Mobilität muss sicher und am besten kontaktlos sein. Das alles wird sich natürlich auch nach der Pandemie weiterentwickeln, sodass ich sicher bin, dass wir nicht zu demselben Mobilitätsverhalten wie zuvor zurückkehren werden. Themen wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit rücken zunehmend in den Fokus. Viele unserer Kunden haben beispielsweise die erste Lockdown-Phase genutzt, um sich mit dem Umstieg auf E-Mobilität auseinanderzusetzen und Möglichkeiten der Umsetzung zu prüfen. Dieser Trend wird durch die bundesweiten Förderungen noch einmal unterstützt. Dank unserer nachhaltigen E-Mobility-Lösung AlphaElectric können wir hier umfassend beraten und bei der Implementierung unterstützen. Auch das Thema Flexibilität spielt aufgrund der aktuellen Entwicklungen eine große Rolle. Hier entlasten wir die Kunden beispielsweise durch die Anpassungen von Verträgen und durch unsere flexiblen Mietangebote.

Dann müsste ja auch das Interesse an AlphaCity gestiegen sein, wo man durch Corporate Carsharing auf Leasingbasis Flotten effizienter nutzen kann?

Im Zusammenhang mit unserem Corporate-Carsharing-Angebot AlphaCity haben wir keine vermehrten Anfragen registriert. Das Feedback der Kunden, die diese Konzepte nutzen, ist dennoch nach wie vor sehr gut. Das Thema ist vor allem für größere Flotten relevant, doch auch hier bedarf es eines Transformationsprozesses. Zudem stehen Kunden vor der Herausforderung, umfangreiche Hygienekonzepte umsetzen zu müssen. Grundsätzlich ist es für uns wichtig, sicherzustellen, dass Lösungen für den jeweiligen Kunden wirklich Sinn ergeben. Daher prüfen wir vor einer Empfehlung immer die individuellen Anforderungen und ermitteln den Bedarf, damit die Mobilitätskonzepte wirtschaftlich und nachhaltig sind.

Und wie sieht es mit der Elektromobilität aus? Die stieg ja 2020 trotz Covid-19 massiv an?

Wir verzeichnen wie erwähnt eine erhöhte Nachfrage. Die Treiber hierfür sind vielfältig: Natürlich haben die aktuellen bundesweiten Förderprogramme und auch der damit verbundene geringere geldwerte Vorteil für den Nutzer einen Anteil daran. Doch es gibt deutlich mehr Faktoren: Der Ausbau der Ladeinfrastruktur, die erhöhte Modellvielfalt und die Tatsache, dass das Thema Nachhaltigkeit tiefer im Bewusstsein der Kunden verankert ist. Nachhaltigkeit wird somit immer mehr zum Erfolgsfaktor, auch weil Investoren vermehrt Wert hierauf legen. Die Erwartungen der eigenen Mitarbeiter steigen ebenfalls. Der Umstieg auf Elektromobilität ist dabei ein wichtiger Schritt.

Also verändern sich die Kundenbedürfnisse?

Ich würde nicht sagen, dass sie sich grundsätzlich verändert haben. Es hat vielmehr eine Erweiterung der Bedürfnisse und Anforderungen stattgefunden. Die Effizienz und Wirtschaftlichkeit von Lösungen haben schon immer eine große Rolle gespielt, der vermehrte Wunsch nach der Verringerung der CO2-Emission kam nun noch hinzu – und das in vielen Märkten. Ich war in den vergangenen zwei Jahren bei Alphabet UK Ltd. in Großbritannien tätig, und auch hier war unter anderem die Fridays-for-Future-Bewegung stark zu spüren.

Inwiefern?

Auch die junge Generation achtet immer stärker darauf, ob die Mobilität in ihr nachhaltiges Lebenskonzept passt. Es wird häufig nicht mehr nach dem größtmöglichen Dienstwagen mit den meisten PS gefragt, sondern auf den sogenannten Ecological Footprint geachtet. Der Wunsch nach Elektromobilität und der Möglichkeit zum Home Charging ist bei vielen groß. Denn der nachhaltigere Lebensstil soll natürlich auch in der Mobilität Ausdruck finden.

Welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung?

Die Digitalisierung ist für uns eines der Fokusthemen. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, immer mehr relevante Prozesse digital abzubilden. Unser Ziel ist es, die Anforderungen sowohl der Kunden als auch der Dienstwagennutzer miteinander in Einklang zu bringen. Außerdem ist es essenziell, dass die Lösungen individualisierbar sind und sich einfach in die Prozesse des jeweiligen Unternehmens integrieren lassen. Ein Beispiel ist unsere AlphaGuide App. Dabei handelt es sich um eine innovative Fahrer-App, die die verschiedensten Selfservice-Funktionen bündelt. Erst vor Kurzem haben wir ein Redesign durchgeführt und ihre Funktionen verbessert. Mithilfe der App lassen sich beispielsweise Schadenmeldungen oder die Servicepartnersuche digital abbilden. Außerdem treiben wir die Integration von weiteren Services voran. Dank der Digitalisierung der Servicekarte sparen wir beispielsweise die Produktion von 50.000 Plastikkarten jährlich.

Um all diese Funktionen bestmöglich umsetzen zu können, braucht es aber auch ein funktionierendes Backend. Können Sie das sicherstellen?

Das Backend ist auf die neuesten technologischen Anforderungen ausgerichtet und eine Skalierbarkeit für die Zukunft ist gewährleistet. Bei der Entwicklung profitieren wir natürlich von der Nähe zu einem Premium-Automobilhersteller, der auch in diesen Bereichen sehr gut aufgestellt ist. Unser Ziel ist es, eine End-to-End-Kommunikation zu ermöglichen und die einzelnen Schritte so intuitiv wie möglich abzubilden. Im Endeffekt ist es so: Umso einfacher wir die Interaktion mit dem Fahrzeugnutzer gestalten, umso stärker entlasten wir auch den Fuhrparkverantwortlichen. Der Zuspruch ist groß, seit Anfang 2019 hatten wir über 48.000 Downloads der App.

Können Sie uns hier einen Wert geben, der einen Kosten- oder Zeitvorteil für Ihre Kunden und Dienstwagennutzer beschreibt?

Eine einzige Zahl zu nennen, wäre zu vage, denn es kommt immer auf die unterschiedlichen Prozesse an. Ein anschauliches Beispiel ist das Thema Schadenmeldung: Bisher musste ein Dienstwagennutzer bei einem meldepflichtigen Schaden ein Formular ausdrucken, ausfüllen, scannen oder versenden. Alternativ war die Meldung per Hotline möglich – insgesamt ein Prozess, der zwischen fünf und zehn Minuten in Anspruch genommen hat. Mittels der App ist die Meldung innerhalb von ein bis zwei Minuten abbildbar.

Welche neuen Funktionen sind hier zukünftig noch zu erwarten?

Wie erwähnt arbeiten wir kontinuierlich daran, weitere Funktionen zu integrieren. Seit wenigen Wochen ist auch die Führerscheinkontrolle über die App verfügbar. Als nächstes stehen Themen wie Smart Fueling an, sodass kontaktloses Tanken und Abrechnen möglich wird. Außerdem haben wir gerade erst einen eigenen Skill für Amazon Alexa entwickelt, sodass Fahrer auch per Sprachsteuerung auf Funktionen wie die Servicepartnersuche zugreifen können.

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Seite 54 bis 56 | Rubrik mobilität