Flotte: „Wer steht, lädt!“

Im Interview äußert sich Carsten Classen, Innovation- & Productmanagement E-Mobility bei Athlon Germany, zum Thema Elektrifizierung bei Flotten und wie wichtig dabei das Thema Ladetechnik ist. Von Gregor Soller

 Bild: MediaPortal Daimler AG
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Gregor Soller

Carsten Classen gehört zu den „alten Hasen“ im Bereich der E-Mobilität. Mittlerweile ist er seit über einem Jahrzehnt bei Athlon beschäftigt und begleitet dort das Thema. Bei Athlon verantwortet er unter anderem auch die Ladetechnik und gab uns in dem Zusammenhang spannende Einblicke ins Flottenmanagement. Dabei gilt es seiner Meinung nach einige Grundsätze zu beachten, um den Umstieg zu vereinfachen und monetär erfolgreich zu machen. Ladetechnik wird schließlich immer wichtiger, weshalb Athlon diese in den Full-Service mit einbindet.

Wie wichtig ist die Ladetechnik bei Athlon? Nutzen die Kund:innen bei der Umstellung ihrer Flotten hier auch die Angebote seitens Athlon oder organisieren diese das lieber extern?

Classen:Die Angebote werden sehr gut angenommen, zumal gerade im Mittelstand viele Mobilitätsmanager:innen das nicht als Fulltime-Job machen. Meist läuft das sehr ähnlich ab: Man denkt auf Geschäftsführungsebene über ein Elektrofahrzeug und entsprechende Lademöglichkeiten nach und entdeckt dabei, dass man in dem Zug weitere Fahrzeuge umstellen kann. In dem Zusammenhang sind die Dimensionierung der Ladepunkte und dann die Anschlussleistung oft ein großes Thema. Womit wir bei einem stärkeren Netzanschluss oder dem Thema Lastmanagement sind.

Was die Elektromobilität dann doch wieder teuer macht. Nehmen die Kund:innen denn das Geld auch in die Hand?

Ja, denn es kommen immer mehr und bessere Fahrzeuge auf den Markt und damit ist perspektivisch der Grund für einen Umbau oder eine Erweiterung gegeben, zumal man damit ja eine langfristige Investition tätigt. Das macht man dann auch nicht „mal eben“, sondern hier bilden die Kund:innen oftArbeitsgruppen, die neben der Fuhrparkleitung auch die Hauselektrik, das Controlling und viele weitere Bereiche einbinden. Wichtig ist dabei eine gründliche Fuhrparkanalyse.

Welche Dienstleistungen und Services werden am meisten nachgefragt? Kann man das nach Flottengröße und -art oder nach Einsatz und Region differenzieren?

Grundsätzlich ist unser Angebot modular aufgebaut und bei der Elektromobilität will im Betrieb niemand Kompromisse eingehen: Reparatur und Wartung, Versicherungen, Fahrzeugwäsche, all das unterscheidet sich nicht. Anders ist es bei der Ladetechnik, wo wir mit Partnern wie NewMotion und Juice Technology zusammenarbeiten, um auch hier Full-Service bieten zu können. Noch wichtiger sind meiner Meinung nach aber unsere Analysetools für die Flotten, um das Elektrifizierungspotenzial genau bestimmen zu können. Da kommt es oft zu „Aha-Effekten“.

Welcher Art?

Wir haben hier zwei Ebenen: Einerseits unsere Analyse, mit der wir den Fuhrpark der Kund:innen in seine Anwendungsbereiche bzw. Einsatz- und Ladeprofile segmentieren. Da wird beispielsweise ersichtlich, dass die Fahrzeuge von der Teamleitung oder im Lieferdienst, die meist im Nahverkehr laufen, durchaus auf reine Elektromodelle umgestellt werden können. Außerdem bieten wir noch unseren TCO-Simulator an, wo man genau vergleichen kann, wann sich welche Motorisierung lohnt.

Lohnt sich dann der Umstieg auf die Elektromobilität? Denn das Laden ist vielerorts ja nicht gerade billig.

Das muss von Fall zu Fall entschieden werden. Wichtig ist dabei unserer Meinung nach die sogenannte 80/20-Regel, nach der man idealerweise achtzig Prozent zu Hause oder am Firmenstandort lädt und maximal zu zwanzig Prozent öffentlich. Wichtig ist natürlich auch ein dichtes öffentliches Ladenetz. Mit unserem Partner können wir eine ordentliche Ladedichte zu fairen Konditionenanbieten. Unsere Kund:innen profitieren zudem von einer reibungslosen, transparenten Abrechnung.

Dann kann man davon ausgehen, dass die „All-in-Pakete“, bei denen Athlon sich um „alles“ bis zu Abrechnung kümmert, gut angenommen werden?

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Wie Digitalisierung Kooperationen in der Paketlogistik stärkt

Das werden sie und auch hier bleibt festzustellen, dass wir mit unseren Partnern den Angebots- und Installationsprozess einfach gestaltet haben. Um es den Kund:innen dann auch im laufenden Betrieb so einfach wie möglich zu machen, empfehlen wir den Einsatz einer vernetzten Ladeinfrastruktur, welche die gewerblichen Ladevorgänge auswertbar macht. Außerdem lässt sich hierdurch am Wohnort der Nutzer:innen eine automatisierte Abrechnung zwischen Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden darstellen. Wichtig ist aber immer wieder eine exakte Analyse des Fuhrparks, eine intelligente Ladelösung und dass ein paar Grundsätze beachtet werden. Das ist neben der 80/20-Empfehlung auch die alte Regel „Wer steht, lädt“, was vor allem bei den Plug-ins beherzigt werden sollte. Interessant ist auch das Thema „Privatwagen in der Firma laden“. Auch das kann berücksichtigt werden und die Motivation der Mitarbeitenden erhöhen, muss aber entsprechend intelligent dargestellt werden können.

Intelligentes Laden ist gesetzt, wie entwickelt sich aus Ihrer Sicht das Thema Schnellladen?

Das wird in bestimmten Anwendungsbereichen immer wichtiger und hier bieten wir auch Zugang über unsere Partner. Was die Nutzung von Fahrzeugen auf Langstrecke angeht, gibt es von Segment zu Segment Unterschiede; aber auch rein elektrische Fahrzeuge werden immer langstreckentauglicher. Wichtig ist hier nicht nur die Akkukapazität, sondern auch die Ladefähigkeit; und wenn man hier mit 100 kW und mehr nachladen kann, dauert so ein Ladestopp nicht länger als 30 Minuten. Und das kommt unserer Beobachtung nach jetzt mehr und mehr.

Welche Trends beobachten Sie für 2021?

Die Elektrifizierung der Flotten wird auf hohem Niveau weitergehen. Mit zum Wachstum beitragen werden auch viele neue Fahrzeugmodelle, die wegen der vergleichsweise langen Lieferzeiten bereits 2020 bestellt, aber jetzt erst ausgeliefert werden. Dazu kommen die anhaltenden Förderungen für Fahrzeuge und die Ladeinfrastruktur, die auch 2021 für ein weiteres Wachstum sorgen werden!

Auf den Punkt

Es ist … ein umfassendes Umstiegsangebot für Flotten.

Schön, dass … dieses immer besser angenommen wird.

Schade, dass … so ein Umstieg auf E-Mobilität immer noch durchdacht und durchkalkuliert werden will.

Was haben Flotten davon? Im Fall von Athlon einen All-in-Serviceprovider bis hin zur Ladetechnik.

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Seite 54 bis 55 | Rubrik mobilität