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Der Durchbruch!

Der Hyundai Nexo könnte den Durchbruch der Brennstoffzelle im Automobil bedeuten. (Von Gregor Soller)

 Bild: G. Soller
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Gregor Soller

Der Hyundai-Konzern wächst mit seinen Ansprüchen: Ein typisches Beispiel dafür ist die Elektrifizierungsstrategie, die jetzt alle Spielarten umfasst: Hybride, Plug-in-Hybride, batterieelektrische und eben auch Brennstoffzellenfahrzeuge. Bei Letzteren wollte man mit dem Nexo neue Maßstäbe setzen: Erstmals gelang es, die Wasserstofftanks so ins Package einzubinden, dass man einen variablen Innenraum hat.

Der Nexo hat einen eigenen Anspruch

Hyundai platzierte sein Brennstoffzellen-SUV größenseitig exakt zwischen Tucson und Santa Fe und tritt damit gegen die mittelgroßen (aber stärkeren) Premium-SUV wie Audi Q5, BMW X3 oder Mercedes-Benz GLC an. Letztere wäre auch mit Brennstoffzelle zu leasen.

Innen spielt Hyundai ein bisschen mit dem edlen US-Style der sechziger Jahre, den gerade auch Lincoln wieder für sich entdeckt hat, heißt: pastelliges Blau mit silbernen Einlegern, während eine schwebende, brettähnliche Mittelkonsole für Flugzeugatmosphäre sorgt. Auch hier gelang den Koreanern etwas Eigenständiges, dem Anspruch Entsprechendes. Dazu passen auch die versenkbaren Türgriffe, die der Aerodynamik dienen, wie auch die durchströmten D-Säulen. Ein weitgehend komplettes (aber nicht komplett aufpreisfreies) Arsenal an Sicherheitssystemen ermöglicht „teilautonome“ Fahrten, bei denen man eigentlich nur hin und wieder am Lenkrad zupfen muss, um die Spur zu korrigieren. Und somit dem Nexo mitteilt, dass man noch lebt. Fein sind auch die gegen Aufpreis mitlieferbaren Weitwinkelkameras in den Außenspiegeln, deren Aufnahmen bei einem geplanten Spurwechsel in den Instrumenten angezeigt werden und damit praktisch den toten Winkel eliminieren. Schade nur, dass die Kameras bei Schmuddelwetter ziemlich verschmutzen und man dann besser selbst nochmal über die Schulter schaut – was man ohnehin immer tun sollte. Dafür kann man sich das Einparken in enge Lücken sparen und vorher aussteigen: Mit aktiviertem Parkassistenten zirkelt der Nexo per Knopfdruck auf den Schlüssel selbstständig auch in enge Parkbuchten.

Innenraummenü aus Mais, Soja und Zuckerrohr

Und weil Hyundai schon so ökologisch und futuristisch plant, fertigt man einige Materialien des Innenraums mit recycelbaren Materialien aus Mais, Soja und Zuckerrohr und verarbeitet das Ganze ordentlich und knarzfrei. Der Anspruch: Der Kunde ist Avantgardist und leistet sich ein mittelgroßes SUV mit Brennstoffzelle, für das er auch eine Klasse höher ordern könnte. Die immer noch seltene Technik? Völlig unspektakulär. Einschalten, D-Taste drücken und der Nexo surrt los. Nur bei starkem Beschleunigen „säuseln“ die Stacks etwas unter der Haube, sonst gleitet man lautlos dahin und hat immer Verbrenner-Reichweite. Ein Unterschied ist das Abschalten: Dann bläst der Nexo sich von Kondenswasser frei, das direkt unter ihm zu Boden tröpfelt.

Das Fahren? 
Absolut entspannend

Die 163 PS und 395 Nm Drehmoment reichen für zügiges Mitschwimmen, was auch für die knapp 180 km/h Topspeed gilt, wenngleich der e-Kona mit großem Akku und ebenfalls üppiger Reichweite hier noch kräftiger antritt. Dass der Nexo ein SUV ist, kann er auf Langstrecken dann aber nicht verleugnen: Oberhalb von 120 km/h sinkt die Reichweite merklich – was in dieser Klasse aber auch für Batterieelektriker und Verbrenner gilt. Und weil dem Nexo darüber auch ein bisschen das Temperament ausgeht, „erzieht“ er einen eher zum gelassenen Gleiten, das durch die dreistufige Rekuperation per Schaltwippen am Lenkrad unterstützt wird. Das Tanken klappt exakt wie mit Erdgas: Zapfpistole setzen, einrasten und auf den Knopf drücken – nach rund fünf Minuten sind in der Regel gut sechs Kilogramm Wasserstoff an Bord, sofern die Tankstellen funktionieren – was aktuell noch schwer zu wünschen übrig lässt, doch da kann der Nexo nichts dafür. Auch nicht für den noch hohen Preis, der ihm mit dem Leasing die Kostenbilanz etwas verhagelt. Dafür entsteht H2 in Deutschland laut Sybille Riepe, Communication Manager von H2 Mobility, ausschließlich aus Wasser- oder Windkraft, sonst würde das ganze Projekt keinen Sinn machen.

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Mobilität bedeutet Flexibilität und Individualität

Und da wir gerade etwas meckern: Auf der breiten Kunststoffkonsole sollte man keine Hand ablegen, da man leicht mal auf einen Taster kommt, und: Achtung beim mittigen Durchladen sperriger Gegenstände. Außerdem pfeift der Wind schon ab 100 km/h vernehmlich um die A-Säulen, was umso mehr auffällt, als die sonstigen Fahrgeräusche sehr leise ausfallen. Und: Die 1,9 Tonnen Leergewicht in Vollausstattung unterbieten vergleichbare Batterieelektriker, liegen aber noch über dem, was ein Verbrenner wöge.

Trotzdem: Der Nexo ist ein absolut alltagstaugliches, entspannendes und eigenständiges Auto, mit dem Hyundai glaubhaft demonstriert, dass man mit den Ansprüchen seiner Kunden auf vielen Ebenen mitwächst!

Foto: G. Soller

Connectivity Check Daten/Messwerte Auf den Punkt Verbrauch & Kosten

Typ Hyundai Navi plus Krell-Premiumsound, 12,3-Zoll-Screen mit Schnelleinsprung.

Navigation Eingabe per Touchscreen oder Sprache (wird leider im seltensten Fall verstanden). Klare Ansage und Anzeige, H2-Tankstellen programmiert, aber nicht live (einige existieren bereits nicht mehr), Hyundai Lifetime MapCare (bietet kostenloses Kartenupdate bis zu zehn Jahre nach Produktionsende der Modellreihe).

Smartphone-Verlinkung/Audio/Video 
Wireless Charging in Mittelkonsole, Smartphone-Funktionen über Android Auto und Apple CarPlay, RDS-Radio mit DAB+, mit acht Lautsprechern, zwei USB-Anschlüssen, Lenkradfernbedienung, Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Audiostreaming von Smartphones.

Service und Sicherheit Hyundai „LIVE Services“ werden immer erweitert, sieben Jahre gratis.

Nexo Permanent-Synchron-E-Motor + Brennstoffzelle (440 Zellen), 120 kW (163 PS), max. Drehm.: 395 Nm., Höchstgeschw.:179 km/h, 0-60/80/100 km/h: 4,9/7,7/10,2 s, Zwischenspurt (50-80/80-120 km/h, Kick-down): 2,9/6,9 s, Geräusch 0/50/80/100/120 km/h: 42/53/62/63/69 dB(A)

Maße/Kofferraum/Gewichte 
L x B x H: 4.670x 1.860 (ohne Spiegel) x 1.630 mm, 461-1.461 l, Tank: 6,33 kg bei 700 bar (=156,6 l!), Leergew. Testwagen: 1.925 kg, Zulad.: 415 kg

Er ist … das erste absolut mehrheitsfähige Brennstoffzellenmodell mit CO2-Ausstoß.

Ideal für … Technik-Aficionados.

Schön, dass … das Gesamtpaket so elegant und entspannend funktioniert und H2 in Deutschland NUR mit Wasser oder Wind entsteht.

Schade, dass … das (noch) nicht fürs Tankstellennetz und die Spracheingabe ins Navi gilt.

City (16,4 km) 1,3 kg (0 g CO2) Land (46,2 km) 1,1 kg (0 g CO2) BAB (96,4 km) 1,3 kg (0 g CO2) gesamt (159,0 km) 1,2 kg (0 g CO2) Kosten pro km 0,91 Euro

Die Testrunde umfasst einen City-Abschnitt mit 30 Stopps, ein Landstraßenstück mit 10 Stopps und einen Autobahnabschnitt, der mit 120 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit befahren wird. Testwerte mit 90-Kilogramm-Fahrer und 150 Kilogramm Ballast, Kosten für 36 Monate Laufzeit bei 30.000 km/Jahr.

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Artikel Der Durchbruch!
Seite 22 bis 23 | Rubrik mobilität
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