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Parken wie von Geisterhand

Fahrerloses Parken von Hamburg bis München: Bosch stellt sein System in 15 weiteren Parkhäusern bereit. Schrittweise Einführung in hunderten Anlagen global. Vorteile: berührungs- und bargeldloses Parken, 20 Prozent mehr Fahrzeuge auf gleicher Fläche. (Von Johannes Reichel)

Spart Zeit und Platz: Die Entwickler versprechen bis zu einem Fünftel an Flächenersparnis durch automatisiertes Parken. Von Zeit und Nerven ganz zu schweigen. Bild: AVP
Spart Zeit und Platz: Die Entwickler versprechen bis zu einem Fünftel an Flächenersparnis durch automatisiertes Parken. Von Zeit und Nerven ganz zu schweigen. Bild: AVP
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Redaktion (allg.)

Nachdem das automatisierte Valet Parking im Parkhaus P6 am Stuttgarter Flughafen für den kommerziellen Einsatz freigegeben wurde, gehen Bosch und Apcoa nun in die Breite und installieren die Technologie in 15 weiteren Parkhäusern in Deutschland. Von Hamburg bis München soll der Ausbau des infrastrukturbasierten, automatisierten und fahrerlosen SAE Level-4-Parksystems im Jahr 2023 beginnen. In einem ersten Schritt planen die Partner, bis zu vier Stellplätze pro Parkhaus für das automatisierte Valet Parking bereitzustellen.

„Wir werden die Anzahl dieser Stellplätze entsprechend dem erwarteten Anstieg der Fahrzeuge mit automatisiertem Valet Parking erweitern. Unsere Erfahrung mit Ladestationen für Elektrofahrzeuge zeigt uns, wie wichtig es ist, dass der Ausbau der Infrastruktur mit dieser Technologie Schritt hält“, erklärt Markus Heyn, Mitglied der Bosch-Geschäftsführung und Vorsitzender Unternehmensbereich Mobility Solutions.

Durch das modulare System von Bosch könnte die Zahl der Parkplätze mit der Infrastrukturtechnik in den kommenden Jahren schnell auf bis zu 200 Stellplätze an jedem der 15 Standorte erweitert werden. Der jetzt unterzeichnete Rahmenvertrag ist der erste Schritt zur weltweiten Markteinführung. Ziel sei es, in den kommenden Jahren mehrere hundert Parkhäuser rund um den Globus mit automatisiertem Valet Parking auszustatten.

„Deutschland ist erst der Anfang – wir gehen davon aus, dass wir das automatisierte Parken bald auch in anderen Ländern der Welt schrittweise einführen können, sobald die entsprechenden Gesetze verabschiedet sind“, meint Claudia Barthle, die bei Bosch im Geschäftsbereich Cross-Domain Computing Solutions den weltweiten Software- und Service-Vertrieb leitet und für die Partnerschaft mit Apcoa verantwortlich ist.

Deutschland ist eines der wenigen Länder, die bereits die Level-4-Gesetzgebung verabschiedet haben, die einen Rahmen für Systeme wie das automatische Parken schafft. Andere Länder, wie etwa Frankreich, stehen kurz davor, zu folgen. „Mit der automatisierten Valet-Parking-Lösung können wir unseren Parkkunden ein ganz neues Maß an Komfort bieten. Besonders vorteilhaft ist diese Funktion an Orten, an denen Zeit eine Rolle spielt, wie zum Beispiel an Flughäfen, Konzerthallen, Veranstaltungsorten und Messestandorten. Unser Standort am Stuttgarter Flughafen ist also erst der Anfang“, wirbt auch Frank van der Sant, Mitglied der Geschäftsleitung und Chief Commercial Officer der Apcoa Parking-Gruppe. In Kürze werde das automatisierte Valet Parking in ausgewählten Parkhäusern in Städten wie Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt und München verfügbar sein. Weitere Parkhäuser in Europa sollen folgen.

Zusammenspiel von Infrastruktur und Fahrzeug

Nach der Vorstellung der beiden Partner soll die Zeit vorbei sein, die man mit zeitaufwendiger Parkplatzsuche, lästigem Rangieren und der Gefahr von Beulen und Kratzern verbrachte. Der Fahrer stellt sein Fahrzeug in einer Übergabezone in der Nähe der Einfahrt eines Parkhauses ab und startet über eine App den hochautomatisierten und fahrerlosen Parkservice, so das Ideal. Basis dafür sind Bosch-Stereokameras, die nicht nur freie Parkplätze identifizieren, sondern auch die Fahrgasse und deren Umgebung überwachen und Hindernisse oder Personen in der Gasse zuverlässig erkennen. Wird ein unerwartetes Hindernis erkannt, bremst das Fahrzeug ab und kommt sicher zum Stehen. Erst wenn der Weg frei ist, setzt es seinen Weg fort.

Dazu werden alle von den Kameras erzeugten Daten in die Bordrechner eingespeist. Intelligente Algorithmen übermitteln das auszuführende Fahrmanöver und ermöglichen so das fahrerlose Einparken – auch bei der Fahrt zwischen den Stockwerken auf engen Rampen. Das Besondere an dieser Lösung ist, dass die im Parkhaus installierte intelligente Technik die technischen Anforderungen im Fahrzeug auf ein Minimum reduziert, sodass sich der automatisierte und fahrerlose Parkservice bald für alle Fahrzeugklassen eignen soll, wirbt der Hersteller.

Dank der Flow-Plattform werde der Service nicht nur fahrerlos, sondern auch ticketlos und bargeldlos funktionieren. Autofahrer können bereits die gleichnamige App nutzen, um sich das Parken zu erleichtern. Das reicht von der festen Reservierung eines Parkplatzes über die berührungslose Einfahrt ins Parkhaus – jetzt bequem per Kennzeichenerkennung – bis hin zur vollautomatischen Bezahlung, Abrechnung und kontaktlosen Ausfahrt. Das System erkennt das Fahrzeug oder das Kennzeichen des Kunden, die Schranken öffnen sich automatisch und machen damit ein Ticket und den nervigen Gang zum Automaten überflüssig.

Der Anbieter verwaltet rund 1,8 Millionen Einzelparkplätze an über 12.000 Standorten in 13 europäischen Ländern. Durch die zunehmende Verfügbarkeit von fahrerlosen und hochautomatisierten Valet-Parking-Diensten könnten in Zukunft bis zu 20 Prozent mehr Fahrzeuge auf derselben Fläche untergebracht werden, so das Versprechen. Darüber hinaus eignet sich das fahrerlose Parken besonders für enge, abgelegene und damit unattraktive Parkflächen.

Das automatisierte Valet Parking hat sich laut dem Zulieferer sprunghaft entwickelt. Mitte 2017 stellten Bosch und Mercedes-Benz die Lösung im Rahmen eines Pilotprojekts im Parkhaus des Mercedes-Benz-Museums in Stuttgart der Öffentlichkeit vor. Zwei Jahre später erhielten die Partner die weltweit erste Sondergenehmigung für den Betrieb des automatisierten Parkens mit ausgewählten Fahrzeugen ohne Sicherheitsfahrer unter den realen Verkehrsbedingungen in Parkhäusern. Ende 2020 folgte der nächste Meilenstein: Bosch, Mercedes-Benz und Apcoa stellten den hochautomatisierten und fahrerlosen Parkservice am Stuttgarter Flughafen zur Verfügung und arbeiteten dort an der ersten kommerziellen Nutzung des Level-4-Systems.

Das weltweit erste hochautomatisierte Parksystem Level 4

Mit dem automatisierten Valet Parking im Parkhaus P6 am Stuttgarter Flughafen hat kürzlich die weltweit erste hochautomatisierte fahrerlose Parkfunktion (SAE Level 4) die offizielle Zulassung für die kommerzielle Nutzung in Deutschland erhalten – eine Weltneuheit für die kommerzielle Nutzung dieses fahrerlosen Parksystems. Diese Funktion ist in Deutschland zunächst im Parkhaus P6 des Flughafens Stuttgart für bestimmte Varianten des EQS und der S-Klasse mit dem sogenannten Intelligent Park Pilot verfügbar. Noch ist das also ziemlich elitär. Aber das muss ja nicht so bleiben.

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Artikel Parken wie von Geisterhand
Seite 67 bis 0 | Rubrik konnektivität
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