VW "CES"-Update in Wolfsburg - Ein Rückblick

VW lud in die Autostadt Wolfburg ein, um statt Autos Konnektivitätslösungen zu präsentieren. Das „CES“-Update vor Ort brachte interessante Hintergründe und Diskussionen zu Tage.

In einer Modellstadt demonstriert VW die einzelnen Services.
In einer Modellstadt demonstriert VW die einzelnen Services.
Gregor Soller
Konnektivität

Okay Buddy, ich habe Hunger! „Okay, habe verstanden, suche ein Re-staurant.“ Und dann findet „Buddy“ binnen Sekunden eine Burgerbude oder ein Steakhouse, weil dein bester Kumpel natürlich weiß, dass du auf Herzhaftes stehst. Alternativ kann er dir auch vegane Restaurants oder den besten Sushiladen suchen und dich direkt dorthin navigieren. Und wenn du ihn fragst, warum er dir jetzt ausgerechnet diese oder jene Lokation ausgesucht hat, kann er das als dein Buddy natürlich begründen: „Weil es dort das beste Sushi gibt“ oder einfach „weil es am schnellsten zu erreichen ist“. Wenn einem eher nach weiblichem Zuspruch ist, spricht man vielleicht lieber mit „Alexa“, die einem auch im Alltag hilft und zum Beispiel neue Scheibenwischerblätter für das Auto bestellt.

Doch Buddy ist in dem Fall ein schnöder VW Tiguan und Alexa der mittlerweile zu Amazon gehörende Onlinedienst, der auf Sprache reagiert und so eine erste Ausbaustufe künstlicher Intelligenz darstellt. So oder so ähnlich stellt sich VW die unmittelbare Zukunft vor und möchte seine Autos künftig von reinen Transportobjekten gerne zu „best Buddies“ machen respektive diese mit Amazons Sprachsoftware „Alexa“ koppeln. So oder so sollten beide unverzüglich untertänigst auf Sprechbefehle reagieren. Denn laut VW Car-Net-Geschäftsführer Marcus Heitmann steht künftig nicht mehr das Auto, sondern der Kunde im Fokus der VW-Aktivitäten: „In Zukunft werden 90 Prozent der Innovationen in der Elektronik und Elektrotechnik stattfinden“, prognostiziert er.

Diese Unmenge an Infos (siehe Zahlenkasten rechts) kann und möchte Volkswagen allein nicht verwalten, weshalb man sich mit Partnern zusammentut. Zum Beispiel Mobileye für optische Sensoren oder Symotive, um die Sicherheit der Daten zu gewährleisten. So plant Volkswagen laut Heitmann „den Wandel vom Hardware-Hersteller zum Dienstleister und Mobilitätsanbieter“.

Wie das heute und in naher Zukunft aussieht, demonstrierte man jetzt in der „Autostadt Wolfsburg“, deren Name in dem Zusammenhang auf einmal seltsam anachronistisch klingt. Denn diesmal geht es praktisch ausschließlich um das Smartphone und die damit korrespondierende Bedienoberfläche bei VW. Denn das Smartphone wird künftig die eigene Identität sein. Und mit dem legt man sich erst mal ein Fahrzeugprofil an, womit einen jeder VW weltweit erkennt und natürlich auch persönlich begrüßt. Dann liegen auf dem Zentralscreen in der Mitte immer die Einstellungen, die man vorgewählt hat (das können Fahrzeuginfos, das Navifenster und/oder ein schönes Bild sein). Außerdem versucht die Klimaanlage sofort, die vorkonfigurierte Idealtemperatur herbeizukühlen und der elektrisch verstellbare Sitz rückt in Position – egal, in welchem Auto man sitzt und wo auf der Welt man es besteigt.

Entriegelt wird das Auto natürlich per Smartphone, mit dem sich auch andere für eine begrenzte oder unbegrenzte Zeit Zugang zu dem Buddy verschaffen können. Und natürlich kommuniziert Buddy auch mit dem smarten Zuhause, checkt, ob alle Fenster geschlossen sind oder schaltet schon mal den Backofen an, damit der Kuchen im Rohr fertig gebacken ist, bis man daheim ist.

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Wallboxen machen das Zuhause fit für die Zukunft

Aktuell bietet Car-Net die drei Bausteine „Guide und inform“, „Security und Service“ sowie „App-Connect“ an, deren Backend permanent weiter optimiert und programmiert wird. Auch hier stehen Partner wie beispielsweise Tomtom live für die Verkehrsinfos dahinter. Womit VW natürlich vor der Problematik steht, eben diese „soften“ Inhalte und deren absolute Aktualität und deren absolutes Funktionieren nicht komplett in der Hand zu haben.

Nach der Sicherheit der Daten gefragt, muss Sebastian Schiebe, VW Pressesprecher für Technologie und Kommunikation, einräumen, dass diese nicht existieren kann. Deshalb soll eine maximal schwer zu knackende Firewall die Datensicherheit gewährleisten. Volkswagenspezifische Daten müssen in einem komplett eigenen System erstellt und hinterlegt werden.

Sobald aber Buddy nach dem nächsten Restaurant gefragt wird, läuft dessen Anfrage natürlich über Google, und falls das Auto eine eigene Simkarte hat, stammt diese für die europäischen VW-Modelle von Vodafone. Damit bildet man aktuell beispielsweise die Online-Vernetzung oder den zehn Jahre funktionierenden Pannennotruf ab.

Wie toll diese Personalisierung heute schon sein kann, demonstriert Ricardo Garcia, der bei VW für die Integration der I-Phone-Welt ins Auto zuständig ist und in Mexico geboren wurde. Er pendelt zwischen der deutschen und mexikanischen VW-Welt hin und her. Auch privat, denn seine Freundin ist Deutsche. Seine I-Phoneinhalte sind alle spanisch und je nachdem, wer gerade mit dem Auto fährt, begrüßt einen das jetzt eben auf spanisch oder deutsch. „Man fühlt sich da einfach ein Stück zu Hause“, freut sich Garcia, der seine Freundin immer damit tröstet, dass das restliche VW-Infotainment ja weiterhin deutsch eingestellt sei. Womit das Paar schon einen Teil der digital personalisierten Zukunft lebt, der natürlich auch in die Technik hineinspielt.

Doch die wird künftig erheblich mehr Updates als einst erfordern, wie Schiebe erklärt: Wichtig ist der Lifecycle eines Autos, über den man das Fahrzeug respektive dessen Software immer wieder upgraden können muss. Entsprechend wichtig ist es auch, die digitalen Plattformen künftig kompatibel auszulegen. Zu den Software-Updates werden „Upgrades“ kommen, die man sich bedarfsweise dazubuchen kann: Als Beispiele nennt Schiebe ein Navigationssystem, das man sich nur stundenweise für Fahrten in fremde Städte dazubucht oder bedarfsweise mehr Motorleistung, falls man mal einen Anhänger durch die Alpen ziehen möchte. Derartige „Pakete“ könnten auch künftige Ausstattungsvarianten ausmachen. Allerdings, ergänzt Schiebe, hat auch das Grenzen: „Schon bei einer Standheizung wird es schwierig: Denn wenn ich hardwareseitig jedes Auto komplett ausstatte mit Features, die nur selten oder nie genutzt werden, würde das jeden preislichen Rahmen sprengen.“

Etwas anders dürfte das beim autonom fahrenden Sedric werden, hinter dem ein anderes Bezahlmodell steht. Der bräuchte das „komplette Besteck“, das sich dann über die Nutzungsdauer amortisieren wird. Womit der gondelähnliche Elektriker klar in den B-to-B-Bereich fährt, während die konkret geplante I.D.-Familie eher im
B-to-C-Bereich „stromern“ wird.

Vereint werden beide Systeme durch die Software dahinter und die Idee „pay as you drive“. Gleiches gilt für die dienstbaren virtuellen Freunde Buddy oder Alexa, die man sich beide per Smartphone konfiguriert und erschafft – sofern man mit der Datenmenge, die man dafür preisgeben muss, leben kann. Denn diese dürfte letztlich der Kern des „new business“ werden, um das nicht nur die Autohersteller, sondern auch Softwarekonzerne und Mobilfunkanbieter rangeln. Genug für heute, das Steak war gut: „Okay Buddy, ich möchte nach Hause!“ Und prompt erscheint die Heimatadresse im Tiguan-Navi.

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Seite 54 bis 56 | Rubrik Konnektivität