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Per App sollte man schnell und unkompliziert Ladepunkte finden – 
samt Zusatzinfos wie Ladekosten und eventuellen Störungen. Doch dem großen Angebot stehen große Unterschiede gegenüber. Von Robin Lang/Gregor Soller

 Bild: G. Soller
Bild: G. Soller
Gregor Soller

Wir haben die Corona-Zeit genutzt, um eine große App-Recherche zu starten. Dazu haben wir die wichtigsten Apps zum Laden von elektrifizierten Fahrzeugen heruntergeladen und verglichen. Und mussten feststellen: Die Größe des Angebotes entspricht der Größe der qualitativen Unterschiede. Grundsätzlich erwarten wir, dass jede App anzeigen kann, wie viele Ladepunkte verfügbar sind, welche Steckertypen es gibt und wie viel das Laden kostet. Und dann wollen wir auch noch zur Ladesäule navigieren. Soweit die Basics.

Je mehr Auswahl, desto besser!

Um eine möglichst breite Auswahl zu treffen, haben wir zu Beginn erstmal alles installiert, was die Fingerkuppen beim Scrollen im Google Play Store zu tippen gefunden haben. Im Idealfall sucht man natürlich Apps, die bevorzugt auch das eigene regionale Ladenetzwerk mit anzeigen, was umso schwieriger wird, je kleiner dieses ist. Als Münchner nutzen wir privat die Ladekarte der Stadtwerke München (SWM) und deshalb ist es wichtig, dass eine App auch heimische Anbieter für Ladesäulen anzeigt. Und nicht nur unterwegs hätten wir dann gern alle Ladepunkte, die es gibt – idealerweise schon mal mit einem Preis und Verfügbarkeit. Doch schon sehr bald mussten wir feststellen, dass nicht jede App alle Ladestationen anzeigt, sondern dass manche Apps nur bestimmte Netzwerke anzeigen. Schon hier muss man sich also vorab individuell für ein Netzwerk entscheiden.

Es wurden erstaunlich viele Störungen angezeigt

Außerdem erstaunlich – und bedenklich: Manche Apps zeigten uns bei vielen Ladesäulen Störmeldungen an, wie zum Beispiel „einzelner Typ 2-Stecker kaputt“ oder „Standort derzeit gesperrt wegen COVID-19“ und so weiter. Danke dafür, denn eine sonst top programmierte App mit der man die perfekte freie und günstige Ladesäule findet nützt nichts, wenn man nach seiner Ankunft eben dort feststellen muss, dass diese defekt ist.

Ein weiterer Punkt, der sich erst nach mehrtägiger Praxis herauskristallisiert hat: Im hektischen Alltag ist eine schnelle und verlässliche Bedienung essenziell, um schnell und smart an sein Ziel zu kommen. Doch der E-Mobility-Lifestyle ist ja nicht immer urban und schnell – manchmal möchte man sein Auto zu einem günstigen Preis aufladen und dabei mit seinen Liebsten ein Eis essen oder den Wocheneinkauf erledigen. Dann ist es äußerst hilfreich, umfangreiche Filterfunktionen zu haben, gerade in fremden Städten. Fast immer wird der Zustand der Station angezeigt, welche Stecker verfügbar sind und ob diese funktionieren – und welche Ladeleistungen verfügbar sind.

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Unterschiedliche Schwerpunkte bei der Programmierung

Bei Chargemap kann man sich darüber hinaus beispielsweise auch über Freizeitaktivitäten in der Nähe erkundigen. Interessant ist auch die unterschiedliche Gewichtung einzelner Punkte: So bietet zum Beispiel Mobility+ die schönste Bedienung und eine Fahrstil-Analyse. Ebenfalls fein: es gibt keine Werbung, aber dafür auch keine Störmeldungen und das Ganze ist nur für Deutschland verfügbar. Genau umgekehrt ist es bei Stromtankstellen: Hier wird Werbung geschaltet und das Design wirkt wenig ansprechend, dafür gibt es eine Anzeige für ganz Europa samt sehr ausführlicher Störungsmeldungen. Auch das Next plug-Design könnte netter gemacht und werbefrei sein, dafür findet man dort europaweit eine genaue Beschreibung der Lage samt Google-Streetview und Störmeldungen. Enttäuscht hat uns eCharge: Die App zeigte zeitweise innerhalb des Mittleren Rings in München keine einzige Ladestation an, obwohl es da etliche gibt. Professionell dagegen Plugsurfing: Die App reagiert sehr schnell und ist generell sehr verständlich programmiert und zeigt keine Google-Bilder, sondern Fotos von Nutzern. Sie beschränkt sich aber auf das Plugsurfing-Angebot und zeigt keine Störmeldungen an. Ähnlich bei Shell Recharge: Auch hier hat man alle Grundfunktionen samt Kostenrechnung, aber leider keine Störmeldungen. In Summe das unserer Meinung nach beste Paket programmiert hat AirElectric: Die App lässt sich gut bedienen, zeigt weltweit sämtliche Säulen samt Störmeldungen an, hat einen sehr guten Kostenrechner und unterstützt mit Google-Bildern. Der einzige Nachteil ist, dass Performance-Einbrüche auftreten können, wenn man sehr stark herauszoomt.

Es kommt natürlich immer darauf an, für was für ein Netzwerk man sich entscheidet respektive welche Ladekarte man besitzt, um die passende App zu finden. Doch in unserem Test, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, hat uns die AirElectric-App überzeugt: Sie punktet mit dem größten Informationswert, ist fein gestaltet und frei von Werbung.

Auf der nächsten Doppelseite finden Sie eine Übersicht aller von uns getesteten Apps. >>

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Seite 56 bis 59 | Rubrik konnektivität