Fuhrparkcheck am Schreibtisch

Mit dem neuen Geotab EVSA-Tool sollen Fuhrparks selbst 
prüfen können, wo und inwieweit eine Elektrifizierung Sinn macht. 
Von Gregor Soller

 Bild: Artur Aldyrkhanov, Thomas Lefebvre (beide Unsplash)
Bild: Artur Aldyrkhanov, Thomas Lefebvre (beide Unsplash)
Gregor Soller

Der Druck, Fuhrparks zu elektrifizieren und umzustellen, wächst, wenn man den CO2-Fußabdruck nachhaltig reduzieren möchte. Dazu hat Geotab jetzt das Tool „EVSA“ entwickelt, das als Add-in für Benutzer der Geotab-Telematikplattform erhältlich ist. Es wertet die Fahrprofile aus und bietet im Anschluss diverse Analysemöglichkeiten, um alle wichtigen Fragen bei der Einführung von Elektrofahrzeugen in gewerblichen Fuhrparks zu beantworten. Klaus Böckers, Director Central & Eastern Europe bei Geotab, kennt die Praxis: „Die Umstellung einer Flotte auf Elektromobilität ist keine leichte Aufgabe. In einem wachsenden Markt für Elektrofahrzeuge müssen Flottenmanager herausfinden, welche Modelle am besten zu ihren Anforderungen passen. Dabei geht es sowohl um die Reichweite, um lokale Wetter- und Straßenverhältnisse, Änderungen im Fahrverhalten als auch um Budgetfragen.“

Durch die Analyse des Fahrverhaltens identifiziert das EVSA, welche bestehenden Fahrzeuge gewinnbringend durch Elektrofahrzeuge ersetzt werden können. Dabei schlägt die Lösung geeignete Modelle vor, berechnet das Einsparpotenzial und bewertet die mögliche Reduktion des CO2-Ausstoßes. Das EVSA-Tool empfiehlt dabei nur Elektrofahrzeuge, die alle Anforderungen eines Unternehmens erfüllen und finanziell tragfähig sind – so sollen die Unternehmen eine solide Entscheidungsgrundlage für die Elektrifizierung ihrer Flotten erhalten.

Noch wichtiger aber: Das EVSA soll Flottenmanager in die Lage bringen, selbst fundierte Entscheidungen zu treffen, da sie den Return on Investment (ROI) für Elektrofahrzeuge präzise nachweisen können. Dabei werden Emissionen, Gesamtbetriebskosten und viele andere relevante Fahrzeugdaten im täglichen Betrieb erfasst.

 

Das EVSA-Tool bietet sich für Fuhrparkmanager regelrecht an: Theoretisch kann man vom Schreibtisch aus entscheiden, wo und wie die Flotte elektrifiziert werden kann. Potenzielle Kunden müssten Ihnen doch die Türen einrennen?

Böckers: Sie haben Recht – die Stärke von EVSA ist tatsächlich, dass man hier nach dem Motto „One Touch – one Feel“ vorgeht und die bewährten Daten nutzt, deren Umfang und Aussagefähigkeit erweitert wurde. Da wir EVSA jedoch erst am 7. November in Europa erstmals auf den Markt gebracht haben, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch keine konkrete Aussage über Absatzzahlen machen.

Weshalb? Es gibt doch sicher schon erste Praxiserfahrungen?

Dazu ist das System noch zu neu. Es muss erst im Detail auf alle europäischen Märkte übertragen werden. Und hier gibt es von Land zu Land unterschiedliche Verkaufspreise und Förderungen, die sich noch dazu schnell ändern können. Trotzdem: Die Vorgehensweise ist dabei immer die gleiche. Zuerst wird analysiert, ob und wo Elektromobilität überhaupt Sinn macht. Generell muss eine Flotte erst mal ihren Job erledigen, bevor man sie optimieren kann. Erst dann können wir in die Details einsteigen.

Können Sie uns hier einige Beispiele aus den USA oder Kanada nennen, wo das System schon länger eingesetzt wird?

Sicher. Hier haben wir vor allem bei der Last Mile Delivery sehr schnell Umstellquoten von 20 Prozent und mehr erreicht und das trotz der teilweise deutlich größeren Entfernungen. Dies sind allerdings Daten, die sich aus manuellen Erfassungen ergeben, die automatische Erfassung durch das Geotab EVSA Tool ist tatsächlich eine weltweite Neuheit. Prinzipiell beginnen wir hier immer mit einer Analyse vorhandener Fahrdaten und gleichen das dann mit den Fahrzeugen ab, die dafür in Frage kommen. Erst dann können wir die finanziellen Assesments samt theoretischem Einsparpotenzial berücksichtigen. Hier fließen dann auch Daten zur Ladeinfrastruktur samt Ladekosten mit ein. Auch Topographie- und Wetterdaten können wir hier berücksichtigen. Dann können wir eine exakte Aussage treffen, ob und wo sich die Elektrifizierung der Flotte lohnt.

Die Basis dafür ist immer das GO9-Gerät?

Korrekt. EVSA ist ein Add-in, das man im Geotab-Marketplace erhalten kann. Jeder, der die MyGeotab-Plattform nutzt, kann kostenlos EVSA herunterladen und direkt nutzen. Was mir vor allem auf dem deutschen Markt auffällt: Sobald man ein entsprechendes Gerät für Telematiklösungen in den Fahrzeugen verbauen muss, hebt meist eine große Diskussion zum Thema Datenschutz an.

Obwohl ich meine Flotte so effizienter gestalten kann und den Mobilitätsmanager entlaste?

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Obwohl ich das könnte. Unserer Erfahrung nach sind die Niederlande hier viel IoT-affiner und haben deutlich mehr das „Just Do It“-Mindset. Dort nutzen das Tool erwartungsgemäß vor allem Leasinggesellschaften, Carsharing- und Last-Mile-Delivery-Unternehmen. Und gerade Letztere profitieren davon, wenn ich online die Akkustände prüfen und die Tourenplanungen sowie Ladezyklen darauf abstimmen kann – und das alles vom Schreibtisch aus! Entsprechend entwickeln wir auch unsere Schnittstellen weiter und gehen neue Kooperationen ein.

Können Sie hier noch etwas weiter ins Detail gehen?

Nehmen wir die Ladetechnik. Für eine Flotte von zwei oder fünf Autos stellt die kein Problem dar, wohl aber für eine Flotte von 50 Fahrzeugen. Wenn wir hier den jeweiligen Ladestand und die geplanten Touren kennen, können wir die Betreiber der Ladetechnik beim intelligenten Lademanagement unterstützen. Dafür brauchen wir eine offene Schnittstelle und eine Cloud. Der Vorteil für den Kunden liegt dann auf der Hand: Er weiß, dass die Fahrzeuge über unsere Cloud mit der Ladetechnik kommunizieren oder kann über Dispatch Messages konkrete Anweisungen geben.

Der Hauptvorteil aber wäre, dass Sie alles zusammenbringen könnten: Fahrer, Fahrzeuge, Ladetechnik und Tourenplanung?

Exakt das ist unser Ziel, auf das wir mit EVSA nun in großen Schritten hinsteuern. Wie ich bereits gesagt habe: One Touch, one Feel – und das idealerweise vom Schreibtisch aus!

Auf den Punkt

Es ist … ein praktisches Tool zur Elektrifizierung der Flotte.

Schön, dass … es einfach als Add-in konzipiert wurde.

Schade, dass … es bisher noch nicht viele Erfahrungen damit gibt.

Was haben Flotten davon? Eine einfache und günstige Möglichkeit, das Elektrifizierungspotenzial ihres Fuhrparks zu checken.

Auch bei der Hardware rüstet Geotab nach

Das noch junge GO9 von Geotab macht auch äußerlich einen Sprung: Die Entwickler legten großen Wert auf ein kompaktes Gerätedesign. Außerdem soll es seine Funktionsweise eigenständig an sämtliche Fahrzeuge anpassen können. Im Vergleich zu den Vorgängerversionen deckt GO9 eine noch breitere Palette an Fahrzeugen ab inklusive der Elektromodelle. Noch wichtiger war aber die Verbesserung der Software: So soll das GO9 ein genaueres GPS, verbesserte Beschleunigungssensoren und optimierten Support für Fahrzeugdaten bieten.

Auch das „Herzstück“ ist neu, denn Geotab verwendet einen leistungsfähigeren Prozessor. Dazu bietet es eine höhere Codekapazität und mehr Speicherplatz, woraus sich noch mehr Funktionalitäten für Flotten ergeben. So können fortlaufend neue Features, wie beispielsweise Kraftstoffberichte sowie Add-ins für die kommenden Jahre hinzugefügt werden. Das Gyroskop und die erweiterte Beschleunigungssensorik halfen ebenfalls beim Erstellen valider Daten. Mit dem Gyroskop bietet das GO9 zusätzliche Daten zu Ereignissen wie abruptem Bremsen, starkem Beschleunigen und Kollisionen. Das hilft Flottenmanagern vor allem, ungeplante Stillstandzeiten durch unnötigen Verschleiß zu minimieren.

Außerdem unterstützt das GO9 sowohl GPS- als auch Glonass. Da es das neueste GNSS-Modul nutzt, kann es dem Nutzer höchst präzise Positionsdaten liefern. Aber auch die Bereitstellung der Software und Over-the-Air-Updates wurden verbessert: So soll sichergestellt werden, dass die auf dem GO9-Gerät installierte Firmware ab Installationszeitpunkt immer auf dem neuesten Stand ist, was wiederum zur Optimierung der Gerätesicherheit und -effizienz beiträgt.

Zusätzlich ist das Kryptomodul des GO9-Geräts FIPS 140-2 validiert. Diese Validierung ist der Standard für Kryptomodule zum Schutz sensibler Informationen in Computer- und Telekommunikationssystemen für die Verwendung in den USA, Kanada sowie für militärische Zwecke.

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Seite 52 bis 54 | Rubrik konnektivität