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Die Wende kommt!

Ein Besuch von Katharina Schmidt, Head of Consulting bei Arval und 
Sprecherin des Arval Mobility Observatory (AMO) Fuhrpark-Barometers, bestätigt: 
Die Mobilitätswende ist bei den Fuhrparks jetzt in vollem Gang. (von Gregor Soller)

Dieselgate und WLTP-Zyklus haben die Umstellung auf alternative Antriebe massiv beschleunigt. Bild: Volvo
Dieselgate und WLTP-Zyklus haben die Umstellung auf alternative Antriebe massiv beschleunigt. Bild: Volvo
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Gregor Soller

Alle Jahre wieder besucht Katharina Schmidt die VISION-mobility-Redaktion, um ihr Fuhrpark-Barometer zu diskutieren. Und das sah Deutschland in Sachen Mobilitätswende Stand Anfang 2018 eher schwach aufgestellt. Ganz anders dieses Jahr: Eine sprudelnde Frau Schmidt sieht große Fortschritte in Sachen alternativer Mobilität, die sich künftig nicht mehr nur auf Pkw erstrecken könnte. Aus den neuen 2019er-Daten könne man einen geradezu drastischen Sinneswandel unter Fuhrparkmanagern wahrnehmen, was alternative Antriebe und Mobilitätsformen angeht. Womit man auch im Fuhrpark-Barometer erstmals vom reinen Pkw-Einsatz abweicht und auch Sharing- oder Mietmodelle Eingang finden.

Die Treiber hat Schmidt gleich ausgemacht: Das ist zum einen die 0,5-Prozent-Regel der Dienstwagenbesteuerung, die die Stromer und Plug-in-Hybride für die Nutzer deutlich bezahlbarer macht. Dazu kommt das größere Fahrzeugangebot, das künftig noch üppiger ausfallen wird, und die merklich verbesserte Ladeinfrastruktur. Mittlerweile haben deshalb viele deutsche Unternehmen Antriebsarten wie Elektro, Hybrid oder Plug-in-Hybrid auf der Liste: Während noch vor zwei Jahren lediglich 15 Prozent der Befragten angaben, Hybridfahrzeuge zu nutzen oder deren Integration in die Flotte zu planen, liegt der Wert nun mit 35 Prozent deutlich höher. Im Vergleich der 13 Länder rückt Deutschland damit von Platz zehn auf Platz sechs vor. Bei den Plug-in-Hybriden schafft man sogar Platz fünf. Für Schmidt ist klar: „Es gibt keinen Weg zurück!“ Ein Drittel aller Fuhrparks wird Stand heute die Zukunft mit alternativen Antrieben bestreiten, was ein wichtiges Signal sei. Noch nicht eingerechnet seien dabei die Unternehmen, die sich noch in der Sondierung befinden (siehe Grafik).

Auch die Einführung der neuen WLTP-Testbedingungen (Worldwide Harmonised Light Vehicle Test Procedure), welche zahlreiche Verbräuche von Verbrennern dramatisch verschlechterten, schlug jetzt voll durch. Der Anteil der Unternehmen, deren Car Policy von den Ergebnissen beeinflusst wird, steigt von 16 Prozent 2018 auf jetzt 47 Prozent. Schmidt weiß, dass bei vielen Unternehmen die Car Policy, vor allem, wenn sie CO2-basiert war, regelrecht „kollabiert“ ist. Wie man mit den neuen strengeren Richtwerten umgeht, kann sie allerdings auch noch nicht prognostizieren, denn allein Zertifikate zu kaufen, kann keine Lösung sein. Doch trotzdem glauben nur 29 Prozent der befragten Unternehmen, dass es bedingt durch das neue WLTP-Testverfahren in den nächsten Jahren zu konkreten Veränderungen in ihrer Flottenstruktur kommen wird. Das Problem laut Schmidt: „Die nächsten Jahre sind eigentlich morgen!“ (s. Grafik oben).

Und auch die Dieseldebatte hinterließ ihre Spuren: Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen (53 Prozent) gab an, dass ihre Flottenpolitik von der Dieseldebatte bereits beeinflusst wird oder innerhalb der nächsten drei Jahre beeinflusst werden wird. Dieser Wert lag 2018 noch bei lediglich 32 Prozent – obwohl das Thema mittlerweile wieder aus der Öffentlichkeit schwindet und sich die Dieselverkäufe wieder leicht erholen. Die Dieseldebatte empfinden viele Unternehmen als aufgezwungene Auseinandersetzung, trotzdem muss man hier teils ganz neue Wege beschreiten (s. Grafik S. 70 unten). Doch auch hier ist Schmidt pragmatisch: „Ohne Schmerz gibt es keine Veränderung.“

Interessant: Erd- und Flüssiggas spielen als Alternativen praktisch keine Rolle. Was laut Schmidt schade ist, denn CNG und LPG hätten durchaus ihre Berechtigung bei der Umstellung der Flotten, zumal die Infrastruktur einigermaßen existiere. Trotzdem wird man aktiv. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der befragten Flottenmanager haben innerhalb ihrer Beschaffungsstrategie oder Car Policy bereits Maßnahmen ergriffen, um den CO2-Ausstoß ihres Fuhrparks zu reduzieren. Deutschland liegt damit sechs Punkte über dem europäischen Durchschnitt. Besonders bemerkenswert ist, dass der Anteil unabhängig von der Unternehmensgröße konstant hoch bleibt. Katharina Schmidt, welche die Studie immer wieder begeistert auswertet und anpasst, freut das: „Die Studienergebnisse zeigen über mehrere Kategorien hinweg konstant auf, dass ein klares Umdenken in den Unternehmen stattfindet.“ Zumal Deutschland bis 2018 hier eher auf der Bremse zu stehen schien (siehe nächste Seite oben).

„In den vergangenen Jahren lag Deutschland hinsichtlich des Energiewandels im Fuhrpark bei den Studienergebnissen zumeist im hinteren Mittelfeld Europas. Hier haben wir deutlich aufgeholt. Das hat sicher auch damit zu tun, dass wir in Deutschland von den stattfindenden disruptiven Prozessen in der Automobilindustrie in besonderem Maße betroffen sind und das Thema in den Köpfen deshalb aktuell besonders präsent ist. Beim ‚grünen Fuhrpark‘ sind wir zwar noch nicht angelangt. Doch die Transformation dorthin wird für Unternehmen mehr und mehr von der Kür zur Pflicht – Stichwort Dieselfahrverbote und die Attraktivität der steuerlichen Begünstigung.“

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Womit sie bei ihrem wichtigsten Punkt angelangt ist, der neu ist: die Entwicklung hin zu Mobilitätsalternativen wie Fahrgemeinschaften oder Carsharing, welche bisher nur dezent angegangen wurden. „Hier muss man enorm viel kommunizieren und die Nutzer mit ins Boot holen“, erklärt die rührige Arval-Auswerterin. Und: Der administrative Aufwand sei enorm. Insgesamt gaben aber bereits 27 Prozent der deutschen Unternehmen an, dass sie Fahrgemeinschaften eingeführt haben oder starten wollen, bei Carsharing liegt der Wert bei 24 Prozent. Schmidt vermutet auch die zögerlichen Auslieferungen als Treiber: „Diese Entwicklung wird sicher auch durch verzögerte Fahrzeugauslieferungen und das Warten auf passende Modellalternativen wie Plug-in- und Elektrofahrzeuge vorangetrieben.“ (siehe beide Grafiken rechts).

Neben dem Energiewandel betrachtet das Fuhrpark-Barometer weitere fuhrparkrelevante Themen. So ist etwa der Indikator für das Flottenwachstumspotenzial (die Differenz zwischen dem Anteil der Unternehmen, die eine Zunahme der Flottengröße erwarten, und dem Anteil der Unternehmen, die einen Rückgang erwarten) in Deutschland signifikant gestiegen von plus vier Punkten 2018 auf jetzt plus 13 Punkte. Die Zuversicht deutscher Unternehmen liegt damit nun knapp über dem europäischen Durchschnitt (plus zwei Punkte), bei großen Unternehmen (über 1.000 Mitarbeiter) liegt sie mit plus 29 sogar deutlich darüber. Zudem bestätigt die Studie weiter die Relevanz von Leasing mit Kilometervertrag als Finanzierungsform für deutsche Unternehmen.

Wenig innovativ sei Deutschland dagegen in Sachen Telematik: Obwohl sich hier erhebliche Einsparungen erzielen ließen, nutzen die Möglichkeit nur elf Prozent der Unternehmen, in den anderen zwölf Staaten tun das bereits 21 Prozent. Hauptkritikpunkt ist hier immer noch der Datenschutz, um den in Deutschland immer ganz besonders viel Aufhebens gemacht wird. Außerdem gäbe es laut Schmidt noch nicht immer die tollen Tools dafür.

Ansonsten stimme die Richtung, vor allem beim Verzicht auf Firmenfahrzeuge zugunsten von Mobilitätsalternativen, wenngleich das hauptsächlich von großen Unternehmen getrieben sei. Wichtig seien hier skalierbare Modelle, dann steige auch die Chance auf intermodale Mobilität.

Auf den Punkt

Es ist … ein spannendes Barometer für den Mobilitätswandel.

Schön, dass … die Umstellung nach anfänglichem Zaudern jetzt so Fahrt aufnimmt.

Schade, dass … nicht alle Potenziale voll ausgeschöpft werden.

Was haben Flotten davon? Eine interessante Übersicht über Europa.

Fuhrpark-Barometer 2019

Das Arval Mobility Observatory (AMO) Fuhrpark-Barometer 2019 ersetzt das CVO Fuhrpark-Barometer und bietet eine Bestandsaufnahme hinsichtlich Trends, Lösungen und Anwendungen gewerblicher Mobilität, die nicht nur auf Dienstwagen begrenzt ist. 2019 wurde die Befragung im März in zwölf europäischen Ländern sowie der Türkei durchgeführt. Dazu wurden insgesamt 3.930 Telefoninterviews mit Flottenmanagern geführt, davon 300 in Deutschland. Die gesamte Studie kann ab sofort kostenlos unter www.arval.de/de/amo angefordert werden.

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Artikel Die Wende kommt!
Seite 68 bis 72 | Rubrik konnektivität
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