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Haupt-Sache zukunftssicher

Bauunternehmer Hubert Haupt setzt die Neuausrichtung der Mobilität auch städtebaulich um. (Von Gregor Soller)

Bild: Das Dörnberg
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Gregor Soller

Hubert Haupt hat zwei unterschiedliche Leidenschaften, die er dafür umso intensiver lebt: Beruflich bleibt er extrem immobil, das dafür aber im großen Rahmen – indem er große Bauprojekte umsetzt.

In seiner Freizeit mag er es dafür mobil und schnell: Hier ist Rennsport sein Steckenpferd. Dadurch ist er auch in der Automobilbranche stark vernetzt und weiß, dass diese die Neuausrichtung der Mobilität mittlerweile ernst nimmt und umsetzt. Was er mit dem Bauprojekt Dörnberg zusätzlich anschiebt: Er möchte mit seinem Vorhaben in Regensburg zukunftsfähigen Wohnbau und neue Mobilitätsformen verbinden. Das Dörnberg ist aktuell das größte privat finanzierte Wohnbauprojekt in Bayern.

Der Antrieb ist Hubert Haupt selbst, der mit seinen Projekten immer gern neue Wege beschreitet. So auch beim Dörnberg, das komplett verkehrsberuhigt angelegt wird. Dort entstehen im ersten von drei Bauabschnitten rund 200 Tiefgaragenstellplätze, die bereits für E-Ladestationen vorgerüstet sind oder je nach Käuferwunsch bereits über eine Ladestation verfügen. Energetisch wird im Quartier vorgesorgt, zusammen mit dem lokalen Energieanbieter: Ein zusätzlicher Anschluss für E-Autos mit 400 kW Leistung beugt Netzüberlastungen vor. Freibleibende Kapazitäten des quartierseigenen Trafos im Quartierszentrum Dörnbergforum werden gleichmäßig verteilt.

Der Bauherr bezuschusst die E-Mobilität

Intelligente Energie- und Lastverteilung wird zu einem der künftigen Kernthemen. Die Vorrüstung der Stellplätze wird zu etwa 50 Prozent von Bauherrenseite bezuschusst: Diese sind überzeugt von dem Konzept und seiner Bedeutung, denn „E-Mobility-Fähigkeit“ wird in einigen Jahren zur zeitgemäßen Ausstattung einer Wohnung in Mehrparteienhäusern gehören. Außerdem umgeht man damit Probleme einer Nachrüstung (Stichwort Eigentümergemeinschaft usw.). Und man kooperiert mit dem lokalen BMW-Autohaus: Wohnungskäufer im Dörnberg erhalten Ermäßigungen beim Kauf von E- oder Hybridmodellen der Marke BMW oder Mini. Womit die beiden Leidenschaften Mobilität und Immobilie auch in der Projektdurchführung verknüpft wären.

Fotos: Das Dörnberg

E-Mobilität: Jetzt auch im Wohnungsbau

Grundsätzlich ist im Dörnberg jedes Haus durch einen separaten Hausanschluss für die E-Mobilität vorgerüstet. Das ist nicht selbstverständlich und im Geschosswohnungsbau nur durch das durchdachte Lastmanagement, welches beim Dörnberg zusammen mit dem lokalen Energieversorger REWAG (Regensburger Energie- und Wasserversorgung AG & Co KG) entwickelt wurde, überhaupt möglich. Das ist die Grundvoraussetzung, dass jeder TG-Stellplatz durch eine entsprechende Verkabelung mit einer 22-kW-Ladestation ausgestattet werden kann. Die Vorrüstung am jeweiligen Stellplatz (Verkabelung bis zum Stellplatz) wird seit Einführung der E-Mobilität am Dörnberg im Januar 2018 standardmäßig für jeden im Einzelvertrieb befindlichen Stellplatz vorgenommen.

Status 1. Bauabschnitt

Personen, die vor Januar 2018 eine Wohnung mit Stellplatz erwarben (rund 150 Käufer), konnten die Verkabelung respektive nachträgliche Vorrüstung am Stellplatz nachträglich beauftragen. Dafür haben sich 80 Prozent (!) entschieden. Mittelweile sind im ersten Bauabschnitt 243 von 274 Stellplätzen vorgerüstet. Rund jeder vierte Kunde hat sich Stand heute für eine fertige 22-kW-Ladestation entschieden.

Ausblick

Auch im 2. und 3. Bauabschnitt werden die Tiefgaragenstellplätze aller Wohnungen, die sich im Einzelvertrieb befinden, standardmäßig für E-Mobilität vorgerüstet. Stand heute sind das dann rund 600 weitere Stellplätze. Im Vergleich zum 1. Bauabschnitt kann sich der Bauherr im 2. und 3. Bauabschnitt nach aktuellen Entwicklungen in Sachen E-Mobilität vorstellen, dass sich hier nahezu jeder dritte Privatkäufer bereits beim Wohnungskauf für die Komplettinstallation einer fertigen 22-kW-Ladesäule an seinem Stellplatz entscheidet.

Im Endausbau wird es rund 1.300 Stellplätze im Dörnberg geben. Grundsätzlich sind alle Stellplätze durch das Lastmanagement im Areal und die Vorhaltung der separaten Hausanschlüsse für 22-kW-Ladestationen vorbereitet. Die Vorrüstung am jeweiligen Stellplatz (Verkabelung bis zum Stellplatz) wird nach heutigem Stand voraussichtlich bei knapp 900 Stellplätzen (ausgenommen sind zum Beispiel Wohnungen mit einkommensorientierter Förderung, sogenannte EOF-Wohnungen) bis zum Bauende (voraussichtlich 2021) vorgenommen. Damit ist das Dörnberg eines der aktuell größten Projekte dieser Art in Europa, in Deutschland vermutlich sogar das größte.

Der bisherige und zu erwartende Zuspruch von Seiten der Käufer gibt der vorausschauenden Planung recht. Die Anzahl an fertigen 22-kW-Ladestationen ist zum heutigen Stand dennoch schwer vorauszusagen und hängt sicherlich die nächsten Jahre mitunter davon ab, wie stark dieses Thema auch in der Autobranche vorangetrieben wird. Auch hier denkt der Bauherr quer: Beim lokalen BMW- und Mini-Autohaus erhält jeder Wohnungskäufer im Quartier attraktive Konditionen beim Kauf ausgewählter teil- oder vollelektrischer Modelle. Wichtig: Auch wenn der Käufer die E-Ladestation nicht direkt beim Wohnungskauf beim Bauherrn respektive der REWAG mitbeauftragt, kann er jederzeit ohne Probleme seine private 22-kW-Ladestation bei Bedarf an seinem Stellplatz einbauen lassen.

Interview Hubert Haupt

Hubert Haupt Der Bauherr äußert sich zu seinem Bauprojekt.

Der Bauherr ist überzeugt von der Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit des Konzepts, weshalb er 50 Prozent dieser Vorrüstungskosten jedes Stellplatzes trägt.

Mit welchen Zusatzkosten ist für die Vorrüstung der Stellplätze nach Abzug der Förderungen noch zu rechnen?

Haupt:Die Kosten für die Vorrüstung belaufen sich auf rund 3.500 Euro brutto je Stellplatz. Die zusätzliche 22-kW-Ladesäule kann für rund 2.000 Euro brutto durch den Käufer mitbeauftragt werden. Die Investitionskosten für die Komplettinstallation belaufen sich für den Käufer somit aktuell auf rund 3.800 Euro brutto.

Welche Ladetechnik wird hier verwendet?

Verbaut werden im Dörnberg Wallboxen der Firma ChargeIT mit Wechselstrom mit je bis zu 22 kW Leistung. Als Ladeart wird die sogenannte „Mode 3“-Ladung genutzt, die im Zusammenspiel mit dem entsprechenden Kabel und dem Fahrzeug die höchste Sicherheit bietet und künftige Kommunikationsformen mit neuen Fahrzeugtypen sicherstellt. Die Wallboxen sind durch eine RFID-Authentifizierung vor Fremdbenutzung geschützt. Der Verbrauch wird über einen geeichten MID-konformen Zähler gemessen.

Sind die Stellplätze auch schon „smart“ mit den Wohnungen verbunden oder ist das möglich?

Derzeit sind die Stellplätze noch nicht direkt mit der zugehörigen Wohnung „verbunden“. Künftig wird es jedoch möglich sein, dass Kunden über eine Cloud Einsicht in die genauen Ladedaten an ihrem Stellplatz erhalten und so zum Beispiel die spezifische Ladekurve ihres Fahrzeuges und den exakten Strombezug zu einem bestimmten Zeitpunkt feststellen können. Über den Onlineservice der REWAG hat der Kunde so den Gesamtüberblick über seinen Strombezug in der Wohnung und am Stellplatz.

Gibt es ein umfassendes Energiekonzept, um Das Dörnberg über eine smarte V2Grid-Lösung eventuell sogar energieautarker oder CO2-neutraler zu machen? Oder könnte man das „nachrüsten“?

Bei der Steuerung der Leistung der einzelnen Elektromobilitätscluster soll künftig auch auf Anforderungen des öffentlichen Stromnetzes reagiert werden können. Die Vorrüstungen und das Lastmanagement sind hierzu schon vorbereitet. Die Wärmeversorgung aus dem Fernwärmenetz für das Quartier Das Dörnberg, eine Brauerei sowie weitere Kunden wird aus zwei Erdgaskesseln mit jeweils vier MW und vier mit Biomethan betriebenen Blockheizkraftwerken mit einer elektrischen Leistung von je 260 kW bereitgestellt und wurde dafür neu errichtet. Der Strom der vier Blockheizkraftwerke wird ins öffentliche Netz eingespeist. Den Großteil der Fernwärme liefern zukünftig die Blockheizkraftwerke, die Spitzenlast steuert der Erdgaskessel bei. Um 100 Prozent CO2-neutrale Wärme zu liefern, müssten die Kessel ebenfalls mit Biomethan befeuert werden. Dies würde jedoch zu einer deutlichen Erhöhung des Wärmepreises führen. Eine energieautarke Lösung für das Quartier gibt es nicht, da der produzierte Strom in das öffentliche Netz eingespeist werden muss.

Was gibt es außer den Vorrüstungen für die Elektromobilität noch für Ansätze, um Verkehr im Dörnberg zu reduzieren oder die Bewohner zum Verzicht auf Autos zu bewegen?

Das Dörnberg selbst ist verkehrsberuhigt gestaltet. Die Lage des Stadtquartiers in Laufweite zur Regensburger Altstadt sowie zum Bahnhof liefert den Anwohnern natürlich von Haus aus einen Anreiz, auf das Auto zu verzichten. In diesem Umfeld bietet sich die Fortbewegung mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Fahrrad oder zu Fuß im Alltag an. Das Dörnberg wird durch eine Linie des öffentlichen Busverkehrs mit einer eigenen Haltestelle quasi direkt vor der Haustür neu erschlossen. Der 52.000 Quadratmeter große quartierseigene Landschaftspark ist durchzogen von einem Fuß- respektive Radwegenetz, das für eine verbesserte Anbindung von Regensburgs Westen an die Innenstadt sorgt, das heißt, er leistet über die Grenzen des Quartiers einen Anreiz, auf das Auto zu verzichten. Für die weiteren Bauabschnitte bzw. nach Fertigstellung des Stadtquartiers ist außerdem die Umsetzung von Angeboten wie (E-)Carsharing und (E-)Bikesharing angedacht.

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Artikel Haupt-Sache zukunftssicher
Seite 68 bis 70 | Rubrik infrastruktur
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