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Intelligentes Laden: So viele Kilometer hätte man 2023 (fast) kostenlos fahren können

Editorial Newsletter VISION mobility

Liebe Leserinnen und Leser,

wird Deutschland Opfer seiner Technologieoffenheit – oder ist es nur Widersprüchlichkeit? Wenn man der aktuellen Nachrichtenlage Glauben schenken möchte, kann man das schon meinen. Denn während einige CEOs ihre „Electric only“-Strategie gerade kassieren, fragen andere nach, wohin das führen soll und wie man dann bis 2035 die CO2-Ziele erreichen möchte.

Während HVO100 nach ewigen Diskussionen endlich eingeführt wird und vor allem Bestandsflotten beim CO2-Senken hilft, ist es in anderen Nationen längst an etlichen Tankstellen zu haben. Während die Verkäufe von Brennstoffzellen-Pkw erstmals die Zahl Null (!) ausweisen, stellt uns BMW seinen X5-Prototypen mit Brennstoffzelle zum Test auf den Hof. Während alle Förderungen für E-Mobilität gestrichen wurden, auch beim Lkw und Bus, sollen neue umweltfreundlichere Verkehrsmittel in der Infrastruktur wieder gefördert werden. Und während bei Bahn und Lufthansa gestreikt wird, bis der Arzt kommt, freut man sich über die Pünktlichkeit der Flüge und Züge im europäischen Ausland – wo man sich über minutengenaue Ankünfte wundert, während man innerdeutsch überlegt, wie viel Extra-Reisezeit denn einzuplanen wäre …

Das alles ist umso verstörender, als sich aus den fehlenden Leitlinien auch der rote Faden für die Bevölkerung und die Industrie ergibt. Klar ist, dass das mit der E-Mobilität ganz so einfach nicht ist, aber nachdem man die Industrie (weltweit übrigens!) darauf einschwor und die Milliarden umshiftete und für die Mobilitätswende freimachte, steht man jetzt plötzlich voll auf der Bremse und bringt Alternative um Alternative ins Spiel.

Statt einfach die Städte konsequent für den Radverkehr und ÖPNV umzubauen, die Ladeinfrastruktur weiter auszubauen und die Transformation auf neue Mobilitätsformen planbar (und klar – nicht auf Dauer) zu fördern, herrscht planerisches Chaos in Deutschland, was durch GDL- und Verdi-Streiks trefflich befeuert wird. Und da die Preise immer weiter stiegen, kann man es am Ende niemandem verübeln, wenn er deshalb erstmal alles so lässt, wie es ist. Weshalb der Verkehr von allen politischen Ressorts nach wie vor am wenigsten zur CO2-Reduktion beiträgt.

Wären wir bei der Umstellung der Bahn von Dampf auf Diesel und Strom, bei der Transformation der Haushalte oder bei der Einführung der ersten Rechner in den 1950er Jahren ebenso vorangeschritten, würden wir vielerorts wahrscheinlich heute noch mit Kohle oder gar Holz heizen und dann einen Rechenschieber aus eben jenem Material in die Hand nehmen, um nachzurechnen, wie viel CO2 wir zuletzt wieder verfeuert haben – wobei der Rechenschieber tatsächlich weniger CO2 freigesetzt hätte als die Online-Berechnung mit einem schlauen Programm. Trotzdem ist Stehenbleiben keine Lösung, denn: Das einzig Beständige ist der Wandel! Und wenn wir den nicht selbst freiwillig vorantreiben, solange wir die Spielräume dazu haben, könnte es sein, dass wir eines Tages dazu gezwungen werden. Dann werden Widersprüche nicht mehr geduldet und eine Art von „Offenheit“ – und Verzicht – erwartet, die wir uns in ihrer Heftigkeit noch gar nicht ausmalen wollen.

Ihnen trotzdem ein buntes Osterfest, an dem gern auch neue Ideen und Vorsätze hin zum Guten „Auferstehung“ feiern dürfen! Alles Beste wünscht Ihnen und Ihren Lieben
 

Gregor Soller
Chefredakteur VISION mobility

Gregor Soller
Chefredakteur (V.i.S.d.P.)
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