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Agora/DVR/ADFC/Städtetag: Straßenverkehrsrechts-Reform ist wichtiger Schritt, aber nicht genug

Editorial Newsletter VISION mobility

Liebe Leserinnen und Leser,

willkommen in der neuen Woche – und willkommen zu einer neuen Ausgabe der VISION mobility, die ab jetzt in den Briefkästen und am gut sortierten Kiosk liegt! Schwerpunkt ist einmal mehr neue, erschwingliche Mobilität, die auch aus China kommen sollte. Klar ist leider: Die Mobilitätswende stottert gerade etwas.

Und auch wenn es niemand hören will: Mobilität wird grundsätzlich teurer! Viel teurer. Das liegt nicht nur an den Strafzöllen gegen Importe aus China, sondern vor allem an einer Infrastruktur, die über Jahrzehnte auf Verschleiß befahren wurde. Die großen Autobahnbrücken erreichen nach 40, 50, 60 oder gar 70 Jahren ihr „natürliches Ende“ ihres Lebenszyklus und müssen, wenn nicht neu gebaut, zumindest doch umfassend saniert werden. Was das heißt, kann man vor allem in NRW und dort im Sauerland sehen.

Die Bahn, die einst an die Börse gebracht werden sollte, wurde ebenso kaputtgespart: Ein Insider erzählte uns von immer weiter demontierten Weichenvorfeldern, was zur Folge hat, dass sich Züge vor den Bahnhöfen „stauen“, wo man einst über die zahlreichen, aber eben wartungsintensiveren und teuren Weichen mehrere Züge durch die Bahnhöfe schleusen konnte. Verspätungen sind mittlerweile ebenso normal wie ausgefallene Anzeigen, zu warme oder zu kalte Waggons und in den ICEs Bordbistros mit eingeschränktem Angebot.

Vor allem Verordnungen treiben die Fahrzeugkosten

Gleichzeitig bleiben die Sprit- und Strompreise auf hohem Niveau, was die Fahrzeugkosten treibt. Die übrigens auch wegen immer neuer Verordnungen und Zulassungsvorschriften immer teurer werden. Auf dem 16. Wissenschaftsforum der Mobilität erklärte uns ein Insider, dass nur rund 30 % der Tests und Validierungen der technischen Absicherung der neuen Fahrzeuge dienten, die übrigen 70 % aber aufgrund verschiedener regionaler Vorgaben und Zulassungsbestimmungen gemacht werden müssten. Eine versteckte Art, Märkte zu schützen. Heißt, wer wirklich international tätig sein will, muss von China über Südostasien, Südamerika, Afrika, Europa und Nordamerika ALLE Vorschriften, Crash- und Zulassungstests kennen und im Idealfall mit fünf Sternen erfüllen! Das führt zu immer größeren, schwereren und natürlich auch teureren Fahrzeugen.

Wer seine Märkte und Produkte mit Zöllen schützen muss, ist global nicht wettbewerbsfähig

Dann kündigt die EU ab 1.7.2024 noch Strafzölle für Autos aus chinesischer Produktion an, was auch einige Euro-Modelle betrifft, die nur in China gebaut werden. Mal kurz gerechnet: Der Basis MG4 kostet dann statt 34.990 plötzlich 48.321,19 Euro! Und fällt damit aus dem Markt … Auch Tesla hat für das für Europa nur in China produzierte Model 3 schon Preiserhöhungen angekündigt. Zahlen dürfen die Kunden. Zumal durch solche Maßnahmen ein neuer Handelskrieg entstehen könnte. Selbst VDA-Präsidentin Müller gibt zu bedenken, dass man damit einen „weiteren Schritt weg von globaler Zusammenarbeit“ gehe und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie eher nicht stärkt. Merke: Wer seine Produkte mit Zöllen schützen muss, bietet nicht genug Qualität!

Auch hier sprachen wir in China und auf dem Wissenschaftsforum der Mobilität mit Insidern, nämlich mit chinesischen Unternehmern, die in erster Linie internationale Handelsbeziehungen suchen und jedes Mal überrascht sind, wenn ihre Ambitionen mit den Weltmachtphantasien ihres Staatsoberhauptes in einen Topf geworfen werden, wobei uns einer dieser Insider ganz offen erklärte, dass man auch in China schon längst nicht mehr für „lau“ produzieren könne und wirtschaftliche Erfolge gern mal von der Politik aufgenommen und als „Systemerfolge“ verkauft würden.

Am Ende schadet diese ganze Gemengelage aber nicht nur dem eigenen Geldbeutel, sondern auch dem Umbau der Mobilität. Und dann wird es noch teurer, denn wir können es nicht oft genug betonen: Das Klima wandelt sich schneller und stärker, als wir vielleicht noch vor ein paar Jahren annahmen. Wenn wir hier nicht sofort stark gegensteuern, werden immer schneller und heftiger wiederkehrende Naturkatastrophen nicht nur die Mobilität, sondern unser Leben überhaupt sehr schnell sehr teuer machen!

Ihnen trotzdem einen guten Start in eine zollfreie Woche,

Gregor Soller
Chefredakteur VISION mobility

Gregor Soller
Chefredakteur (V.i.S.d.P.)
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